Abel Tasman – paddeln und laufen

Die Paddeltour soll früh starten, also so gegen 10 und deshalb muss ich um 8.45 da sein. Bin ich auch, als einer der letzten. Sarah wird uns über den Tag führen, eine bunt gemischte Truppe aus Europäern und einem indischen Pärchen (die hab ich wohl noch mal im Milford Sound gesehen). Und hier wird auch klar, warum eigentlich keine Kajaks an Einzelpersonen vermietet werden: Die See ist rauh und es ist nicht ganz unanstrengend. Zu anstrengend für Team India, die nicht hinterher kommen. Die beiden haben übrigens, wie sich herausstellte, als er anfing schlechte deutsche Schlager zu singen, einen deutschen Hintergrund. Er hat in Österreich gearbeitet und sie für die deutsche Entwicklungshilfe. Lustige Zufälle gibt es…
Der Abel Tasman Park ist wunderschön, dazu noch „Fur Seals“ (keine Robben, sondern Seelöwen, aber mit Terminologie ist das ja sowieso so eine Sache. Wie ich gelernt habe: Robben haben eine Schwanzflosse, Seelöwen eine zweigeteilte) und wohl auch blaue Pinguine. Allerdings, verglichen mit der Südküste, in vergleichsweise homöopathischen Mengen und nur vereinzelt. Dazu laufen noch eine Art Austernfischer rum, aber die kenne ich schon aus den Marlborogh Sounds und Motueka.
Einigermaßen kurios ist auch, dass Sarah das Maori-Erbe versucht, mit einfließen zu lassen und lebendig zu halten. Lustig deshalb, weil ihre Vorfahren Serben sind und wohl in den 60er Jahren nach Neuseeland gekommen sind und Sarah sehr wenig von einem Maori hat. Aber egal, sie war super als Guide.
Auf dem Zeltplatz gibt es dann plötzlich sehr sehr viele Deutsche und nur noch eine Französin und das Verhältnis wird bis zum Ende praktisch auch so bleiben. Dafür gibt es ein WLAN, das eigentlich nur dazu gedacht ist, die Park-App aus dem Google-App-Store zu laden, aber wenn man das nicht tut, kann man auch manche Apps wie Twitter ganz normal nutzen. Und das mitten in der Wildnis, wo es nicht mal Handyempfang gibt…
Der nächste Tag wird ein wenig stressiger als gedacht, weil die Tourplanung vergessen hat zu erwähnen, dass die eigentliche Fünf-Stunden Wandertour nur fünf Stunden dauert, wenn man den Ebbe-Weg durch eine Bucht nehmen kann. Nur leider ist Ebbe zur falschen Zeit und das zwingt zu einem 1,5 Stunden Umweg. Und zu einer sehr unentspannten Wanderung, weil ich mich plötzlich beeilen muss, das Wassertaxi noch zu kriegen, es ist das letzte planmäßige an dem Tag… Das ist ziemllich schade, denn der Abel Tasman Park hat auch wunderbare Buchten und es bleibt recht wenig Zeit.
Am Abend geht es wieder nach Motueka und ich stifte noch ein französisches Pärchen an, den Parkplatz des Golfclubs auch als Schlafplatz zu missbrauchen. Der bietet sich aber auch gut an. Wenig überraschend wollte am ersten Weihnachtstag früh morgens auch niemand Golf spielen.

