Fazit zum ersten Teil des AfD-Programms

Natürlich kann und wird sich das Programm auf dem Parteitag noch ändern, die Richtung ist jedoch klar. Und damit kann man auch schon mal ein Fazit ziehen über das, was da wohl  beschlossen werden wird. Es gilt der Grundsatz: Wer schreibt, der bleibt.
Die AfD hat da einen merkwürdigen Zwitter an Programm hingelegt – einerseits hat sie konkrete Vorstellungen und andererseits vertraut sie ganz auf die „Meinung des Volkes“. Es scheint so, als ob die Schreiber des Programms glauben, nur sie selbst würden die Meinung „des Volkes“ kennen. Das zeigt sich ganz eindrucksvoll in dem Teil, den ich „Beteiligung und Demokratiereform“ nennen würde. (mehr …)

Das Programm der AfD – Abschnitt 5

Hier gehts zu Abschnitt 4

Wer dachte, wirrer als im „Grundkurs Politik“ wird’s nicht: doch. Es folgt ein Abschnitt mit der Überschrift „Lobbyismus eindämmen“ mit den Unterabschnitten „Private Rentenvorsorge“ und „Steuerverschwendung eindämmen“. Wo der Zusammenhang ist? Vermutlich der Glaube an kriminelle Abgeordnete und Beamte, die sich gegen das Volk verschworen haben, sich selbst bedienen und aus Lust und Laune persönliche Prestigeprojekte mit Steuermitteln betreiben. Oder sowas Ähnliches. (mehr …)

Das AfD-Programm – Abschnitt 3

Das Programm der AfD – Abschnitt 4

Hier geht es zu Abschnitt 3

Jetzt geht es weiter mit dem Lieblingsfeind – den Parteien. Und es gibt einen Grundkurs „parlamentarische Demokratie“ in unvollständig und falsch. (mehr …)

Der Programmentwurf der AfD – Abschnitt 2

Hier ist der erste Teil des Programms
Und weil das Programm so viel Spaß beim Lesen macht, gibt es hier gleich noch Abschnitt 2. Man könnte ihn auch „politische Homöopathie“ nennen.  (mehr …)

Der Programmentwurf der AfD – Abschnitt 1

Ich habe mir mal den Programmentwurf der AfD vorgenommen und kommentiere ihn abschnittsweise, soweit ich meine, ein bisschen was von dem Thema zu verstehen. Los geht es praktischerweise mit dem Thema „Demokratie“ und damit fange ich auch an. (mehr …)

Demokratie selber machen? Och nö.

oder auch: die Qual der Nichtwahl.
Üblicherweise wird mit der Qual der Wahl bezeichnet, dass eine Auswahl zwischen verschiedenen Optionen schwierig ist, weil alle ähnlich gut sind. Hier geht es um die Verweigerung einer Wahl und es ist anders herum – hier ist jede der verschiedenen Optionen eine Qual. Und zwar sowohl für den (Nicht)wähler, wie auch für diejenigen, die zur Wahl gehen und einen ordnungsgemäßen Stimmzettel abgeben.

Mitmachen – nein, danke.

Demokratie lebt vom Mitmachen – die Herrschaft des Volkes findet nur statt, wenn das Volk auch herrschen möchte. Das tut das Volk nicht nur, indem es alle paar Jahre ein paar Kreuzchen bei Wahlen macht, sondern auch, indem es in Parteien mitmacht. Derzeit sind etwas mehr als 2% (etwas mehr als 1,2 Mio Menschen) der Wahlberechtigten Mitglieder einer Partei, Tendenz sinkend. Und es gibt eine Kausalität zwischen sinkender Wahlbeteiligung und sinkenden Mitgliederzahlen.

Anders als manche vermuten mögen, funktionieren Parteien tatsächlich demokratisch. Das heißt in der Konsequenz, dass immer weniger Menschen in Parteien über das „Spitzenpersonal“ und die Programmatik entscheiden. Je weniger Mitglieder eine Partei hat, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie die Interessen der Mehrheit verschiedener Gruppen von Menschen abdeckt. Wer seine Interessen nicht artikuliert, dessen Interessen werden nicht vertreten. Das führt wenig überraschend dazu, dass sich immer weniger Menschen von den Parteien vertreten fühlen. Klingt logisch, oder?

Um das zu ändern, sind Menschen auf … überraschende Ansätze gekommen: Entweder sie gehen gar nicht zur Wahl, sie wählen „ungültig“ oder fordern eine „Nein-Stimme“. Ich erkläre mal, warum das nichts hilft und kontraproduktiv ist.

Nichtwählen

Nach der hessischen Kommunalwahl wurde darüber diskutiert, welche Aussage Nichtwählen mit sich bringt. Das kam auf, weil jemand überrascht war, dass Nichtwählen als Desinteresse an der Demokratie aufgefasst wird. Weil ja irgendwas anderes dahinter stecken könnte (was auch immer…).
Zunächst mal überrascht mich die Überraschung, weil die (Nicht-)Abgabe einer Stimme bei einer Wahl ein Akt der Kommunikation ist – der Wähler teilt der Allgemeinheit mit, mit welchen Überzeugungen, die von Parteien vertreten werden, er übereinstimmt.
Kommunikation muss man allerdings vom „Empfänger“ der Botschaft denken, nicht vom Sender (hier: Nichtwähler). Wenn jemand also keine Botschaft sendet, kann der Empfänger unmöglich erkennen, welches Motiv derjenige hat. Wenn man als Nichtwähler also missverstanden wird, ist das ein Problem des Nichtwählers, nicht der Allgemeinheit. Denn man hat es versäumt, mitzuteilen, wieso man so handelt.
Gerne wird als Erklärung dann angeführt, dass es keine Partei gebe, die ein für den Nichtwähler vertretbares Programm habe. Das ist aus logischen Gründen zweifelhaft und aus zwei Gründen wohl auch widerlegbar.
Bei der letzten Bundestagswahlen traten 31 Parteien und Wählervereinigungen an, bei Landtagswahlen ähnlich viele und noch mehr bei manchen Kommunalwahlen. Die Wahlbeteiligung ist bei Landtags- und Kommunalwahlen allerdings deutlich geringer als bei Bundestagswahlen – obwohl doch die Auswahl und damit die Wahrscheinlichkeit für Übereinstimmungen ähnlich bzw. größer ist. Da erstaunt die Erklärung,dass bei einer wichtigeren Wahl eine geringere Übereinstimmung zur Teilnahme führt.

Zum einen glaube ich niemandem, dass er bei 31 Parteien keine findet, die ihm zusagt. Das spricht eher dafür, dass die betreffenden Personen sich nicht mit der Programmatik auseinandersetzen oder sich nur auf die Parteien beschränken, die Aussicht haben, ins Parlament zu kommen. So kann es allerdings auch nicht zu dem von den Nichtwählern gewünschten Politikwechsel kommen – weder werden die „Kleinen“ gestärkt, noch gibt es einen Anreiz für die „großen“ sich zu ändern. Nichtwählen führt also dazu, dass alles beim alten bleibt. Und das, obwohl der Nichtwähler damit doch angeblich so unzufrieden ist.

Zum anderen wäre – vorausgesetzt die These der zu geringen Übereinstimmung stimmt – damit wohl ein großes Unverständnis verbunden, wie Demokratie funktionieren kann. Es ist schlicht nicht denkbar, dass eine Partei zu 100% die Interessen aller Wähler abdeckt. Man kann mit Parteien mehr oder weniger übereinstimmen, aber kein Mensch wird mit einer Partei, die mehr als ein Mitglied hat, 100% Deckungsgleichheit erreichen. Wer das erwartet, hat schlicht nicht begriffen, dass sowohl jede Partei als auch er selbst Kompromisse eingehen muss.
Überdies wäre in einer Demokratie die logische Konsequenz einer großen Unzufriedenheit (je nach Wahl handelt es sich angeblich um mindestens 25% der Wähler!), dass Menschen neue Parteien gründen, wo sich die Unzufriedenen sammeln. Aber anscheinend sind dann doch nicht genug Menschen gleichartig unzufrieden. Nicht mal die „Partei der Nichtwähler“ kommt auf mehr als 0,1% der Stimmen…
Und wenn es tatsächlich so sein sollte, dass man sich von keiner Partei vertreten fühlt, gibt es immer noch Spaßparteien, bei deren Wahl man sicher weder sich selbst noch anderen schadet.

Ungültig

Für das „Ungültig“ wählen gilt sinngemäß das Gleiche wie fürs Nichtwählen – nur dass der Empfänger der Botschaft nicht mal verstehen kann, ob der „ungültig“-Wähler bewusst so „gewählt“ hat oder einfach nur zu dumm ist, einen Stimmzettel richtig auszufüllen. Die Botschaft bleibt beim Wahlhelfer stecken. Ändern tut sich so auch nichts.

Nein-Stimme

Um das oben geschilderte Problem zu umgehen, sind auch durchaus intelligente Menschen auf die Idee gekommen, eine „Nein“-Stimme einzuführen. Die soll ausdrücken, dass der Wäher mit keiner einzigen Option einverstanden ist. Es gibt verschiedene Vorschläge, wie eine „Nein“-Stimme umgesetzt werden kann. Allen mir bekannten Varianten gemeinsam ist, dass sie eine Art Bestrafung „der Parteien“ darstellen sollen.
Die Vorschläge sind im Groben:
– Es passiert gar nichts, die Stimmen werden nur gezählt
– Bei Überschreitung einer gewissen Schwelle Nein-Stimmen (ca 30%) wird die Wahl wiederholt, es gibt keine Wahlkampfkostenerstattung
– Ein dem Anteil der Nein-Stimmen entsprechender Teil der Sitze im Parlament bleibt leer.

