Wo sich Heveling irrt

Es ist ja nicht so, dass alles was Heveling schreibt, falsch ist. Seine Rechtschreibung ist zum Beispiel richtig, das könnte allerdings auch ein Verdienst der Redaktion des Handelsblatts sein. Vieles andere ist jedoch schlicht und einfach falsch und das ist auch noch eindeutig belegbar.

Das fängt schon bei der Geschichte des Urheberrechts an. Die ältesten datierten Ursprünge finden sich nicht in der französischen Revolution, sondern ein wenig früher, nämlich im Jahre 567. Und die Quelle kommt auch nicht aus Frankreich, sondern aus Großbritannien. Das lese ich jedenfalls in einem Buch, echt gedruckt auf Papier [1]. In dem Fall ging es um Rechte des Urhebers (Verwerter gab es damals allenfalls als Abdecker, Verwertungsgesellschaften schon gar nicht), aber das geriet recht schnell in Vergessenheit.

Richtig populär wurde die Idee des Copyright erst nach der Erfindung des Buchdrucks, da wiederum ging es aber um den Schutz der Verleger, die den Autoren in der Regel Geld gezahlt haben für das Manuskript. Die Idee, dem Autoren Rechte zu geben kam – auch in England – dafür aber schon 1709 auf[2]. Das steht übrigens nicht nur in gedruckten Büchern, sondern auch in der Wikipedia [3].

Abgesehen davon, dass Heveling schon bei grundlegenden Fakten ziemlichen Unsinn schreibt, kann man sehen, dass Internet, Bücher und Fußnoten sich nicht ausschließen und dass man beides gleichzeitig benutzen kann. Man kann auch sehen, dass Herrn Hevelings Rechercheleistung anscheinend armselig war, aber daran ist wahrscheinlich die Schnelligkeit des Internet und so was schuld. Oder es gibt einen Zusammenhang mit dem Parteibuch, der  CDU/CSU-Abgeordnete hindert, ein wenig grundlegende Recherche selbst zu betreiben.

Der nächste Irrtum ist noch banaler. Es glaubt wohl niemand, dass das Internet, wie wir es jetzt in diesem Moment kennen, auf ewig so fortbestehen wird. Es wandelt sich stetig und ist schon in dem Moment nicht mehr das Gleiche wie vor einer Minute, als ich den Satz davor geschrieben habe. Und ja, natürlich, eines Tages wird es nicht mehr viel mit dem Internet gemein haben, das wir derzeit kennen. Es ist aber abenteuerlich, daraus zu schließen, dass das Ergebnis des Wandels des Internet zwangsläufig die Rückkehr zu den Zeiten vor 1997 sein wird [4]. Das Ignorieren einer Erscheinung hat zu keiner Zeit den Wandel aufgehalten, das sollte gerade einem geschichtsbewussten Politiker klar sein. Es rettet einen nur vor dem gefräßigen Plapperkäfer von Traal, allerdings auch nur auf Grund dessen unglaublicher Dummheit [5].

Der nächste Fehlschluss beruht auf einer ähnlichen Logik und geht ungefähr so: „Weil das Internet das Kopieren von Inhalten leichter macht, sollte man das Internet verbieten.“ Das wäre in etwa so, als ob man den Buchdruck verboten hätte, weil Plagiate plötzlich einfach, schnell, billig und (vergleichsweise) massenhaft möglich geworden sind. Auf diese blödsinnige Idee kam aber nicht mal irgendein spätmittelalterlicher Herrscher, selbst die haben verstanden, dass der Buchdruck nicht unbedingt eine schlechte Erfindung sein muss. Allenfalls wurde der Import von Büchern verboten, weil keine Bücher mit „Ketzerei“ ins Land kommen sollten. Das hat die „Ketzerei“ nicht aufgehalten, dafür aber den im Mittelalter noch sehr freien Wissensaustausch in Europa behindert.
In der CDU/CSU von heute scheint der Gedanke durchaus Anklang zu finden [6].   Ja, es stimmt, die Jugend verwahrlost geistig immer weiter. Auch geschichtsbewusste Abgeordnete.

Der Rest des Artikels ist mir zu flach, um es zu kommentieren. Das übergebe ich der Crowd in den Kommentaren.

[1] Bainbridge, Intellectual Property, London 1999, S. 32 referenziert den Fall Finnian vs. Columba.
[2] Bainbridge, a.a.O, S. 32.
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Statute_of_Annehttp://de.wikipedia.org/wiki/Statute_of_Anne
[4] Dieses Datum ist absolut willkürlich gewählt und bezeichnet das Jahr, in dem ich auf das Netz gekommen bin.
[5] Wenn Hr. Heveling schon keine Ahnung von den Ursprüngen des Internet und von Logik hat, sollte er doch den Anhalter lesen. Hat er aber wahrscheinlich nicht.
[6] Wahrscheinlich wird man ihn unter Schutz stellen wollen, damit niemand ihn raubkopiert. Zur Not erfindet man eben ein neues Schutzrecht für Gedanken.