„Pegida ist nicht rechtsextremer geworden“

Als Jurist hat man ja mit empirischer Sozialforschung, nun ja, eher wenig zu tun. Aber wenn man sich ein paar Befunde der neuen Pegida-Studie vom Pegida-Oberversteher Patzelt anschaut, ist es sogar für mich ziemlich offenkundig, dass man mit den Ergebnissen nichts anfangen kann. Das liegt nicht mal an den Fragen, sondern an der Erhebung selbst.
Da haben 43% derjenigen, die die Befragung durchgeführt haben, schon bei der Befragung selektiert, wen sie ansprechen und bei wem das vermutlich keine so gute Idee ist. Die Vermutung dürfte plausibel sein, dass das vorwiegend Personen sein dürften die „ihrer äußeren Erscheinung nach dem rechten Spektrum zuzurechnen sind“ (man könnte sie auch Nazis nennen, aber ich mag Euphemismen).
Von denjenigen, die also vielleicht nicht ganz so offenkundig ihre politische Einstellung nach außen trugen, haben sage und schreibe 2/3 sich geweigert, an der Befragung teilzunehmen. Auch hier ist die Vermutung nicht ganz abwegig, dass es nicht die ganz normalen Bürger mit (für Pegida) gemäßigten Einstellungen gewesen sein dürften, die die Antwort verweigert haben.
Und von den dem 1/3, das doch geantwortet hat, sind 19% Rechtsextreme. Was das noch über die Einstellung der Gesamtzahl der Teilnehmer aussagen kann?
Nichts, rein gar nichts.

Sieht auch das Sprachlos-Blog so.

Norden im Süden

Jetzt die Südinsel. Erst mal paddeln gehen, die Marlborough Sounds sollen ja toll sein. Sind sie auch, nur leider verleihen sie auf der Südinsel keine Kanus an Einzelpersonen, in der Bay of Islands war das ja kein Problem. Hier ist das Wasser spiegelglatt und in Elaine Bay und Okiwi Bay gibt es keine kommerziellen Schiffe, aber nix zu machen. Wunderschön ist es trotzdem, die Buchten und Strände sind sogar schöner als im Abel Tasman Park. Und weil es so schön ist, ist der Campingplatz fast leer. Das soll allerdings auch praktisch der einzige im Süden bleiben, bei dem das so ist…
In Nelson gucke ich dann nach geführten Kanutouren im Abel Tasman Park – es gibt welche, allerdings startet die Tour in zwei Tagen. Also noch zwei Tage rumbringen bis dahin. So einfach wird das nicht, so viel gibt es nicht zu tun.
Zwei Weinproben auf nicht ganz überzeugenden Weingütern, deren Spezialität Rotweine sein wollen und die nicht älter sind als ich, lande ich dann in Motueka, so ziemlich der einzigen wichtigeren Stadt vor Westport (ungefähr 250 km entfernt, im Süden ist alles ein wenig weiter entfernt).
Also erst mal in Motueka einkaufen (das musste ich auf der Südinsel stärker planen als im Norden, hier wohnen auf der größeren Insel nur 1 Mio Menschen, im Norden 3,5 Mio) und es gibt sogar vernünftiges Brot. Also welches, das sich wie Brot anfühlt und auch so schmeckt. Auch wenn ich erst mal in den Abel Tasman Park fahre, das Brot wird gekauft. Zwei Tage im Auto schaden ihm ja nicht so sehr. Das Papptoastbrot, das ich vorher gekauft hatte, ist dann … ach egal. In Motueka habe ich jedenfalls eine angenehme, nicht ganz so illegale Übernachtungsgelegenheit gefunden: Der Parkplatz des örtlichen Golfclubs. Der örtliche Platz für Camper hält zwar eine Dusche und Grills bereit, aber ist wie üblich nur für Camper mit Toilette. Dafür sitzen da Deutsche mit Weihnachtsmannmützen. Ist ja auch der 22.12.
Neben einer Bäckerei hält der Ort noch eine französische Patisserie und ein kleines Museum bereit, das eine Apfelausstellung enthält (ein Nachbarort heißt Braeburn) und natürlich auch ein paar Informationen zu Gallipoli. Und zur Einwanderungsgeschichte, die auf der Südinsel wohl vor allem von der New Zealand Company auf recht zweifelhafte Art und Weise organisiert wurde. Vollkommen zusammenhanglos hängt da im Museum auch ein Erklärbärplakat für die verschiedenen Creative-Commons Lizenzen.
Im ehemaligen Hafen liegt ein verrottender ehemaliger Minenleger (gebaut 1901 in Schottland), der nach dem zweiten Weltkrieg als Trawler umgerüstet wurde, aber dafür untauglich war: Schiffe seiner Größe durften nicht in Küstennähe fischen und für weite Ausflüge war nicht genug Platz für Kohle. Also liegt er jetzt als eine Art Denkmal im versandeten ehemaligen Hafen.
Der nächste Tag führte dann nach Kaiteriteri (ein Ferien- ja was eigentlich, Ort eigentlich nicht) auf einen Zeltplatz, bei dem eine freundliche ältere Schweizerin an der Kasse stand. In Kaiteriteri gibt es viel Strand und einen noch größeren Campingplatz, leider aber kein gutes Wetter. Der Abend bringt noch eine nette längere Unterhaltung mit einem französischen Pärchen. Und dann ging es auch schon in den Abel Tasman Nationalpark, aber das wird eine andere Geschichte.