Zum einen gilt auch hier das oben zu Kompromissen und zum Verständnis der Demokratie Gesagte. Zum anderen, setzt die Nein-Stimme sowohl für Wähler als auch für Parteien je nach Ausgestaltung, Anreize, die diametral entgegengesetzt zur eigentlichen Intention der Idee stehen.
Für den Wähler setzt es den Anreiz, sich weniger mit den einzelnen Parteien auseinaderzusetzen und einfach „nein“ anzukreuzen – einen Grund wird es dafür schon geben. Damit wird für die Parteien aber auch nicht klar, was dem Wähler nicht passt, mit der Information kann niemand etwas anfangen.

Es passiert nichts
Dann wird auch nichts passieren. Der Vorschlag ist Unsinn, mit einem „Nein“ kann auch keine Partei irgendwas anfangen und zielgerichtet ändern. Zumal das „Nein“ nicht heißt, dass alle diejenigen, die es ankreuzen, eine gemeinsame Kritik haben.

Wahlwiederholung ohne Wahlkampfkostenerstattung
Für Parteien, gerade für große Parteien und die an der Regierung, setzt die Nein-Stimme je nach Ausgestaltung hier den Anreiz, möglichst viele dieser Stimmen zu erzeugen und so die Opposition und kleine Parteien niederzuhalten. Während der „Hängephase“ bleibt die Regierung im Amt und freut sich, die Machtverhältnisse verändern sich nicht. Kleine Parteien und diejenigen außerhalb des Parlaments werden es bei der Wiederholung schwer haben, einen Wahlkampf zu führen, während dies für Regierungsparteien deutlich einfacher ist, weil ihre Medienpräsenz sowieso schon größer ist. Hier wird also der Zustand zementiert, der gerade zu den vielen Nein-Stimmen geführt hat. Das ist dysfunktional.

Die Sitze bleiben leer
Dadurch sollen wohl die Parteien bestraft werden, indem allen Parteien Abgeordnete entzogen werden. Auch hier wird die Opposition benachteiligt und die Benachteiligung ist umso größer, je kleiner die Fraktion einer kleinen Partei wäre, obwohl diese wahrscheinlich zu einem geringeren Teil für die Unzufriedenheit verantwortlich ist. Die parlamentarische Arbeit der Opposition wird jedenfalls nicht besser, während die Regierungsfraktionen auf die Verwaltung zurückgreifen können. Für die Regierungsfraktionen ändert sich also wenig. In der Konsequenz wird bei der nächsten Wahl der Anteil der Nein-Stimmen wieder steigen und so weiter. Aber die parlamentarische Arbeit wird nicht besser. Auch dieser Vorschlag ist dysfunktional.

Protestwahl

Auch die Wahlteilnahme aus Protest ist beliebt, dann werden vornehmlich rechte Parteien gewählt, um es „denen da oben mal so richtig zu zeigen“. Wieso das nicht mit der Linken oder Spaßparteien wie der Partei „Die Partei“ oder der APPD gemacht wird, entzieht sich sowohl meinem Erkenntnisvermögen als auch meiner Logik. Immerhin würde die Wahl dieser Parteien nichts kaputt machen und es wäre auch klar, dass es sich um eine Wahl aus Protest und nicht aus rechtem Gedankengut handelt. Aber vielleicht ist die angebliche rechte Protestwahl auch nicht nur Protestwahl, sondern auch eine inhaltliche Aussage…

Ja und was dann?

In Parteien eintreten, dort Gehör finden und etwas ändern. Das ist mühselig, eine Garantie, dass es funktioniert, gibt es nicht (was nicht unbedingt ein Fehler der Parteien sein muss, vielleicht sind die eigenen Ideen ja gar nicht so gut…) aber nur so kann es in einer Demokratie gehen. Aber das ist halt deutlich unangenehmer als auf dem Sofa zu hocken und über die anderen zu motzen.

„Pegida ist nicht rechtsextremer geworden“

Als Jurist hat man ja mit empirischer Sozialforschung, nun ja, eher wenig zu tun. Aber wenn man sich ein paar Befunde der neuen Pegida-Studie vom Pegida-Oberversteher Patzelt anschaut, ist es sogar für mich ziemlich offenkundig, dass man mit den Ergebnissen nichts anfangen kann. Das liegt nicht mal an den Fragen, sondern an der Erhebung selbst.
Da haben 43% derjenigen, die die Befragung durchgeführt haben, schon bei der Befragung selektiert, wen sie ansprechen und bei wem das vermutlich keine so gute Idee ist. Die Vermutung dürfte plausibel sein, dass das vorwiegend Personen sein dürften die „ihrer äußeren Erscheinung nach dem rechten Spektrum zuzurechnen sind“ (man könnte sie auch Nazis nennen, aber ich mag Euphemismen).
Von denjenigen, die also vielleicht nicht ganz so offenkundig ihre politische Einstellung nach außen trugen, haben sage und schreibe 2/3 sich geweigert, an der Befragung teilzunehmen. Auch hier ist die Vermutung nicht ganz abwegig, dass es nicht die ganz normalen Bürger mit (für Pegida) gemäßigten Einstellungen gewesen sein dürften, die die Antwort verweigert haben.
Und von den dem 1/3, das doch geantwortet hat, sind 19% Rechtsextreme. Was das noch über die Einstellung der Gesamtzahl der Teilnehmer aussagen kann?
Nichts, rein gar nichts.

Sieht auch das Sprachlos-Blog so.

Rechtsfreie Räume in der Demokratie?

Es gibt immer wieder Diskussionen von mehr (selten) oder weniger (häufig) kompetenten Personen über angebliche rechtsfreie Räume und ob diese, insbesondere in einer Demokratie existieren dürften. Da scheint schon viel Verwirrung zu herrschen, was ein rechtsfreier Raum überhaupt ist und wie sich das auf eine Demokratie und einen Rechtsstaat auswirken würde. Und was das ganze mit Recht und Demokratie und so zu tun hat.

Recht hat vielerlei Funktionen und die unterscheiden sich auch noch je nach verschiedenen Rechtsbereichen. Nicht mit allen Bereichen und Funktionen hat der normale Bürger im Alltag zu tun, die Wahrscheinlichkeit mit Kartell-, Weltraum- oder Antarktisrecht belästigt zu werden tendiert für die allermeisten Menschen tatsächlich gegen null. Und das ist auch gut so.
Die meisten Menschen kommen tatsächlich nur mit zwei Funktionen des Rechts in Berührung: der Steuerung sozial erwünschten oder unerwünschten Verhaltens (Straf-/Ordnungswidrigkeitenrecht) und der Rechtsbeziehungen zwischen Bürgern (Zivilrecht).

Beide Bereiche eint, dass sie zwar überall gelten, aber nicht flächendeckend und anlasslos durchgesetzt werden. Man würde sich nur mal vorstellen, jeder, der nachts über eine rote Ampel (oder weniger als 50m entfernt von einer über die Straße) läuft, würde tatsächlich auch dafür verfolgt. Die Polizei hätte sehr viel zu tun. Und das Familienrecht im BGB steht da auch (es gibt sogar eine Pflicht zum „Vollzug der ehelichen Gemeinschaft“, § 1353) mit einigen sehr lustigen und noch schwerer durchzusetzenden Regelungen. Wir sehen also, dass es einiges an rechtlichen Regelungen gibt, die zwar gelten, aber im Zweifel eher nicht durchgesetzt werden. Das wirft dann die Frage, auf was denn eigentlich ein rechtsfreier Raum überhaupt ist.

Man könnte rechtsfreie Räume als solche begreifen, die überhaupt nicht rechtlich reguliert sind. Dann wären sämtliche Diskurse über rechtsfreie Räume per se sinnlos: Es gibt keinen Bereich auf der Erde, in dem nicht irgendeine Form von Recht zumindest pro forma gilt. Und damit begnügt sich das deutsche Recht auch nicht, das StGB sieht zum Beispiel in § 7 vor, dass auch in Gegenden, in denen keine Strafgewalt existiert, deutsches Strafrecht gilt. Und für Gegenden, in denen furchtbare Dinge geschehen, die dort womöglich nicht mal strafbar sind, gibt es das ausschließlich für Verbrechen im Ausland gedachte Völkerstrafgesetzbuch. Man sieht also, rechtsfreie Räume für das deutsche Recht gibt es nicht mal im Ausland (wahrscheinlich nicht mal im Weltall), geschweige denn in Deutschland selbst. Die Diskurse darüber können sich also nur auf eine andere Definition beziehen: Räume, in denen Recht zwar pro forma gilt, in denen es aber nicht beachtet wird. Klassische Beisipiele dafür sollen immer „das Internet“ oder in letzter Zeit die Rigaer Straße in Berlin sein. Dort sollen nach verbreiteter Meinung die geltenden Gesetze in einem Maße missachtet werden, dass man als Politiker dringend eine Rede halten muss oder auch 500 Polizisten in ein Haus schicken muss, um dort legale angeblich gefährliche Gegenstände zu suchen [1].
Niemand kommt aber auf die Idee, die deutschen Schlafzimmer auf rechtsfreie Räume zu durchsuchen oder nachts auf den Straßen unendlich viel Polizei patrouillieren zu lassen, um die StVO durchzusetzen. Denn an beiden Orten gibt es unendliche Vollzugsdefizite des Rechts. Das Privatleben der Bürger, das ist sowieso so ein Hort der Anarchie. Die meisten wissen nicht mal, wie sich der Gesetzgeber das überhaupt vorstellt. Da sollen Kinder und Eltern einander gegenseitig unterstützen, Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung und die Ehe ist auch so ein Ding…

Es gibt viele Dinge und Orte, wo der Staat seine Nase nicht hinzustecken hat, wenn seine Staatsbürger sich anders verhalten wollen, als er sich das vorstellt. Die Bedingung dafür ist, dass das einverständlich geschieht. Es ist also überhaupt kein Problem, wenn Menschen in Ehen polyamor leben. Es ist kein Grund für staatliche Einmischung, wenn in einer Ehe im Bett nichts läuft. Es ist kein Problem, wenn Hausgemeinschaften für sich entscheiden, dass sie kein Privateigentum kennen und alles allen gehören soll. Das staatliche Recht ist hier lediglich ein Vorschlag, wenn die Bürger sich anders verhalten ist das ihre Sache.
Das sind dann tatsächlich „rechtsfreie Räume“, jedenfalls Räume, die frei sind vom Vollzug geltenden staatlichen Rechts. Und das dürften in der Gesellschaft tatsächlich die meisten Räume sein. Ist das ein Problem? Offensichtlich nicht, die Gesellschaft lebt damit schon sehr lange und findet das offenkundig einigermaßen ok.

