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Und weiter geht es mit Kultur und der Rettung der deutschen Identität. Dabei kommen natürlich wieder die alten Feindbilder: politische Korrektheit und die Parteien. 

7.3 DIE DEUTSCHE SPRACHE ALS ZENTRUM UNSERER IDENTITÄT
Das zentrale Element deutscher Identität ist die deutsche Sprache. Die AfD fordert einen Aktionsplan, um die deutsche Sprache zu stärken und zu erhalten.

Nun gut. Die „Loi Toubon“ in Frankreich hat damals ja eher für Spott gesorgt.

Dafür einzubeziehen sind das Goethe‐Institut, die Deutsche Welle und andere kulturpolitische Instrumente, um für das Erlernen des Deutschen weltweit zu werben und dieses durch bilaterale Abkommen, Studienförderprogramme usw. nach Kräften zu fördern.

Es ist ja schön, dass die deutsche Sprache das Zentrum UNSERER Identität ist – warum muss man das deshalb expansiv betreiben? Nachher wollen die ganzen Leute noch zu uns kommen und auch noch hier bleiben… Bliebe abschließend zu sagen: genau das passiert derzeit schon und in nicht ganz geringem Ausmaß. Also das mit der Sprach- und Kulturförderung im Ausland.

Im Inland tritt die AfD allen Tendenzen strikt entgegen, die deutsche Sprache auf Behörden, in universitären Studiengängen und in der Binnenkommunikation von Firmen im Sinne einer falsch verstandenen „Internationalisierung“ durch das Englische zu ersetzen oder zu “gendern”.

Gendern ist also ungefähr gleich schlimmer Untergang der deutschen Sprache wie englisch zu sprechen. Ich möchte das auch haben, was die nehmen. Natürlich greift man auch in das Innenleben von Unternehmen ein, weil deutsche Identität ja wichtig ist. Und wenn der amerikanische Mutterkonzern was will, soll deren Vorstand eben deutsch lernen. Oder so.

Politisch korrekte Sprachvorgaben lehnen wir ab.

Andere Sprachvorgaben befürworten wir hingegen sehr stark und wollen das scheinbar auch gesetzlich vorschreiben.  Auch wenn es den Staat nichts angeht. So viel übrigens zum viel zu sehr eingreifenden Staat aus dem ersten Kapitel.

Bei der Integration von Einwanderern ist dem Spracherwerb allerhöchste Priorität beizumessen.

Selbstverständlichkeiten muss man natürlich auch aufschreiben. Ob dann aber kulturelle Vermischung stattfindet? Wobei, es fällt auf: Einwanderer sollen deutsch lernen (müssen), von Flüchtlingen steht da nichts.

Auf EU‐Ebene muss das Deutsche dem Englischen und Französischen endlich auch in der alltäglichen Praxis gleichgestellt werden.

Es ist Amtssprache. Wie Englisch und Französisch auch. Wieviel Gleichstellung will die AfD noch?

7.4 KULTUR UND KUNST VON STAATLICHER EINFLUSSNAHME BEFREIEN
Die AfD will den Einfluss der Parteien auf das Kulturleben zurückdrängen,

Welchen Einfluss der Parteien? Die Reichskulturkammer gibt es nicht mehr. Schon lange. Oder meint die AfD etwa, dass Parlamente nicht mehr über die Verwendung von Haushaltsmitteln entscheiden dürfen sollen?

gemeinnützige private Kulturstiftungen und bürgerschaftliche Kulturinitiativen stärken und die Kulturpolitik generell an fachlichen Qualitätskriterien

„fachliche Qualitätskriterien“ bei Kultur klingt … interessant. Es mag überraschen, aber genau das wird hin und wieder versucht. Nur entspricht das Ergebnis scheinbar nicht den Erwartungen der AfD. Was auch nicht sonderlich überrascht, ist der Kulturbetrieb doch nicht besonders AfD-affin. Das gipfelte in Berlin in der Forderung von Beatrix von Storch, die Finanzierung deutlich runter zu fahren, weil es Institutionen gebe, die mit Torten auf Politiker würfen.

und ökonomischer Vernunft anstatt an politischen Opportunitäten ausrichten.