Wellington

Wellington, Hautpstadt, aber nicht wirtschaftliches Zentrum und deutlich kleiner als Auckland. Aber dafür Regierungssitz und erdbebengefährdetes Gebiet. Irgendwas ist ja immer.

Wellington gilt als „windy city“ und – es stimmt. In der sehr empfehlenswerten (wenngleich riesigen) Jugendherberge scheinen sie die Gäste nach Nationalität aufzuteilen, oder es sind wirklich sehr sehr viele Deutsche in Neuseeland. Abends gehe ich jedenfalls noch mit einem ehemaligen BKA-Beamten, der jetzt mit seinem Fahrrad durch die Welt tourt, noch auf die Suche nach Essbarem. Malaysisch kannten wir nicht, ist lecker. Die Heuristik, die sich bewährt hat: Das Lokal darf weder zu voll (man wartet ewig und es könnte sich um einen Hype handeln) noch zu leer (könnte gute Gründe haben…) sein. Hat gepasst.
Das Wetter am nächsten Tag war sehr wellingtonisch und das Te Papa (Nationalmuseum) ist trocken, riesig und kostenlos. Perfekt um da den Tag zu verbringen. Teile der Ausstellung sind grandios, natürlich gibt es auch eine zu Gallipoli, und ansonsten recht viel zur neuseeländischen Natur. Da liegt dann ein Riesenkalmar im Formaldehybad und ein Blauwalskelett hängt an der Decke. Schon groß…

Dann gibt es für Essen noch eine Art Markthalle, in der man an verschiedenen Ständen so ziemlich alles zu essen kriegt, was man möchte, jedenfalls theoretisch, falls die Stände nicht gerade zu haben. Das hatten leider viele.
Am nächsten Tag geht es nach Zealandia, einem umzäunten Gelände eines ehemaligen Stausees, den man aufgegeben hat, weil das mit der Erdbebengefahr vielleicht doch keine allzu gute Idee sein könnte, so ein paar tausend Kubikmeter Wasser in einem Tal über der Hauptstadt zu speichern. Sie haben da einen säugetierfesten Zaun entwickelt und drinnen sind alle möglichen ursprünglichen (und manche nicht ganz ursprüngliche) neuseeländische Vögel und Pflanzen und ein paar Tuatara, die man aber eher selten zu Gesicht bekommt.
Der „Weihnachtsmarkt“ in Wellington stellte sich als der übliche Markt in einer Art Parkhaus heraus, nur dass eben ein paar Weihnachtsartikel gibt. Aber eben keinen Glühwein oder ähnliches. Dann muss ich wohl dieses Jahr ohne Weihnachtsmarkt und Glühwein auskommen. Gibt schlimmeres (zum Beispiel in Berlin am Alex).
Und dann ruft mich die Fährgesellschaft an, wo ich denn sei, ich hätte einchecken müssen. Für eine Fähre. 1,5 h vor der Abfahrt…
Die Überfahrt nach Picton verbringe ich im Cafe, das Bier gibt es (unfreiwillig) günstiger, weil die Verkäuferin verwirrt ist von den verschiedenen angebotenen Bieren. Auch ok. Die hinter mir in der Schlange stehende ist auch Deutsche und wir werden uns noch mal wieder treffen – in der Bäckerei in Motueka.
Eigentlich soll es bei Picton einen legalen kostenlosen Campingplatz geben – in der Realität wird es eine Wiese irgendwo auf dem Land. Da war es wenigstens ruhig…