Rechtsfreie Räume in Demokratien sind also kein Problem, sondern Ausdruck einer liberalen Gesellschaft. Nur totalitäre Gesellschaften können keine solchen Räume dulden.

[1] Ein anderes Beispiel, das ebenso ein rechtsfreier Raum nach dieser Definition ist, sind übrigens offen rechtswidrige Polizeieinsätze, die keinerlei Konsequenzen für die Verantwortlichen haben. Das sind tatsächlich höchst problematische rechtsfreie Räume, weil die Staatsgewalt so zu verstehen gibt, dass sie nicht gewillt ist, sich an die von ihr selbst gesetzten Grenzen zu halten.

Der neue JMStV – ändern ohne etwas zu ändern

Mir lief vor einiger Zeit der 19. Rundfunkstaatsvertragsänderungsvertrag zu, der u.a. den von mir so heiß geliebten Jugendmedienschutzstaatsvertrag ändern soll. Wer nicht weiss, was der macht: ist egal. Braucht kein Mensch, wendet auch praktisch niemand an.
Nichtsdestotrotz gibt es eine Community (Kultusminister der Länder), die dieses tote Pferd noch reitet. Ich habe mir also trotz allem mal die Mühe gemacht, eine lesbare Version davon zu erzeugen. Gestrichenes ist durchgestrichen, neu hinzugefügtes unterstrichen.


I. Abschnitt
Allgemeine Vorschriften 

§ 1
Zweck des Staatsvertrages

Zweck des Staatsvertrages ist der einheitliche Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Angeboten in elektronischen Informations- und Kommunikationsmedien, die deren Entwicklung oder Erziehung beeinträchtigen oder gefährden, sowie der Schutz vor solchen Angeboten in elektronischen Informations- und Kommunikationsmedien, die die Menschenwürde oder sonstige durch das Strafgesetzbuch geschützte Rechtsgüter verletzen.

§ 2
Geltungsbereich

(1) Dieser Staatsvertrag gilt für elektronische Informations- und Kommunikationsmedien(Rundfunk und Telemedien)Rundfunk und Telemedien im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages.

(2) Dieser Staatsvertrag gilt nicht für Telekommunikationsdienstleistungen und das geschäftsmäßige Erbringen von Telekommunikationsdiensten nach § 3 des Telekommunikationsgesetzes vom 25. Juli 1996 (BGBl. I S. 1120), zuletzt geändert durch Artikel 17 des Gesetzes vom 21. Juni 2002 (BGBl. I S. 2010).

(3)(2) Das Teledienstegesetz vom 22. Juli 1997 (BGBl. I S. 1870), zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 14. Dezember 2001 (BGBl. I S. 3271), und der Mediendienste-Staatsvertrag vom 20. Januar bis 12. Februar 1997, zuletzt geändert durch Artikel 3 des Sechsten Rundfunkänderungsstaatsvertrages vom 20./21. Dezember 2001, bleiben unberührt. 

§ 3
Begriffsbestimmungen 

(1) Kind im Sinne dieses Staatsvertrages ist, wer noch nicht 14 Jahre, Jugendlicher, wer 14 Jahre, aber noch nicht 18 Jahre alt ist.

(2) (1) Im Sinne dieses Staatsvertrages sind

1. „Telemedien“ Teledienste im Sinne des Teledienstegesetzes und Mediendienste im Sinne des Mediendienste-Staatsvertrages, soweit sie nicht Rundfunk im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages sind,

2. „Angebote“ RundfunksSendungen oder Inhalte von Telemedien,

3. „Anbieter“ Rundfunkveranstalter oder Anbieter von Telemedien.

§ 4
Unzulässige Angebote 

(1) Unbeschadet strafrechtlicher Verantwortlichkeit sind Angebote unzulässig, wenn sie

1. Propagandamittel im Sinne des § 86 des Strafgesetzbuches darstellen, deren Inhalt gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder den Gedanken der Völkerverständigung gerichtet ist,

2. Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen im Sinne des § 86a des Strafgesetzbuches verwenden,

3. zum Hass gegen Teile der Bevölkerung oder gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe aufstacheln, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordern oder die Menschenwürde anderer dadurch angreifen, dass Teile der Bevölkerung oder eine vorbezeichnete Gruppe beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,

4. eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 und § 7 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, leugnen oder verharmlosen oder den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stören, dass die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft gebilligt, verherrlicht oder gerechtfertigt wird,

5. grausame und sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt; dies gilt auch bei virtuellen Darstellungen,

6. als Anleitung zu einer in § 126 Abs. 1 des Strafgesetzbuches genannten rechtswidrigen Tat dienen,

7. den Krieg verherrlichen,

8. gegen die Menschenwürde verstoßen, insbesondere durch die Darstellung von Menschen, die sterben oder schweren körperlichen oder seelischen Leiden ausgesetzt sind oder waren, wobei ein tatsächliches Geschehen wiedergegeben wird, ohne dass ein berechtigtes Interesse gerade für diese Form der Darstellung oder Berichterstattung vorliegt; eine Einwilligung ist unbeachtlich,

9. Kinder oder Jugendliche in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung darstellen; dies gilt auch bei virtuellen Darstellungen,

10. pornografisch sind und Gewalttätigkeiten, den sexuellen Missbrauch von Kindern oder Jugendlichen oder sexuelle Handlungen von Menschen mit Tieren zum Gegenstand haben; dies gilt auch bei virtuellen Darstellungen, oder
kinderpornographisch im Sinne des § 184 b Abs. 1 StGB sind oder pornographisch sind und Gewalttätigkeiten oder sexuelle Handlungen von Menschen mit Tieren zum Gegenstand haben; dies gilt auch bei virtuellen Darstellungen oder

11. in den Teilen B und D der Liste nach § 18 des Jugendschutzgesetzes aufgenommen sind oder mit einem in dieser Liste aufgenommenen Werk ganz oder im Wesentlichen inhaltsgleich sind.

In den Fällen der Nummern 1 bis 4 und 6 gilt § 86 Abs. 3 des Strafgesetzbuches, im Falle der Nummer 5 § 131 Abs. 3 2 des Strafgesetzbuches entsprechend.

(2) Unbeschadet strafrechtlicher Verantwortlichkeit sind Angebote ferner unzulässig, wenn sie

1. in sonstiger Weise pornografisch sind,

2. in den Teilen A und C der Liste nach § 18 des Jugendschutzgesetzes aufgenommen sind oder mit einem in diese Liste aufgenommenen Werk ganz oder im Wesentlichen inhaltsgleich sind, oder

3. offensichtlich geeignet sind, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit unter Berücksichtigung der besonderen Wirkungsform des Verbreitungsmediums schwer zu gefährden.

In Telemedien sind Angebote abweichend von Satz 1 zulässig, wenn von Seiten des Anbieters sichergestellt ist, dass sie nur Erwachsenen zugänglich gemacht werden (geschlossene Benutzergruppe).

(3) Nach Aufnahme eines Angebotes in die Liste nach § 18 des Jugendschutzgesetzes wirken die Verbote nach Absatz 1 und 2 auch nach wesentlichen inhaltlichen Veränderungen bis zu einer Entscheidung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien.

§ 5
Entwicklungsbeeinträchtigende Angebote 

(1) Sofern Anbieter Angebote, die geeignet sind, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen, verbreiten oder zugänglich machen, haben sie dafür Sorge zu tragen, dass Kinder oder Jugendliche der betroffenen Altersstufen sie üblicherweise nicht wahrnehmen. Die Altersstufen sind:

1. ab 6 Jahren
2. ab 12 Jahren
3. ab 16 Jahren
4. ab 18 Jahren.

(2) Bei Angeboten wird die Eignung zur Beeinträchtigung der Entwicklung im Sinne von Absatz 1 vermutet, wenn sie nach dem Jugendschutzgesetz für Kinder oder Jugendliche der jeweiligen Altersstufe nicht freigegeben sind. Satz 1 gilt entsprechend für Angebote, die mit dem bewerteten Angebot im Wesentlichen inhaltsgleich sind. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) bestätigt auf Anfrage die Altersbewertungen, die durch eine anerkannte Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle vorgenommen wurden. Für die Prüfung durch die KJM gilt § 20 Abs. 3 Satz 1 und Abs. 5 Satz 2 entsprechend. Von der KJM bestätigte Altersbewertungen von anerkannten Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle sind von den obersten Landesjugendbehörden für die Freigabe und Kennzeichnung inhaltsgleicher oder im Wesentlichen inhaltsgleicher Angebote nach dem Jugendschutzgesetz zu übernehmen.