Auftritt „ökonomische Vernunft“, das klingt ja immer gut. Aber: Wirtschaft in der Kulturförderung? Was soll das werden? Gefördert wird, was der Wirtschaft am meisten hilft? König der Löwen statt „La Traviata“ oder „Figaro“?
Aus den politischen Opportunitäten wiederum spricht der Glaube daran, dass „die Parteien“ das Land in einem Würgegriff hätten und undemokratisch und in Hinterzimmern über die Verteilung von Geldern entschieden, am besten noch, um sich Stimmen zu kaufen.

In Berlin war ein zentrales Argument für politische Forderungen zur Kultur: Wir dürfen Beschäftigte nicht als Wähler verprellen und müssen uns vor dem Vorwurf schützen, kulturlos zu sein. Überzeugungen waren dünn, Feindbilder dafür stark.

Die aktuelle Verengung der deutschen Erinnerungskultur auf die Zeit des Nationalsozialismus ist zugunsten einer erweiterten Geschichtsbetrachtung aufzubrechen,

Die derzeitigen Ereignisse und die teils ziemlich unverhohlene Sympathie der AfD für Bewegungen wie Pegida und diejenigen, die Flüchtlingsunterkünfte eher so mittelgut finden, lässt diesen Passus natürlich logisch erscheinen. Dann haben die noch mehr Zulauf, weil weniger Menschen eventuelle Parallelen erkennen.
Was soll das konkret heißen: wahrscheinlich sollen Gedenkstätten geschlossen werden, Erinnerungskultur soll versenkt werden und statt dessen soll es Feierlichkeiten oder so zugunsten positiver Ereignisse wie dem Hambacher Fest oder der Paulskirche oder aber die Einführung des Sedantages geben. Oder so ähnliches. Das besonders tolle: Es wird wieder ein Nationalgefühl geben (HURRA!), Patriotismus wird gefördert und die Menschen vergessen, wie schnell eine Gesellschaft in die alltägliche und überall sichtbare Barbarei abgleitet. Denn das ist der Zweck der Erinnerungsstätten an den Nationalsozialismus: Deutlich machen, wie sichtbar und wie wenig im Verborgenen die Verbrechen geschehen sind. Dass es gerade nicht nur einige wenige waren, sondern sehr viele die mitgemacht haben, die es gesehen haben und die schweigend zustimmend weggesehen haben.

die auch die positiven, identitätsstiftenden Aspekte deutscher Geschichte mit umfasst.

Siehe oben. Für mehr Patriotismus und Nationalismus! Krawehl!

Kulturpolitik im engeren Sinn soll nach Ansicht der AfD weiterhin im Kompetenzbereich der Länder verbleiben.

Was ist dann Kulturpolitik im weiteren Sinne, die beim Bund angesiedelt ist? Kulturförderung im Ausland? Das ist doch jetzt schon der Fall. Die AfD will also, dass alles bleibt, wie es ist. Kann man ja auch ins Programm schreiben. Sonst kommt noch jemand auf die Idee, dass das linke Revoluzzer sind…

Wir halten ein gewisses Minimum an staatlichen Kultursubventionen für unumgänglich, die jedoch an die selbst erwirtschafteten Einnahmen der Kulturbetriebe zu koppeln sind.

Hmhmhm. Das widerspricht der Forderung, dass die Förderung an fachliche Kriterien zu koppeln ist. Quantität trifft nun mal keine Aussage über die Qualität, insbesondere nicht bei der Kunst. Und ansonsten wird es auch komisch, wenn man auch und gerade „kleine Kunst“ fördern will, die tendenziell weniger Besucher anzieht als große Namen. Jedenfalls: mal wieder ein Stück Neoliberalismus im Programm.

Was denkst du?