„Das darf man ja nicht sagen!“

Das höre ich durchaus häufiger, auch von Menschen die sonst durchaus meinungsstark auftreten und bisang keine Angst hatten, ihre Meinung kundzutun. Interessanterweise höre ich es gerade jetzt, da viele Menschen Dinge sagen, die angeblich nicht gesagt werden dürften. Die sind allesamt nicht im Knast, sondern laufen frei herum und sagen noch mehr Dinge, die man angeblich nicht sagen dürfe. Das könnte ihnen zu denken geben, tut es aber nicht.

Angefangen hat das wohl mit dem armen, unterdrückten Thilo Sarrazin, der mit einem Buch voller „Wahrheiten“, die man nicht sagen dürfe, durch die Talkshows gezogen ist und damit Millioneneinnahmen gemacht haben dürfte. Auch der läuft noch frei herum und ist sogar – warum auch immer – noch SPD-Mitglied. Des Weiteren sind es Personen wie zum Beispiel Roland Tichy (ehemals u.a. Chefredakteur der Wirtschaftswoche), Heinz Buschkowsky, Prof. Werner Patzelt oder Prof. Thomas Rauscher. Was fällt auf? Es handelt sich um Männer über 50, eher aus der Oberschicht, durchaus mit formaler Bildung gesegnet und nicht ohne öffentlichen Einfluss. Menschen, die gehört werden, wenn sie den Mund aufmachen. Also eher die gesellschaftliche Elite, noch dazu mit einem Status gesegnet, der keinen Anlass zu (materiellen) Bedrohungen gibt: Pensionäre, Selbständige, Professoren. Das gibt doch Anlass zur Sorge, wenn sogar die … ? Oder ist es was ganz anderes?

Der Vorwurf, „man dürfe dieses oder jenes ja nicht sagen“ (gefolgt typischerweise von dem, was man nicht sagen darf) stimmt natürlich nicht, das beweisen die oben Genannten exemplarisch und leben ganz gut damit. Bis man die Grenzen des Strafrechts erreicht, muss man schon ganz schön viel sagen und das meiste davon hätte mit dem Holocaust zu tun (mit dem sich die genannten eher nicht in ihren Aussagen beschäftigen). Gemeint ist stattdessen „das darf man ja nicht sagen, ohne dafür mitunter scharf kritisiert zu werden“. Damit verraten sie gut, wo ihr Problem liegt. Sie fürchten nicht „linke (oder auch gerne linksfaschistische) Meinungsdiktatur“, sondern die Überzeugungen in den gesellschaftlichen Diskursen haben sich verschoben – zu Ungunsten der traditionellen konservativen Eliten. Sie haben die unwidersprochene Diskurshoheit verloren, die Veränderung ist über ihre Köpfe hinweg gegangen und wo sie bislang ihre Thesen als absolut geltende Wahrheiten ausgeben konnten, sehen sie sich plötzlicher Kritik ausgesetzt – eine Erfahrung, die sie scheinbar noch nie gemacht haben, die aber für andere, die jahrelang Minderheitenpositionen vertreten haben, normal war. Man muss sich das nur vorstellen: Ein Professor, der jahrelang von der Kanzel alles mögliche erzählen kann, wird nun plötzlich dafür kritisiert. Was für ein Schock muss das sein. Da kann einem schon mal der Gedanke kommen, dass da ein Verbot herrschen würde.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Absolute Wahrheiten gibt es nicht (das sollte gerade geisteswissenschaftlichen Professoren nur zu bewusst sein, Ökonomen erst recht), was „wahr“ ist, stellt sich im gesellschaftlichen Diskurs heraus. Diesen kann man versuchen zu beeinflussen, aber wenn man sich gegen den Mainstream stellt, ist man eher in der Pflicht, eine gute und überzeugende Begründung zu liefern, als wenn man der „herrschenden Meinung“ folgt (das sollte ein Jura-Professor wie Rauscher selbst am besten wissen). Es ist nicht damit getan, eine Meinung zu twittern oder von der Kanzel zu verbreiten und dann auf die Kritik wegen weitgehender Faktenfreiheit (oder Phantasiegespinsten) sich darüber zu beschweren, dass ja eine Meinungsdiktatur herrschen würde. So geht Diskurs nicht. Auch wenn die älteren Herren das zu denken scheinen.