(3) Der Anbieter kann seiner Pflicht aus Absatz 1 dadurch entsprechen, dass er

1. durch technische oder sonstige Mittel die Wahrnehmung des Angebots durch Kinder oder Jugendliche der betroffenen Altersstufe unmöglich macht oder wesentlich erschwert, oder das Angebot mit einer Alterskennzeichnung versieht, die von geeigneten Jugendschutzprogrammen nach § 11 Abs. 1 und 2 ausgelesen werden kann oder

2. die Zeit, in der die Angebote verbreitet oder zugänglich gemacht werden, so wählt, dass Kinder oder Jugendliche der betroffenen Altersstufe üblicherweise die Angebote nicht wahrnehmen.

Nicht entwicklungsbeeinträchtigende Angebote können als „ohne Altersbeschränkung“ gekennzeichnet und ohne Einschränkungen verbreitet werden.

(4) Ist eine entwicklungsbeeinträchtigende Wirkung im Sinne von Absatz 1 auf Kinder oder Jugendliche anzunehmen, erfüllt der Anbieter seine Verpflichtung nach Absatz 1, wenn das Angebot nur zwischen 23 Uhr und 6 Uhr verbreitet oder zugänglich gemacht wird. Gleiches gilt, wenn eine entwicklungsbeeinträchtigende Wirkung auf Kinder oder Jugendliche unter 16 Jahren zu befürchten anzunehmen ist, wenn das Angebot nur zwischen 22 Uhr und 6 Uhr verbreitet oder zugänglich gemacht wird. Bei Filmen, die nach § 14 Abs. 2 des Jugendschutzgesetzes unter 12 Jahren nicht freigegeben sind Ist eine entwicklungsbeeinträchtigende Wirkung im Sinne von Absatz 1 auf Kinder unter 12 Jahren anzunehmen, ist bei der Wahl der Sendezeit dem Wohl jüngerer Kinder Rechnung zu tragen.

(5) Ist eine entwicklungsbeeinträchtigende Wirkung im Sinne von Absatz 1 nur auf Kinder zu befürchten unter 14 Jahren anzunehmen erfüllt der Anbieter von Telemedien seine Verpflichtung nach Absatz 1, wenn das Angebot getrennt von für Kinder bestimmten Angeboten verbreitet wird oder abrufbar ist.

(6) Absatz 1 gilt nicht für Nachrichtensendungen, Sendungen zum politischen Zeitgeschehen im Rundfunk und vergleichbare Angebote bei Telemedien, soweit ein berechtigtes Interesse gerade es sei denn, es besteht kein berechtigtes Interesse an dieser Form der Darstellung oder Berichterstattung vorliegt. 

(7) Bei Angeboten, die Inhalte periodischer Druckerzeugnisse in Text und Bild wiedergeben, gelten die Beschränkungen des Absatzes 1 Satz 1 erst dann, wenn die KJM gegenüber dem Anbieter festgestellt hat, dass das Angebot entwicklungsbeeinträchtigend ist.

§ 6
Jugendschutz in der Werbung und im Teleshopping 

(1) Werbung für indizierte Angebote ist nur unter den Bedingungen zulässig, die auch für die Verbreitung des Angebotes selbst gelten. Die Liste der jugendgefährdenden Medien (§ 18 des Jugendschutzgesetzes) darf nicht zum Zwecke der Werbung verbreitet oder zugänglich gemacht werden. Bei Werbung darf nicht darauf hingewiesen werden, dass ein Verfahren zur Aufnahme eines Angebots oder eines inhaltsgleichen Trägermediums in die Liste nach § 18 des Jugendschutzgesetzes anhängig ist oder gewesen ist.

(2) Werbung darf Kindern und Jugendlichen weder körperlichen noch seelischen Schaden zufügen, darüber hinaus darf sie nicht

1. direkte Kaufappelle an Minderjährige Kinder oder Jugendliche enthalten, die deren Unerfahrenheit und Leichtgläubigkeit ausnutzen,

2. Kinder und oder Jugendliche unmittelbar auffordern, ihre Eltern oder Dritte zum Kauf der beworbenen Waren oder Dienstleistungen zu bewegen,

3. das besondere Vertrauen ausnutzen, das Kinder oder Jugendliche zu Eltern, Lehrern und anderen Vertrauenspersonen haben, oder

4. Kinder oder Minderjährige Jugendliche ohne berechtigten Grund in gefährlichen Situationen zeigen.

(3) Werbung, deren Inhalt geeignet ist, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen, muss getrennt von Angeboten erfolgen, die sich an Kinder oder Jugendliche richten.

(4) Werbung, die sich auch an Kinder oder Jugendliche richtet oder bei der Kinder oder Jugendliche als Darsteller eingesetzt werden, darf nicht den Interessen von Kindern oder Jugendlichen schaden oder deren Unerfahrenheit ausnutzen.

(5) Werbung für alkoholische Getränke darf sich weder an Kinder oder Jugendliche richten noch durch die Art der Darstellung Kinder und Jugendliche besonders ansprechen oder diese beim Alkoholgenuss darstellen. Entsprechendes gilt für die Werbung für Tabak in Telemedien.

(6) Die Absätze 1 bis 5 gelten für Teleshopping entsprechend. Teleshopping darf darüber hinaus Kinder oder Jugendliche nicht dazu anhalten, Kauf- oder Miet- bzw. Pachtverträge für Waren oder Dienstleistungen zu schließen.

§ 7
Jugendschutzbeauftragte 

(1) Wer länderübergreifendes Fernsehen veranstaltet, hat einen Jugendschutzbeauftragten zu bestellen. Gleiches gilt für geschäftsmäßige Anbieter von allgemein zugänglichen Telemedien, die entwicklungsbeeinträchtigende oder jugendgefährdende Inhalte enthalten, sowie für Anbieter von Suchmaschinen. Der Anbieter hat wesentliche Informationen über den Jugendschutzbeauftragten leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar zu halten. Sie müssen insbesondere Namen und Daten enthalten, die eine schnelle elektronische Kontaktaufnahme ermöglichen.

(2) Anbieter von Telemedien mit weniger als 50 Mitarbeitern oder nachweislich weniger als zehn Millionen Zugriffen im Monatsdurchschnitt eines Jahres sowie Veranstalter, die nicht bundesweit verbreitetes Fernsehen veranstalten, können auf die Bestellung verzichten, wenn sie sich einer Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle anschließen und diese zur Wahrnehmung der Aufgaben des Jugendschutzbeauftragten verpflichten sowie entsprechend Absatz 3 beteiligen und informieren.

(3) Der Jugendschutzbeauftragte ist Ansprechpartner für die Nutzer und berät den Anbieter in Fragen des Jugendschutzes. Er ist vom Anbieter bei Fragen der Herstellung, des Erwerbs, der Planung und der Gestaltung von Angeboten und bei allen Entscheidungen zur Wahrung des Jugendschutzes angemessen und rechtzeitig zu beteiligen und über das jeweilige Angebot vollständig zu informieren. Er kann dem Anbieter eine Beschränkung oder Änderung von Angeboten vorschlagen.

(4) Der Jugendschutzbeauftragte muss die zur Erfüllung seiner Aufgaben erforderliche Fachkunde besitzen. Er ist in seiner Tätigkeit weisungsfrei. Er darf wegen der Erfüllung seiner Aufgaben nicht benachteiligt werden. Ihm sind die zur Erfüllung seiner Aufgaben notwendigen Sachmittel zur Verfügung zu stellen. Er ist unter Fortzahlung seiner Bezüge soweit für seine Aufgaben erforderlich von der Arbeitsleistung freizustellen.

(5) Die Jugendschutzbeauftragten der Anbieter sollen in einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch eintreten.

II. Abschnitt
Vorschriften für Rundfunk 

§ 8
Festlegung der Sendezeit 

(1) Die in der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten, das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM oder von dieser hierfür anerkannte Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle können jeweils in Richtlinien oder für den Einzelfall für Filme, auf die das Jugendschutzgesetz keine Anwendung findet, zeitliche Beschränkungen vorsehen, um den Besonderheiten der Ausstrahlung von Filmen im Fernsehen, vor allem bei Fernsehserien, gerecht zu werden.

(2) Für sonstige Sendeformate können die in Absatz 1 genannten Stellen im Einzelfall zeitliche Beschränkungen vorsehen, wenn deren Ausgestaltung nach Thema, Themenbehandlung, Gestaltung oder Präsentation in einer Gesamtbewertung geeignet ist, Kinder oder Jugendliche in ihrer Entwicklung und Erziehung zu beeinträchtigen.

(3) Hat eine anerkannte Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle eine Richtlinie nach Absatz 1 in den rechtlichen Grenzen des Beurteilungsspielraums erlassen, ist diese vorrangig anzuwenden.

§ 9
Ausnahmeregelungen 

(1) Auf Antrag des Intendanten kann das jeweils zuständige Organ der in der ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten, des Deutschlandradios und des ZDF sowie auf Antrag eines privaten Rundfunkveranstalters die KJM oder eine von dieser hierfür anerkannte Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle jeweils in Richtlinien oder für den Einzelfall von der Vermutung nach § 5 Abs. 2 Satz 1 und 2 abweichen. Dies gilt vor allem für Angebote, deren Bewertung länger als15 10 Jahre zurückliegt. Die Obersten Landesjugendbehörden sind von der abweichenden Bewertung zu unterrichten.Absatz 3 gilt entsprechend.

