Jetzt geht es weiter mit Wissenschaft und Forschung – in dem Kapitel geht es ein bisschen um Universitäten und viel um „Gender“ – man sieht mal wieder eindeutige Prioritäten. Viel soll zurück gedreht werden, neue Ideen sind mal wieder weitgehend Fehlanzeige. Dafür wird es gesellschaftlich reaktionär.

8 SCHULE, HOCHSCHULE UND FORSCHUNG
8.1 FORSCHUNG UND LEHRE. ALS EINHEIT UND IN FREIHEIT
Die AfD fühlt sich dem Humboldtschen Bildungsideal verpflichtet. Die Freiheit von Forschung und Lehre sind unabdingbare Grundvoraussetzungen für wissenschaftlichen Fortschritt. Deshalb müssen die Hochschulen über Art und Umfang ihres Studienangebotes frei entscheiden können.

Aaaaaaber bitte keine Gender Studies (kommt noch). So frei sollen Universitäten dann doch nicht sein, das soll die Politik bestimmen.

Der Wissenschaftsbetrieb muss vor ausufernden bürokratischen Regelungen geschützt werden und die Wissenschaft muss frei von ideologischen Zwängen sein. Das Ethos der Wissenschaft, zu dem die Kritikfähigkeit, Unvoreingenommenheit und der Respekt vor anderen Wissenschaftlern und ihren Leistungen gehört, ist zu stärken.

Dass Wissenschaft so nicht funktioniert, so wohl noch nie funktioniert hat und so nie funktionieren wird, ist wahrscheinlich egal. Wissenschaft und Wissenschaftler sind nun mal Teil der Gesellschaft und werden von ihr beeinflusst. Genauso wie Wissenschaft die Gesellschaft beeinflusst.

Deutsch soll als Lehrsprache erhalten werden.

Das ist wahrscheinlich keine Ideologie und so frei sollen Universitäten dann doch nicht sein.

Die Einheit von Forschung und Lehre ist das Alleinstellungsmerkmal der Universitäten und Hochschulen mit Universitätsstatus. Deshalb sollten ausschließlich diese das Promotions‐ und Habilitationsrecht besitzen.

Das kann man wollen, sollte man aber besser begründen. Das  ist schließlich kein Naturgesetz. Aber es entspricht dem Wunsch der AfD, in eine Zeit zurück zu reisen, die so nie existiert hat.

8.1.1 AUTONOMIE DURCH GRUNDFINANZIERUNG STÄRKEN
Deutschland verfügt über eine differenzierte Hochschullandschaft von Universitäten und Fachhochschulen, über die Kunst‐ und Musikhochschulen bis zu den Theologischen und Pädagogischen Hochschulen. Sie erfüllen auf hohem Niveau unterschiedliche Aufgaben und Ziele. Um den Anschluss an die internationale Spitzenforschung und Lehre wieder zu erreichen, sind Universitäten entsprechend auszustatten.

Davon ist nichts falsch oder abzulehnen. Das würde jeder unterschreiben und jede Landesregierung würde behaupten, genau das zu tun.

Die Studienabschlüsse müssen wieder klare Inhalte und Fertigkeiten vermitteln und ein eindeutiges Profil haben.

Kann man so fordern.

Pädagogische Hochschulen für Grund‐, Haupt‐ und Realschullehramt sind flächendeckend wieder einzuführen.

Huch? Wieso das denn?

Berufsbezogene Studienfächer und das duale System sind zu stärken. Auch kleine Fächer müssen erhalten werden, um die Vielfalt der Lehre und Forschung zu bewahren. Die Freiheit von Forschung und Lehre ist nur durch eine verlässliche staatliche Grundfinanzierung gewährleistet.

Ja, ok. Auch nicht falsch. Überall mehr Geld zu fordern, stört niemanden.

Die AfD fordert deshalb, durch sie die politisch‐ideologische Vergabe von staatlichen Drittmitteln zu ersetzen.

Mit der Ideologie hat es die AfD, aber … was soll das? Normalerweise wird Lehre nicht aus Drittmitteln bezahlt, sondern Forschung. Und was ist dagegen zu sagen, wenn man Forschungsgelder erst beantragen muss und die Notwendigkeit darlegen muss? Das würde ja noch nicht mal dazu beitragen, den Gender Studies den Geldhahn zuzudrehen… Diese Forderung klingt nach Unfug. Aber es wird das politisch-ideologische Feindbild bedient.

8.1.2 “GENDER‐FORSCHUNG” ABSCHAFFEN
Die Gender‐Forschung erfüllt nicht den Anspruch, der an seriöse Forschung gestellt werden muss. Ihre Methoden genügen nicht den Kriterien der Wissenschaft, da ihre Zielsetzung primär politisch motiviert ist. Bund und Länder dürfen daher keine Sondermittel für die Gender‐Forschung mehr bereitstellen. Bestehende Genderprofessuren sollten nicht mehr nachbesetzt, laufende Gender‐Forschungsprojekte nicht weiter verlängert werden.