Und auch die Sitten gegenüber denjenigen, die jetzt unter Begründungszwang für ihre häufig von Ressentiments getragenen Meinungen leiden, sind nicht heruntergekommen. Im Gegenteil, wenn man sich öffentliche Auseinandersetzungen in den 60er und 70er Jahren anschaut, könnte die bisherige Elite froh sein, dass ihnen gegenüber nicht Wortkanonen ausgepackt werden, wie sie damals gegenüber den „linksversifften Studenten“ ausgepackt werden. Da würden ihnen ganz schön die Ohren schlackern.

Insofern darf man immer noch (fast) alles sagen – aber eben wie schon immer nicht ohne die Konsequenzen dafür zu tragen. Viele derjenigen, die jetzt (angeblich) die Herrscher der Meinungsdiktatur sein sollen, haben das in langen Jahren lernen müssen, andere müssen es jetzt lernen. Ob sie dazu willens oder in der Lage sind, das ist die andere Frage. Bisher stellen sie sich beleidigt in die Ecke und maulen rum. Damit gewinnt man aber auch keine Debatten.

Napier bis Wellington

In Napier begrüßte mich mal wieder Sonnenschein am Meer und eine Stadt, die in den 1930er Jahren komplett neu aufgebaut wurde – nachdem ein Erdbeben sie 1931 komplett platt gemacht hatte, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. In der Stadt hängen ein paar Fotos, die zeigen, wie es an dem Ort nach dem Erdbeben aussah. In den deutschen Innenstädten standen 1945 jedenfalls mehr Gebäude. Das sorgt aber für eine ziemlich komplette Jugendstilstadt. Das ist auch ganz hübsch aber recht … klein. Viel mehr als die Uferpromenade und drei parallele Straßen gibt es nicht. Dafür gibt es aber zwei Countdown-Supermärkte, die direkt nebeneinander liegen (und daneben noch ein dritter).
In Napier wird auch das „Freedom-Camping“ Verbot recht rigoros durchgesetzt, es gibt nur einen Parkplatz recht weit außerhalb, auf dem man campen darf. Der ist dafür überfüllt, während die Parkplätze für Camper, die eingebaute Toiletten haben, leer bleiben. Dabei stehen überall öffentliche, kostenlose und saubere Toiletten rum, sowohl an den Parkplätzen am Strand als auch in der Innenstadt. Das könnte einer der Gründe sein, wieso Neuseeland so sauber: es gibt überall nicht-überfüllte Mülleimer und saubere kostenlose Toiletten.
Dann geht es am nächsten Tag ins weniger bemerkenswerte Hastings (vor der Art Gallery sind eine Menge Pou der verschiedenen Iwi Neuseelands, Gallerie unten) und da die ersten beiden Weingüter. Elephant Hill ist hoch professionell und modern und hat seine Gewürztraminer-Reben rausgerissen, weil ihre Kunden nicht in der Lage gewesen sein sollen, den Namen auszusprechen. Dabei ist der echt gut. Also er war es. Verrückte Welt.
Nebenan ist Clearview Estate, deutlich kleiner und mit erkennbar weniger Geld, dafür aber deutlich netter. Was mich bei beiden erstaunt hat, war, dass sie ihren Wein quasi direkt am Pazifik anbauen und das bei Wind, der logischerweise häufig von der See kommt. Es scheint dem Wein aber nicht zu schaden.
Auf dem Zeltplatz wohnte die am wenigstens scheue Entengruppe der sowieso schon nicht scheuen neuseeländischen Enten. Die haben einem das Brot aus der Hand gefressen und sind mir auch schon mal auf die Füße getreten… Der Zeltplatz war voller Work&Travel Reisender, die hauptsächlich auf den Obstplantagen von Hawkes Bay arbeiten.
Am nächsten Morgen bin ich nochmal zu dem am besten versteckten ehemaligen Pa Neuseelands gefahren. Eine Ausschilderung gibt es gar nicht bis man davor steht. Scheinbar will das DOC nicht, dass man das Otatara Pa findet. Dabei ist es das einzige, das ich gesehen habe, wo man überhaupt Teile rekonstruiert hat und sich ungefähr vorstellen kann, wie so etwas ausgesehen haben könnte. Das fehlt nämlich leider überall, auch in den Museen.
Dann bin ich noch einen kleinen, größeren Umweg über Pongaroa in einer wunderschönen grünen hügeligen, menschenleeren Landschaft gefahren. Ich hätte ja gedacht, dass es sich um eine größere Siedlung handeln müsste, wenn sie schon 60 km vorher ausgeschildert ist. Größer ist allerdings relativ, in dem Fall reichen bereits 20 Häuser. Der Tag endete in Wellington, aber das ist ein neues Kapitel.