(2) Die Landesmedienanstalten können für digital verbreitete Programme des privaten Fernsehens durch übereinstimmende Satzungen festlegen, unter welchen Voraussetzungen ein Rundfunkveranstalter seine Verpflichtung nach § 5 erfüllt , indem er diese Sendungen nur mit einer allein für diese verwandten Technik verschlüsselt oder vorsperrt. Der Rundfunkveranstalter hat sicherzustellen, dass die Freischaltung durch den Nutzer nur für die Dauer der jeweiligen Sendung oder des jeweiligen Films möglich ist. Die Landesmedienanstalten bestimmen in den Satzungen nach Satz 1, insbesondere welche Anforderungen an die Verschlüsselung und Vorsperrung von Sendungen zur Gewährleistung eines effektiven Jugendschutzes zu stellen sind. 

§ 10
Programmankündigungen und Kenntlichmachung 

(1) § 5 Abs. 4 und 5 gilt für unverschlüsselte und nicht vorgesperrte Programmankündigungen mit Bewegtbildern entsprechend. Werden Sendungen außerhalb der für sie geltenden Sendezeitbeschränkung angekündigt, dürfen die Inhalte der Programmankündigung nicht entwicklungsbeeinträchtigend sein.

(2) Sendungen, für die eine entwicklungsbeeinträchtigende Wirkung auf Kinder oder Jugendliche unter 16 Jahren anzunehmen ist, müssen durch akustische Zeichen angekündigt oder durch optische Mittel während der gesamten Sendung als ungeeignet für die entsprechende Altersstufe kenntlich gemacht werden.

III. Abschnitt
Vorschriften für Telemedien 

§ 11
Jugendschutzprogramme 

(1) Der Anbieter von Telemedien kann den Anforderungen nach § 5 Abs. 3 Nr. 1 dadurch genügen, dass Angebote, die geeignet sind, die Entwicklung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu beeinträchtigen, für ein als geeignet anerkanntes Jugendschutzprogramm programmiert werden oder dass es ihnen vorgeschaltet wird. Jugendschutzprogramme sind Softwareprogramme, die Alterskennzeichnungen nach § 5 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 auslesen und Angebote erkennen, die geeignet sind, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu beeinträchtigen. Sie müssen zur Beurteilung ihrer Eignung einer anerkannten Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle vorgelegt werden. Sie sind geeignet, wenn sie einen nach Altersstufen differenzierten Zugang zu Telemedien ermöglichen und eine dem Stand der Technik entsprechende Erkennungsleistung aufweisen. Zudem müssen sie benutzerfreundlich ausgestaltet und nutzerautonom verwendbar sein.

(2) Jugendschutzprogramme nach Absatz 1 müssen zur Anerkennung der Eignung vorgelegt werden. Die zuständige Landesmedienanstalt trifft die Entscheidung durch die KJM. Zuständig ist die Landesmedienanstalt des Landes, bei der der Antrag auf Anerkennung gestellt ist. Die Anerkennung ist auf fünf Jahre befristet. Verlängerung ist möglich. Zur Beurteilung der Eignung können auch solche Programme vorgelegt werden, die lediglich auf einzelne Altersstufen ausgelegt sind oder den Zugang zu Telemedien innerhalb geschlossener Systeme ermöglichen.

(3) Die Anerkennung nach Absatz 2 ist Jugendschutzprogrammen zu erteilen, wenn sie einen nach Altersstufen differenzierten Zugang ermöglichen oder vergleichbar geeignet sind. Die KJM kann die Kriterien für die Eignungsanforderungen nach den Absätzen 1 und 2 im Benehmen mit den anerkannten Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle durch Richtlinien festlegen.

(4) Die Anerkennung kann widerrufen werden, wenn die Voraussetzungen für die Anerkennung nachträglich entfallen sind.Hat eine anerkannte Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle ein Jugendschutzprogramm als nach Absatz 1 oder 2 als geeignet beurteilt, hat sie die Beurteilung mindestens alle drei Jahre zu überprüfen. Sie hat auf die Behebung von Fehlfunktionen hinzuwirken. Die Beurteilungen nach den Absätzen 1 und 2 und die Ergebnisse ihrer Überprüfung nach Satz 1 sind unverzüglich in geeigneter Form zu veröffentlichen.

(5) Wer gewerbsmäßig oder in großem Umfang Telemedien verbreitet oder zugänglich macht, soll auch die für Kinder oder Jugendliche unbedenklichen Angebote für ein anerkanntes Jugendschutzprogramm nach § 11 Abs. 1 und 2 programmieren, soweit dies zumutbar und ohne unverhältnismäßige Kosten möglich ist.

(6) Die KJM kann vor Anerkennung eines Jugendschutzprogrammes einen zeitlich befristeten Modellversuch mit neuen Verfahren, Vorkehrungen oder technischen Möglichkeiten zur Gewährleistung des Jugendschutzes zulassen. Die anerkannten Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle können im Benehmen mit der KJM zur Förderung des technischen Jugendschutzes Modellversuche durchführen und Verfahren vereinbaren. Gleiches gilt für die Altersklassifizierungssysteme, die von Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle zur Verfügung gestellt werden.

§ 12
Kennzeichnungspflicht 

Anbieter von Telemedien, die ganz oder im Wesentlichen inhaltsgleich sind mit bespielten Videokassetten und mit anderen zur Weitergabe geeigneten, für die Wiedergabe auf oder das Spiel an Bildschirmgeräten mit Filmen oder Spielen programmierten Datenträgern (Bildträgern), die nach § 12 des Jugendschutzgesetzes gekennzeichnet oder für die jeweilige Altersstufe freigegeben sind, müssen auf eine vorhandene Kennzeichnung in ihrem Angebot deutlich hinweisen. 

Anbieter von Telemedien, die ganz oder im Wesentlichen inhaltsgleich mit Filmen oder Spielen auf Bildträgern im Sinne des Jugendschutzgesetzes sind, müssen auf eine Kennzeichnung nach dem Jugendschutzgesetz in ihrem Angebot deutlich hinweisen. Für Fassungen von Filmen und Spielen in Telemedien, die wie solche auf Trägermedien vorlagefähig sind, kann das Kennzeichnungsverfahren nach dem Jugendschutzgesetz durchgeführt werden.

IV. Abschnitt
Verfahren für Anbieter mit Ausnahme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks 

§ 13
Anwendungsbereich 

Die §§ 14 bis 21 sowie § 24 Abs. 4 Satz 6 gelten nur für länderübergreifende Angebote.

§ 14
Kommission für Jugendmedienschutz 

(1) Die zuständige Landesmedienanstalt überprüft die Einhaltung der für die Anbieter geltenden Bestimmungen nach diesem Staatsvertrag. Sie trifft entsprechend den Bestimmungen dieses Staatsvertrages die jeweiligen Entscheidungen.

(2) Zur Erfüllung der Aufgaben nach Absatz 1 wird die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) gebildet. Diese dient der jeweils zuständigen Landesmedienanstalt als Organ bei der Erfüllung ihrer Aufgaben nach Absatz 1. Auf Antrag der zuständigen Landesmedienanstalt kann die KJM auch mit nichtländerübergreifenden Angeboten gutachtlich befasst werden. Absatz 5 bleibt unberührt.

(3) Die KJM besteht aus 12 Sachverständigen. Hiervon werden entsandt

1. sechs Mitglieder aus dem Kreis der Direktoren der Landesmedienanstalten, die von den Landesmedienanstalten im Einvernehmen benannt werden,

2. vier Mitglieder von den für den Jugendschutz zuständigen obersten Landesbehörden,

3. zwei Mitglieder von der für den Jugendschutz zuständigen obersten Bundesbehörde.

Für jedes Mitglied ist entsprechend Satz 2 ein Vertreter für den Fall seiner Verhinderung zu bestimmen. Die Amtsdauer der Mitglieder oder stellvertretenden Mitglieder beträgt fünf Jahre. Wiederberufung ist zulässig. Mindestens vier Mitglieder und stellvertretende Mitglieder sollen die Befähigung zum Richteramt haben. Den Vorsitz führt ein Direktor einer Landesmedienanstalt.

(4) Der KJM können nicht angehören Mitglieder und Bedienstete der Institutionen der Europäischen Union, der Verfassungsorgane des Bundes und der Länder, Gremienmitglieder und Bedienstete von Landesrundfunkanstalten der ARD, des ZDF, des Deutschlandradios, des Europäischen Fernsehkulturkanals „ARTE“ und der privaten Rundfunkveranstalter oder Anbieter von Telemedien sowie Bedienstete von an ihnen unmittelbar oder mittelbar im Sinne von § 28 des Rundfunkstaatsvertrages beteiligten Unternehmen.

(5) Es können Prüfausschüsse gebildet werden. Jedem Prüfausschuss muss mindestens jeweils ein in Absatz 3 Satz 2 Nr. 1 bis 3 aufgeführtes Mitglied der KJM oder im Falle seiner Verhinderung dessen Vertreter angehören. Die Prüfausschüsse entscheiden jeweils bei Einstimmigkeit anstelle der KJM. Zu Beginn der Amtsperiode der KJM wird die Verteilung der Prüfverfahren von der KJM festgelegt. Das Nähere ist in der Geschäftsordnung der KJM festzulegen.