Da hat die AfD ja mal wieder einen Feind gefunden, das ist aber bestimmt nicht ideologisch motiviert und in die Freiheit von Forschung und Lehre greift das auch nicht ein. Ach doch? Macht ja nix, ist der Feind. Da ist Konsistenz überbewertet.
Und die Zielsetzung einer Wissenschaft ist politisch motiviert, weil sie sich irgendwie auf die Gesellschaft bezieht? Das dürfte viele Geisteswissenschaften betreffen. Hier dürfte ein deutlich naturwissenschaftsfixiertes Wissenschaftsbild hinter stehen, das auf beweisbare Wahrheiten zielt – die es in Geisteswissenschaften selten gibt. Eine dürfte aber belegt sein, eine der Grundthesen der „Gender-Forschung“: dass es mehr als zwei Gender gibt. Das darf man aber nicht erforschen.

8.1.3 DIPLOM, MAGISTER UND STAATSEXAMEN WIEDER EINFÜHREN
Das verschulte Studiensystem mit Bachelor‐ und Masterabschlüssen (Bologna‐Prozess) entlässt Hochschulabgänger, deren ungenügende Qualifikation die Arbeitgeber nicht zufriedenstellt.Deshalb fordert die AfD die Rückkehr zu den bewährten Studienabschlüssen Diplom, Magister und Staatsexamen und den entsprechenden Regularien. Auch bei diesen Studiengängen kann sichergestellt werden, dass Studienplatzwechsel möglich sind.

Ob das die Arbeitgeber zufriedenstellt sollte jedenfalls nicht das einzige Kriterium für eine Reform sein. Diplom und Magister haben das auch nicht getan, die Reform war eine Forderung der Arbeitgeber. Einfach nur Reformen rückgängig zu machen und das als Fortschritt verkaufen zu wollen ist ein wenig zu billig.

Planwirtschaftliche Zielvorgaben zu Studentenzahlen, Studienerfolg und Frauenanteil lehnen wir ab.

Zielvorgaben sind als Planwirtschaft, das ist interessant. Dann ist modernes Management also Planwirtschaft. Naja. Und das will eine Partei mit wirtschaftlichem Wissen sein. Da sind doch Zweifel angebracht. Der Teil, der wahrscheinlich am meisten stört, sind Zielvereinbarungen zum Frauenanteil in Studienfächern.

Auch für Studienabschlüsse darf es keine Quoten geben.

Es gibt auch keine. Man kann natürlich auch den Cannabisanbau auf dem Mars verbieten. Aber dann argumentiert man eben gegen Strohmänner und  suggeriert, es würde sie geben. Das macht die AfD ja gerne.

8.1.4 STUDIENANFORDERUNGEN ERHÖHEN
Die AfD begrüßt die zentrale Rolle der MINT‐Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) für die Wettbewerbs‐ und Innovationsfähigkeit unseres Landes.

Was soll denn das? Die AfD findet die Realität, die sie sowieso nicht ändern könnte, toll und schreibt das in ihr Programm? Ich mag auch Sonnenschein und den positiven Einfluss auf die gute Laune und die Landwirtschaft.

Es soll Aufnahmeprüfungen insbesondere für technische, naturwissenschaftliche und medizinische Studienfächer geben.

Also: in diesen Fächern (außer in Medizin, da gibt es bereits den Medizinertest) gibt es sowieso schon mehr Studienplätze als Bewerber. Wozu sollen dann Aufnahmeprüfungen gut sein? Und verfassungsrechtlich ist das nebenbei auch nicht haltbar.  Es bestätigt aber mal wieder die reaktionären Tendenzen im Programm.

Ständig sinkende schulische Anforderungen haben dazu geführt, dass mit bestandenem Abitur die Hochschulreife nicht mehr gesichert ist.

Das merken die Studis dann ja recht schnell an der Uni. Und das war auch schon immer so.

Die Anforderungen an Studenten dürfen sich keinesfalls dem gesunkenen Niveau anpassen, sondern müssen sich an den international höchsten Standards ausrichten.

Es gibt keine internationalen Standards. Dann kann man sich an denen auch nicht ausrichten.

Die AfD fordert deshalb leistungs‐ und eignungsbezogene Auswahlverfahren für verschiedene Hochschultypen. Es gilt „Qualität vor Quantität“.

Kann man fordern, das führt letztendlich zu einer sozialen Auswahl. Die gibt es schon im Schulsystem und dieses sowieso schon sozial selektive Schulsystem erhält noch eine soziale Auswahl für die Universitäten. Auch hier steckt eine reaktionäre Forderung drin, die AfD will zurück in eine gute alte Zeit, in der nur gesellschaftliche Eliten auf die Universitäten gelangten.

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