Vor der Hastings Art Gallery sind viele verschiedenartige Pou der verschiedenen Iwi Neuseelands.

Rotorua und Tongariro – es stinkt

Man könnte es zusammenfassen mit „Gestank und Wolken“ aber das wäre doch ein wenig kurz.

Rotorua liegt auf einem vulkanisch aktiven Gebiet, das sich im Norden bis nach Auckland und im Süden über Taupo, Tongariro und Mt. Taranaki zur Tasmanischen See erstreckt. In Rotorua gibt es allerdings keine Vulkane, sondern nur heiße Schwefelquellen und Geysire. Davon allerdings ein paar mehr, so dass es in der Stadt an ein paar Orten eher nicht so gut riecht. Ich dachte, dass Rotorua auf Maori „Da wo es blubbert und stinkt“ heißen müsste, tut es aber nicht. Wäre aber passend…
Wie dem auch sei, im Stadtpark sind jede Menge heißer Schwefelquellen (seid froh, dass Fotos keine Gerüche übertragen!) und auch am Lake Rotorua gab es ein paar. Dann war da Nachtmarkt (eine Straße wurde zur Fussgängerzone und es gab Fressbuden) und das örtliche Pub im ehemaligen Postamt hat auch ganz brauchbares Bier. Und hin und wieder englische und neuseeländische (betrunkene) Cricketspieler, die aber auch nicht willens waren, mir Cricket zu erklären.
Am nächsten Tag ging es erst mal ins Waimangu Valley, ein Tal mit vulkanischer Aktivität, wo der letzte Vulkanausbruch schon 40 Jahre her ist. Auch da dampft und stinkt es an allen Ecken und Enden. Geformt wurde das Tal im Wesentlichen durch eine große Vulkanexplosion 1886, die aus einem großen Graben (durch den man bei der Besichtigung läuft) Schlamm und Asche gespuckt hat. Und dabei die Pink and White Terraces zerstört hat. Das ist aber den ganzen Besuchern und den Wasservögeln auf dem Lake Rotomahana egal. Praktischerweise haben sie auf den Binnensee auch noch ein Schiffchen transportiert, wie auch immer…
Auf dem Weg zum Tongariro National Park hab ich noch einen Zwischenstop in der Nähe von Taupo eingelegt, wo ein heißer Fluss sich in einer Art natürlichem Spa mit dem Waikato River mischt. Leider ist das kein wirklicher Geheimtip und da ist es ungefähr genauso voll wie im Vabali Samstag nachmittags (aber im Unterschied dazu umsonst). Die angeblich so sehenswerten Huka Falls entpuppten sich als Stromschnellen des Waikato River durch eine enge Schlucht. Nun ja.
Der Tongariro National Park mit dem ersten „Great Walk“, dem Alpine Crossing, rief auch gespaltene Gefühle hervor. Zunächst mal muss man Übernachtungen buchen – ohne Übernachtung kommt man eigentlich nicht in die Hütten und ohne Hüttenübernachtung gibt es keine Umrundung. Leider kann man Buchungen (offiziell, inoffiziell soll es möglich sein) nicht verschieben, so dass man nur die Wahl hat, zum gebuchten Termin zu gehen oder es ganz sein zu lassen. Das ist nicht so wirklich gut und wäre einigermaßen riskant, weil es Wanderer dazu bringt, auch bei wirklich miesem Wetter auf den Track zu gehen (so auch mich, viele andere haben