(6) Die Entscheidung über die Bestätigung der Altersbewertung nach § 5 Abs. 2 Satz 3 ist innerhalb von 14 Tagen zu treffen und dem Antragsteller mitzuteilen. Für das Bestätigungsverfahren kann ein Einzelprüfer bestellt werden.

(7) Die Mitglieder der KJM sind bei der Erfüllung ihrer Aufgaben nach diesem Staatsvertrag an Weisungen nicht gebunden. Die Regelung zur Vertraulichkeit nach § 24 des Rundfunkstaatsvertrages gilt auch im Verhältnis der Mitglieder der KJM zu anderen Organen der Landesmedienanstalten.

(7) (8) Die Mitglieder der KJM haben Anspruch auf Ersatz ihrer notwendigen Aufwendungen und Auslagen. Näheres regeln die Landesmedienanstalten durch übereinstimmende Satzungen.

 

§ 15
Mitwirkung der Gremien der Landesmedienanstalten 

(1) Die KJM unterrichtet die Vorsitzenden der Gremien der Landesmedienanstalten fortlaufend über ihre Tätigkeit. Sie bezieht die Gremienvorsitzenden in grundsätzlichen Angelegenheiten, insbesondere bei der Erstellung von Satzungs- und Richtlinienentwürfen, ein.

(2) Die nach Landesrecht zuständigen Organe der Landesmedienanstalten erlassen übereinstimmende Satzungen und Richtlinien zur Durchführung dieses Staatsvertrages. Sie stellen hierbei das Benehmen mit den nach § 19 anerkannten Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle, in der ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten und dem ZDF her und führen mit diesen und der KJM einen gemeinsamen Erfahrungsaustausch in der Anwendung des Jugendmedienschutzes durch. 

§ 16
Zuständigkeit der KJM 

Die KJM ist zuständig für die abschließende Beurteilung von Angeboten nach diesem Staatsvertrag. Sie ist unbeschadet der Befugnisse von anerkannten Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle nach diesem Staatsvertrag im Rahmen des Satzes 1 insbesondere zuständig für

1. die Überwachung der Bestimmungen dieses Staatsvertrages,

2. die Anerkennung von Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle und die Rücknahme oder den Widerruf der Anerkennung,

3. die Festlegung der Sendezeit nach § 8,

4. die Festlegung von Ausnahmen nach § 9,

5. die Prüfung und Genehmigung einer Verschlüsselungs- und Vorsperrungstechnik,

6. die Anerkennung von Jugendschutzprogrammen und für die Rücknahme oder den Widerruf der Anerkennung,

7. die Stellungnahme zu Indizierungsanträgen bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien und für Anträge bei der Bundesprüfstelle auf Indizierung und

8. die Entscheidung über Ordnungswidrigkeiten nach diesem Staatsvertrag.

Sie ist unbeschadet der Befugnisse von anerkannten Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle nach diesem Staatsvertrag im Rahmen des Satzes 1 insbesondere zuständig für

1. die Überwachung der Bestimmungen dieses Staatsvertrages,

2. die Anerkennung von Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle und die Rücknahme oder den Widerruf der Anerkennung,

3. die Bestätigung der Altersbewertungen nach § 5 Abs. 2 Satz 3

4. die Festlegung der Sendezeit nach § 8,

5. die Festlegung von Ausnahmen nach § 9,

6. die Prüfung und Genehmigung einer Verschlüsselungs- und Vorsperrungstechnik,

7. die Aufsicht über Entscheidungen der Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle nach § 19 b Abs. 1 und 2

8. die Stellungnahme zu Indizierungsanträgen bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien und für Anträge bei der Bundesprüfstelle auf Indizierung und

9. die Entscheidung über Ordnungswidrigkeiten nach diesem Staatsvertrag.

§ 17
Verfahren der KJM 

(1) Die KJM wird von Amts wegen tätig; auf Antrag einer Landesmedienanstalt oder einer obersten Landesjugendbehörde leitet ihr eine Landesmedienanstalt oder eine oberste Landesjugendschutzbehörde einen Prüffall zu,hat sie ein Prüfverfahren einzuleiten. Sie fasst ihre Beschlüsse mit der Mehrheit ihrer gesetzlichen Mitglieder, bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden. Die Beschlüsse sind zu begründen. In der Begründung sind die wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Gründe mitzuteilen. Die Beschlüsse der KJM sind gegenüber den anderen Organen der zuständigen Landesmedienanstalt bindend. Sie sind deren Entscheidungen zu Grunde zu legen.

(2) Die KJM soll mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien und den obersten Landesjugendschutzbehörden zusammenarbeiten und einen regelmäßigen Informationsaustausch pflegen.

(3) Die KJM erstattet den Gremien der Landesmedienanstalten, den für den Jugendschutz zuständigen obersten Landesjugendbehörden und der für den Jugendschutz zuständigen obersten Bundesbehörde erstmalig zwei Jahren nach ihrer Konstituierung und danach alle zwei Jahre einen Bericht über die Durchführung der Bestimmungen dieses Staatsvertrages. 

§ 18
Jugendschutz.net 

Die durch die obersten Landesjugendbehörden eingerichtete gemeinsame Stelle Jugendschutz aller Länder („jugendschutz.net“) ist organisatorisch an die KJM angebunden. Die Stelle „jugendschutz.net“ wird von den Landesmedienanstalten und den Ländern bis zum 31. Dezember 2012 gemeinsam finanziert. Die näheren Einzelheiten der Finanzierung dieser Stelle durch die Länder legen die für den Jugendschutz zuständigen Minister der Länder in einem Statut durch Beschluss fest. Das Statut regelt auch die fachliche und haushaltsmäßige Unabhängigkeit der Stelle.

(2) Jugendschutz.net unterstützt die KJM und die obersten Landesjugendbehörden bei deren Aufgaben.

(3) Jugendschutz.net überprüft die Angebote der Telemedien. Daneben nimmt Jugendschutz.net auch Aufgaben der Beratung und Schulung bei Telemedien wahr.

(4) Bei Verstößen gegen Bestimmungen dieses Staatsvertrages weist Jugendschutz.net den Anbieter hierauf hin und informiert die anerkannten Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle und die KJM hierüber.  Bei möglichen Verstößen gegen Bestimmungen dieses Staatsvertrages weist Jugendschutz.net den Anbieter hierauf hin und informiert die KJM. Bei möglichen Verstößen von Mitgliedern einer anerkannten Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle ergeht der Hinweis zunächst an diese Einrichtung. Die anerkannten Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle haben innerhalb einer Woche ein Verfahren einzuleiten und dies jugendschutz.net mitzuteilen. Bei Untätigkeit der anerkannten Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle informiert jugendschutz.net die KJM.

§ 19
Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle 

(1) Einrichtungen Freiwilliger Selbstkontrolle können für Rundfunk und Telemedien gebildet werden.

(2) Anerkannte Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle überprüfen im Rahmen ihres satzungsgemäßen Aufgabenbereichs die Einhaltung der Bestimmungen dieses Staatsvertrages sowie der hierzu erlassenen Satzungen und Richtlinien bei ihnen angeschlossenen Anbietern.

(3) (2) Eine Einrichtung ist als Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle im Sinne dieses Staatsvertrages anzuerkennen, wenn

1. die Unabhängigkeit und Sachkunde ihrer benannten Prüfer gewährleistet ist und dabei auch Vertreter aus gesellschaftlichen Gruppen berücksichtigt sind, die sich in besonderer Weise mit Fragen des Jugendschutzes befassen,

2. eine sachgerechte Ausstattung auch durch eine Vielzahl von Anbietern sichergestellt ist,

3. Vorgaben für die Entscheidungen der Prüfer bestehen, die in der Spruchpraxis einen wirksamen Kinder- und Jugendschutz zu gewährleisten geeignet sind,

4. eine Verfahrensordnung besteht, die den Umfang der Überprüfung, bei Veranstaltern auch die Vorlagepflicht sowie mögliche Sanktionen, regelt und eine Möglichkeit der Überprüfung der Entscheidungen auch auf Antrag von landesrechtlich bestimmten Trägern der Jugendhilfe vorsieht,

5. gewährleistet ist, dass die betroffenen Anbieter vor einer Entscheidung gehört werden, die Entscheidung schriftlich begründet und den Beteiligten mitgeteilt wird und

6. eine Beschwerdestelle eingerichtet ist.

(4)(3) Die zuständige Landesmedienanstalt trifft die Entscheidung durch die KJM. Zuständig ist die Landesmedienanstalt des Landes, in dem die Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle ihren Sitz hat. Ergibt sich danach keine Zuständigkeit, so ist diejenige Landesmedienanstalt zuständig, bei der der Antrag auf Anerkennung gestellt wurde. Die Einrichtung legt der KJM die für die Prüfung der Anerkennungsvoraussetzungen erforderlichen Unterlagen vor. Die Anerkennung ist auf vier Jahre befristet. Verlängerung ist möglich.

(5)(4) Die Anerkennung kann widerrufen werden, wenn Voraussetzungen für die Anerkennung nachträglich entfallen sind oder sich die Spruchpraxis der Einrichtung nicht im Einklang mit dem geltenden Jugendschutzrecht befindet. Eine Entschädigung für Vermögensnachteile durch den Widerruf der Anerkennung wird nicht gewährt. Die KJM kann die Anerkennung ganz oder teilweise widerrufen oder mit Nebenbestimmungen versehen, wenn Voraussetzungen für die Anerkennung nachträglich entfallen sind oder die Spruchpraxis der Einrichtung nicht mit den Bestimmungen dieses Staatsvertrages übereinstimmt. Eine Entschädigung für Vermögensnachteile durch den Widerruf der Anerkennung wird nicht gewährt.