abgebrochen). Beim Alpine Crossing ist das Risiko allerdings überschaubar, das ist so eine Art Autobahn mit ausgebauten Wegen mit Treppen und Befestigungen und das ganze ist auch noch meistens 2-3 m breit. Selbst bei miesem Wetter mit Dauerregen und heftigem Wind ist die Strecke also nicht wirklich gefährlich. Und genau das war die Beschreibung es ersten Tages. Ich habe jedenfalls jeden Moment eine Horde Orks erwartet, die angreifen. Das verwundert auch nicht, schließlich war der Tongariro National Park das „Land Mordor“ aus Herr der Ringe.
Das Alpine Crossing besteht im wesentlichen aus einem Anstieg zum Red Crater (richtig, es handelt sich um eine Vulkanlandschaft, sowohl der Mt. Tongariro als auch der Mt. Ngauruhoe als auch der Mt. Ruapehu sind trotz ihrer schneebedeckten Gipfel aktiv, der letzte Ausbruch war schon 2012) und dann einem Abstieg, bei dem sich der Weg gabelt zwischen dem eigentlichen Alpine Crossing (ohne Übernachtung) und dem Northern Circuit (mit 2-3 Übernachtungen). Die letzten 2 Stunden vom Fuß des Red Crater durch den Dauerregen zur Oturere Hütte waren mit die längsten – öde Landschaft und Dauerregen sorgen dafür. Dafür ist die Hütte umso behaglicher (bis auf das Loch in der Decke, durch das es tropft) und der Sturm, der mir mein Regencover wegweht (das wird mir dank des Einsatzes des Rangers und zweier freundlicher Wanderer am Ende der Tour auf die Mangatepopo Hütte gebracht). Da kamen dann auch später die beiden leidensfähigen Tschechen an, die ich bis zum letzten Tag der Tour noch treffen sollte. Da alle die gleiche Strecke laufen, sieht man sich zwangsläufig…
Der Tag hat auch Opfer gekostet: beide Objektive haben Wasser drin und müssen erst mal getrocknet werden – keine Fotos bis zu Tag drei der Tour (bei dem Wetter lohnt es sich auch nicht).
Tag zwei ist kurz und wenigstens ein wenig abwechslungsreich, am nachmittag kommt die Sonne raus und ich sehe zumindest den Mt. Ngauruhoe und Mt. Ruapehu. Der dritte Tag wird sonnig, in der recht ebenen Landschaft absolut öde und im letzten Drittel auf dem aufgeweichten, matschigen und U-förmigen Weg sehr unangenehm zu gehen. Irgendwann hab ich dann auch keine Lust mehr, die beiden Vulkane zu fotografieren…
Das Wiedersehen mit dem Auto war ein Anlass zur Freude bis zu dem Moment der Erkenntnis, dass ich das Licht angelassen hatte. Drei Tage hält keine Batterie aus. Zum Glück war da ein Franzose, der ein Starthilfekabel hatte und damit war dann auch die Rückkehr gesichert.
In Turangi gab es dann im örtlichen Pub ein Steak (der Supermarkt war schon zu, so schade…) und ich bin noch bis kurz vor Napier gefahren. Nach Taupo folgte auf dem Highway eine Warnung „Keine Tankstelle in den nächsten 150 km“… und soweit ich das in der Dunkelheit erkennen konnte, war das auch logisch, weil bis kurz vor Napier absolut nichts war außer ein paar Cafes und vereinzelte Farmen.