(6)(5) Die anerkannten Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle sollen sich über die Anwendung dieses Staatsvertrages abstimmen. 

§ 19 a
Zuständigkeit und Verfahren der Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle

(1) Anerkannte Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle überprüfen im Rahmen ihres satzungsgemäßen Aufgabenbereichs die Einhaltung der Bestimmungen dieses Staatsvertrages sowie der hierzu erlassenen Satzungen und Richtlinien bei ihnen angeschlossenen Anbietern. Sie sind verpflichtet, gemäß ihrer Verfahrensordnung nach § 19 Abs. 2 Nr. 4 Beschwerden unverzüglich nachzugehen.

(2) Die anerkannten Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle beurteilen die Eignung der Jugendschutzprogramme nach § 11 Abs. 1 und 2 und überprüfen ihre Eignung nach § 11 Abs. 3. Zuständig ist die anerkannte Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle, bei der das Jugendschutzprogramm zur Beurteilung eingereicht wurde. Die anerkannte Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle teilt der KJM die Entscheidung und ihre Begründung mit.

§ 19 b
Aufsicht über Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle

(1) Die zuständige Landesmedienanstalt kann durch die KJM Entscheidungen einer anerkannten Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle, die die Grenzen des Beurteilungsspielraums überschreiten, beanstanden und ihre Aufhebung verlangen. Kommt eine anerkannte Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle ihren Aufgaben und Pflichten nach diesem Staatsvertrag nicht nach, kann die zuständige Landesmedienanstalt durch die KJM verlangen, dass sie diese erfüllen. Eine Entschädigung für hierdurch entstehende Vermögensnachteile wird nicht gewährt.

(2) Hat eine anerkannte Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle ein Jugendschutzprogramm nach § 11 Abs. 1 und 2 als geeignet beurteilt und dabei die rechtlichen Grenzen des Beurteilungsspielraums überschritten, kann die zuständige Landesmedienanstalt durch die KJM innerhalb von drei Monaten nach Entscheidung der anerkannten Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle diese Beurteilung für unwirksam erklären oder dem Anbieter des Jugendschutzprogramms gegenüber Auflagen erteilen. Absatz 1 Satz 3 gilt entsprechend.

(3) Zuständig ist die Landesmedienanstalt des Landes, in dem die anerkannte Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle ihren Sitz hat.

V. Abschnitt
Vollzug für Anbieter mit Ausnahme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks 

§ 20
Aufsicht 

(1) Stellt die zuständige Landesmedienanstalt fest, dass ein Anbieter gegen die Bestimmungen dieses Staatsvertrages verstoßen hat, trifft sie die erforderlichen Maßnahmen gegenüber dem Anbieter.

(2) Für Veranstalter von Rundfunk trifft die zuständige Landesmedienanstalt durch die KJM entsprechend den landesrechtlichen Regelungen die jeweilige Entscheidung.

(3) Tritt die KJM an einen Rundfunkveranstalter mit dem Vorwurf heran, er habe gegen Bestimmungen dieses Staatsvertrages verstoßen, und weist der Veranstalter nach, dass er die Sendung vor ihrer Ausstrahlung einer anerkannten Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle im Sinne dieses Staatsvertrages vorgelegt und deren Vorgaben beachtet hat, so sind Maßnahmen durch die KJM im Hinblick auf die Einhaltung der Bestimmungen zum Jugendschutz durch den Veranstalter nur dann zulässig, wenn die Entscheidung oder die Unterlassung einer Entscheidung der anerkannten Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle die rechtlichen Grenzen des Beurteilungsspielraums überschreitet. Bei nichtvorlagefähigen Sendungen ist vor Maßnahmen bei behaupteten Verstößen gegen den Jugendschutz, mit Ausnahme von Verstößen gegen § 4 Abs. 1, durch die KJM die anerkannte Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle, der der Rundfunkveranstalter angeschlossen ist, zu befassen; Satz 1 gilt entsprechend. Für Entscheidungen nach den §§ 8 und 9 gilt Satz 1 entsprechend.

Tritt die KJM an einen Rundfunkveranstalter mit dem Vorwurf heran, er habe gegen Bestimmungen dieses Staatsvertrages verstoßen, und weist der Veranstalter nach, dass die Sendung vor ihrer Ausstrahlung einer anerkannten Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle im Sinne dieses Staatsvertrages vorgelegen hat und deren Vorgaben beachtet wurden, so sind Maßnahmen durch die KJM nur dann zulässig, wenn die Entscheidung oder die Unterlassung einer Entscheidung der anerkannten Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle die rechtlichen Grenzen des Beurteilungsspielraums überschritten hat. Die KJM teilt der Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle ihre Entscheidung nebst Begründung mit. Wird einem Anbieter einer nichtvorlagefähigen Sendung ein Verstoß gegen Jugendschutz vorgeworfen, ist vor Maßnahmen durch die KJM die anerkannte Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle, der der Rundfunkveranstalter angeschlossen ist, zu befassen; Für Entscheidungen nach den §§ 8 und 9 gilt Satz 1 entsprechend. Dieser Absatz gilt nicht bei Verstößen gegen § 4 Abs. 1.

(4) Für Anbieter von Telemedien trifft die zuständige Landesmedienanstalt durch die KJM entsprechend § 22 Abs. 2 bis 4 des Mediendienste-Staatsvertrages die jeweilige Entscheidung.

(5) Gehört ein Anbieter von Telemedien einer anerkannten Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle im Sinne dieses Staatsvertrages an oder unterwirft er sich ihren Statuten, so ist bei behaupteten Verstößen gegen den Jugendschutz, mit Ausnahme von Verstößen gegen § 4 Abs. 1, durch die KJM zunächst diese Einrichtung mit den behaupteten Verstößen zu befassen. Maßnahmen nach Absatz 1 gegen den Anbieter durch die KJM sind nur dann zulässig, wenn die Entscheidung oder die Unterlassung einer Entscheidung der anerkannten Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle die rechtlichen Grenzen des Beurteilungsspielraums überschreitet. Bei Verstößen gegen § 4 haben Widerspruch und Anfechtungsklage keine aufschiebende Wirkung.

(6) Zuständig ist die Landesmedienanstalt des Landes, in dem die Zulassung des Rundfunkveranstalters erteilt wurde oder der Anbieter von Telemedien seinen Sitz, Wohnsitz oder in Ermangelung dessen seinen ständigen Aufenthalt hat. Ergibt sich danach keine Zuständigkeit, so ist diejenige Landesmedienanstalt zuständig, in deren Bezirk der Anlass für die Amtshandlung hervortritt.

(7) Die Länder überprüfen drei Jahre nach In-Kraft-Treten dieses Staatsvertrages die Anwendung der Bestimmungen der Absätze 3 und 5 insbesondere auf der Grundlage des Berichts der KJM nach § 17 Abs. 3 und von Stellungnahmen anerkannter Einrichtungen Freiwilliger Selbstkontrolle und der obersten Landesjugendbehörden. Treten die KJM, eine Landesmedienanstalt oder jugendschutz.net an einen Anbieter mit dem Vorwurf heran, er habe gegen Bestimmungen dieses Staatsvertrages verstoßen, so weisen sie ihn auf die Möglichkeit einer Mitgliedschaft in einer Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle und die damit verbundenen Rechtsfolgen hin.

§ 21
Auskunftsansprüche 

(1) Ein Anbieter von Telemedien ist verpflichtet, der KJM Auskunft über die Angebote und über die zur Wahrung des Jugendschutzes getroffenen Maßnahmen zu geben und ihr auf Anforderung den unentgeltlichen Zugang zu den Angeboten zu Kontrollzwecken zu ermöglichen.

(2) Der Abruf oder die Nutzung von Angeboten im Rahmen der Aufsicht, der Ahndung von Verstößen oder der Kontrolle ist unentgeltlich. Anbieter haben dies sicherzustellen. Der Anbieter darf seine Angebote nicht gegen den Abruf oder die Kenntnisnahme durch die zuständige Stelle sperren oder den Abruf oder die Kenntnisnahme erschweren.

§ 22
Revision zum Bundesverwaltungsgericht 

In einem gerichtlichen Verfahren kann die Revision zum Bundesverwaltungsgericht auch darauf gestützt werden, dass das angefochtene Urteil auf der Verletzung der Bestimmungen dieses Staatsvertrages beruhe. 

VI. Abschnitt
Ahndung von Verstößen der Anbieter mit Ausnahme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks 

§ 23
Strafbestimmung 

Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer entgegen § 4 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 und Satz 2 Angebote verbreitet oder zugänglich macht, die offensichtlich geeignet sind, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit unter Berücksichtigung der besonderen Wirkungsform des Verbreitungsmediums schwer zu gefährden. Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Freiheitsstrafe bis zu 6 Monate oder die Geldstrafe bis zu 180 Tagessätze. 

§ 24
Ordnungswidrigkeiten 

(1) Ordnungswidrig handelt, wer als Anbieter vorsätzlich oder fahrlässig

1. Angebote verbreitet oder zugänglich macht, die

a) entgegen § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Propagandamittel im Sinne des Strafgesetzbuches darstellen,

b) entgegen § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwenden,

c) entgegen § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 zum Hass gegen Teile der Bevölkerung oder gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch Volkstum bestimmte Gruppe aufstacheln, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordern oder die Menschenwürde anderer dadurch angreifen, dass Teile der Bevölkerung oder eine vorbezeichnete Gruppe beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,

d) entgegen § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 1. Alternative eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 oder § 7 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, leugnen oder verharmlosen,

e) entgegen § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 2. Alternative den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stören, dass die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft gebilligt, verherrlicht oder gerechtfertigt wird,

f) entgegen § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 grausame und sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt; dies gilt auch bei virtuellen Darstellungen,

g) entgegen § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 6 als Anleitung zu einer in § 126 Abs. 1 des Strafgesetzbuches genannten rechtswidrigen Tat dienen,

h) entgegen § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 den Krieg verherrlichen,

i) entgegen § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 8 gegen die Menschenwürde verstoßen, insbesondere durch die Darstellung von Menschen, die sterben oder schweren körperlichen oder seelischen Leiden ausgesetzt sind oder waren, wobei ein tatsächliches Geschehen wiedergegeben wird, ohne dass ein berechtigtes Interesse gerade für diese Form der Darstellung oder Berichterstattung vorliegt,

j) entgegen § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 9 Kinder oder Jugendliche in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung darstellen; dies gilt auch bei virtuellen Darstellungen,

k) entgegen § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 10 kinderpornografisch im Sinne des § 184 b abs. 1 des Strafgesetzbuchs, jugendpornographisch im Sinne des § 184 c Abs. 1 sind oder Gewalttätigkeiten, den sexuellen Missbrauch von Kindern ode Jugendlichen oder sexuelle Handlungen von Menschen mit Tieren zum Gegenstand haben; dies gilt auch bei virtuellen Darstellungen, oder

l) entgegen § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 11 in den Teilen B und D der Liste nach § 18 des Jugendschutzgesetzes aufgenommen sind oder mit einem in dieser Liste aufgenommenen Werk ganz oder im Wesentlichen inhaltsgleich sind,

2. entgegen § 4 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2 Angebote verbreitet oder zugänglich macht, die in sonstiger Weise pornografisch sind,

3. entgegen § 4 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 Angebote verbreitet oder zugänglich macht, die in den Teilen A und C der Liste nach § 18 des Jugendschutzgesetzes aufgenommen sind oder mit einem in dieser Liste aufgenommenem Werk ganz oder im Wesentlichen inhaltsgleich sind,

4. entgegen § 5 Abs. 1 Angebote verbreitet oder zugänglich macht, die geeignet sind, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen, ohne dafür Sorge zu tragen, dass Kinder oder Jugendliche der betroffenen Altersstufen sie üblicherweise nicht wahrnehmen, es sei denn, er kennzeichnet fahrlässig entgegen § 5 Abs. 3 Nr. 1 sein Angebot mit einer zu niedrigen Altersstufe

5. entgegen § 6 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 6 Werbung oder Teleshopping für indizierte Angebote verbreitet oder zugänglich macht,

6. entgegen § 6 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 6 die Liste der jugendgefährdenden Medien verbreitet oder zugänglich macht,

7. entgegen § 6 Abs. 1 Satz 3 und Abs. 6 einen dort genannten Hinweis gibt,

8. entgegen § 7 keinen Jugendschutzbeauftragten bestellt,

9. Sendeformate entgegen Sendezeitbeschränkungen nach § 8 Abs. 2 verbreitet,

10. Sendungen, deren Eignung zur Beeinträchtigung der Entwicklung nach § 5 Abs. 2 vermutet wird, verbreitet, ohne dass die KJM oder eine von dieser hierfür anerkannte Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle von der Vermutung gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 abgewichen ist,

11. entgegen § 10 Abs. 1 Programmankündigungen mit Bewegtbildern außerhalb der geeigneten Sendezeit und unverschlüsselt verbreitet,

12. entgegen § 10 Abs. 2 Sendungen verbreitet, ohne ihre Ausstrahlung durch akustische Zeichen anzukündigen oder durch optische Mittel während der gesamten Sendung kenntlich zu machen,

13. Angebote ohne den nach § 12 erforderlichen Hinweis verbreitet,

14. entgegen einer vollziehbaren Anordnung durch die zuständige Aufsichtsbehörde nach § 20 Abs. 1 nicht tätig wird,

15. entgegen § 21 Abs. 1 seiner Auskunftspflicht nicht nachkommt oder

16. entgegen § 21 Abs. 2 Satz 3 Angebote gegen den Abruf durch die zuständige Aufsichtsbehörde sperrt.

(2) Ordnungswidrig handelt ferner, wer vorsätzlich

1. entgegen § 11 Abs. 5 4 Telemedien als für Kinder oder Jugendliche der betreffenden Altersstufe geeignet falsch kennzeichnet oder

2. im Rahmen eines Verfahrens zur Anerkennung einer Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle nach § 19 Abs. 4 3 falsche Angaben macht.

(3) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 500.000 Euro geahndet werden.

(4) Zuständige Verwaltungsbehörde im Sinne des § 36 Abs. 1 Nr. 1 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten ist die zuständige Landesmedienanstalt. Zuständig ist in den Fällen des Absatzes 1 und des Absatzes 2 Nr. 1 die Landesmedienanstalt des Landes, in dem die Zulassung des Rundfunkveranstalters erteilt wurde oder der Anbieter von Telemedien seinen Sitz, Wohnsitz oder in Ermangelung dessen seinen ständigen Aufenthalt hat. Ergibt sich danach keine Zuständigkeit, so ist diejenige Landesmedienanstalt zuständig, in deren Bezirk der Anlass für die Amtshandlung hervortritt. Zuständig ist im Falle des Absatzes 2 Nr. 2 die Landesmedienanstalt des Landes, in dem die Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle ihren Sitz hat. Ergibt sich danach keine Zuständigkeit, so ist diejenige Landesmedienanstalt zuständig, bei der der Antrag auf Anerkennung gestellt wurde. Die zuständige Landesmedienanstalt trifft die Entscheidungen durch die KJM.

(5) Über die Einleitung eines Verfahrens hat die zuständige Landesmedienanstalt die übrigen Landesmedienanstalten unverzüglich zu unterrichten. Soweit ein Verfahren nach dieser Bestimmung in mehreren Ländern eingeleitet wurde, stimmen sich die beteiligten Behörden über die Frage ab, welche Behörde das Verfahren fortführt.

(6) Die zuständige Landesmedienanstalt kann bestimmen, dass Beanstandungen nach einem Rechtsverstoß gegen Regelungen dieses Staatsvertrages sowie rechtskräftige Entscheidungen in einem Ordnungswidrigkeitsverfahren nach Absatz 1 oder 2 von dem betroffenen Anbieter in seinem Angebot verbreitet oder in diesem zugänglich gemacht werden. Inhalt und Zeitpunkt der Bekanntgabe sind durch die zuständige Landesmedienanstalt nach pflichtgemäßem Ermessen festzulegen.

(7) Die Verfolgung der in Absatz 1 und 2 genannten Ordnungswidrigkeiten verjährt in sechs Monaten.

VII. Abschnitt
Schlussbestimmungen 

§ 25
Änderung sonstiger Staatsverträge 

[gestrichen]

§ 2625
Geltungsdauer, Kündigung 

(1) Dieser Staatsvertrag gilt für unbestimmte Zeit. Er kann von jedem der vertragsschließenden Länder zum Schluss des Kalenderjahres mit einer Frist von einem Jahr gekündigt werden. Die Kündigung kann erstmals zum 31. Dezember 2006 erfolgen. Das Vertragsverhältnis kann hinsichtlich § 20 Absätze 3 und 5 erstmals zum 31. Dezember 2006 mit einer halbjährlichen Frist zum Jahresende gesondert gekündigt werden. Wird der Staatsvertrag zu diesem Zeitpunkt nicht gekündigt, kann die Kündigung mit gleicher Frist jeweils zu einem zwei Jahre späteren Zeitpunkt erfolgen. Die Kündigung ist gegenüber dem Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz schriftlich zu erklären. Die Kündigung eines Landes lässt das Vertragsverhältnis unter den übrigen Ländern unberührt, jedoch kann jedes der übrigen Länder das Vertragsverhältnis binnen einer Frist von drei Monaten nach Eingang der Kündigungserklärung zum gleichen Zeitpunkt kündigen.

(2) Für die Kündigung der in § 25 geänderten Staatsverträge sind die dort vorgesehenen Kündigungsvorschriften maßgebend. 

§ 27
Notifizierung 

 Änderungen dieses Staatsvertrages unterliegen der Notifizierungspflicht gemäß der Richtlinie 98/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 2. Juni 1998 über ein Informationsverfahren auf dem Gebiete der Normen und technischen Vorschriften für die Dienste der Informationsgesellschaft, zuletzt geändert durch die Verordnung (EU) Nr. 1025/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2012.

§ 28
In-Kraft-Treten, Neubekanntmachung 

(1) Dieser Staatsvertrag tritt am 1. April 2003 in Kraft. Sind bis zum 31. März 2003 nicht alle Ratifikationsurkunden bei der Staats- oder Senatskanzlei des Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz hinterlegt, wird der Staatsvertrag gegenstandslos.

(2) Die Staats- oder Senatskanzlei des Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz teilt den Ländern die Hinterlegung der Ratifikationsurkunden mit.

(3) Die Staats- und Senatskanzleien der Länder werden ermächtigt, den Wortlaut des Rundfunkstaatsvertrages, des ZDF-Staatsvertrages, des Deutschlandradio-Staatsvertrages und des Mediendienste-Staatsvertrages in der Fassung, die sich aus § 25 ergibt, mit neuem Datum bekannt zu machen.