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Jetzt geht es um Schule wieder soll es eine Rolle rückwärts geben. Dazu gibt es Feindbilder wie Muslime und Gender, Ausgrenzung von Behinderten und die Forderung nach Autoritarismus.

8.2 UNSER SCHULSYSTEM: STARK DURCH DIFFERENZIERUNG
Eine Politik, die eine nach unten nivellierende Einheitsschule anstrebt und dabei einen Qualitätsverlust in Kauf nimmt, bedroht die Zukunftsfähigkeit junger Menschen und die Konkurrenzfähigkeit unserer Wirtschaft. Die AfD bekennt sich zu christlicher Tradition, Humanismus und Aufklärung als tragende Säulen deutscher und europäischer Kultur und zum christlich-humanistischen Wertekanon. Wir befürworten uneingeschränkt das Leistungsprinzip.

Äh ja. Also. Ja und? Der erste Satz ist schon mal falsch, der Rest zeigt mal wieder, dass Menschen für die AfD in erster Linie potentielle Arbeitnehmer für die Wirtschaft sein sollen.

8.2.1 DIE EINHEITSSCHULE FÜHRT ZU QUALITÄTSVERLUST
Ständig sinkende Anforderungen haben dazu geführt, dass Schüler nicht mehr die Grundkenntnisse besitzen, die in der Berufsausbildung oder im Studium benötigt werden.

Das wäre zu diskutieren, die PISA-Studien zeigen eigentlich, dass es in den letzten Jahren besser geworden ist. Das klingt sehr nach anekdotischen Beweisen. Die Behauptung in der Überschrift ist in erster Linie eine Behauptung – in nahezu allen Staaten der Welt ist die Einheitsschule die Regel. Deutschland stand mit seiner nicht-Einheitsschule bei den ersten PISA-Studien alles andere als gut da.

Ebenfalls fehlt es an der erforderlichen Allgemeinbildung, die zur verantwortungsvollen Wahrnehmung der staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten notwendig ist.

Das scheint kein ganz neues Phänomen zu sein und mit Einheitsschule hat das wohl auch nichts zu tun. Sonst gäbe es die AfD mit ihrem recht hohen Durchschnitttsalter und dem wirklich armseligen politischen Niveau nicht.

Es ist falsch, Eltern und Jugendlichen einzureden, nur derjenige Bildungsweg sei erfolgreich, der zu einer Hochschule führe. Ein gegliedertes Schulsystem muss die Begabungen und Stärken von Schülern erkennen und fördern.

Die erste Aussage ist nicht falsch, hat aber nichts mit einem gegliederten Schulsysten oder Einheitsschulen zu tun. Das tolle gegliederte Schulsystem hat dazu geführt, dass es sehr bequem war, Schüler in Hauptschulen abzuschieben, in denen dann ungefähr 25% der Absolventen funktionale Analphabeten waren. Eine derartige Quote hatte 2002 kein anderes Industrieland. Erfolgreiche Staaten hatten hingegen schon seit langem auf Einheitsschulen gesetzt. Tatsächlich dürfte die Frage nach Bildungserfolgen aber nicht entscheidend von der Frage Einheitsschule oder gegliedertes Schulsystem abhängen. Wichtiger ist der Umgang mit Schülern und die Ausgestaltung des Systems. Da war die gegliederte Schule nicht eben gut – weder in Gymnasien noch in den anderen Schulformen.

8.2.2 WISSENSVERMITTLUNG MUSS ZENTRALES ANLIEGEN BLEIBEN
Die Bildungsstandards in allen Schulformen müssen sich an den höchsten in Deutschland ausrichten, um unseren Schulabgängern die besten Chancen in Ausbildung und Studium zu sichern.

Die höchsten was? Standards? Gibt es nicht. Auch hier wieder: Der Mensch als ökonomische Masse. Das ist ein sehr veraltetes Bildungsideal, das nicht einmal etwas mit Bildung zu tun hat. Humanistisch ist es jedenfalls nicht, wie die AfD es postuliert.

Die Wissensvermittlung (Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Lernstrategien) muss zentrales Anliegen der Schule bleiben. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass an den Oberschulen wieder Bildungsinhalte im Mittelpunkt eines vom Fachlehrer geleiteten Unterrichts stehen und Kompetenzen ihnen untergeordnet bleiben.

NEIN. Einfach nein. Wissen veraltet, das meiste Wissen wird nie wieder genutzt. Und was die AfD mit „Fähigkeiten, Fertigkeiten, Lernstrategien“ beschreibt sind genau die Kompetenzen, die der Wissensvermittlung untergeordnet sein sollen. Bildung ist auch nicht auf „Wissen“ beschränkt. Das ist so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil richtig ist.

Leistungsanforderungen und Notengebung müssen bundesweit vergleichbar sein.

Warum? Um es mit Helmut Kohl zu sagen: Wichtig ist, was hinten raus kommt. Wie es zustande kommt, ist sekundär. Zentralisierung macht keine bessere Schule.

Zugangsvoraussetzung für das Gymnasium dürfen allein landesweit verbindliche Leistungskriterien sein.

Eigentlich bräuchte ein gegliedertes Schulsystem eine bessere Durchlässigkeit und nicht mehr Zugangsprüfungen und Abschottung. Am besten aber kein gegliedertes Schulsystem.

Das Abitur muss wieder eine Hochschulreifeprüfung werden.

Die AfD will also das Abitur „wieder zu einer Hochschulreifeprüfung“ machen (ist es immer noch, aber was zählen Fakten?) und dann auch noch eine Zugangsprüfung für die Universitäten einführen. Das klingt etwas redundant oder aber sehr sehr undurchdacht.

8.2.3 LEISTUNGSBEREITSCHAFT UND DISZIPLIN STÄRKEN
Leistungsbereitschaft und Disziplin sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Wissensvermittlung. Die Erziehung der Schüler dazu ist in erster Linie Aufgabe der Eltern. Das entsprechende Verhalten der Schüler kann nur durchgesetzt werden, wenn den Lehrern die dazu geeigneten Maßnahmen zur Verfügung stehen und deren Durchsetzung nicht ständig hinterfragt wird. Schulverweigerung, Null‐Bock‐Mentalität, Disziplinlosigkeit, Mobbing und Gewalt in der Schule sind nicht zu tolerieren und unter Einbeziehung der Erziehungsberechtigten angemessen zu ahnden. Die Wahlfreiheit zwischen Halbtags‐ und Ganztagsklassen muss erhalten bleiben.

Sekundärtugenden, Lieblingsbildungstopos aller Reaktionäre. Wenn das aber Aufgabe der Eltern ist – was hat das dann hier verloren? Was hat das überhaupt in einem Parteiprogramm zu suchen?
Im übrigen: harte Disziplin, Bestrafung, und blinder Gehorsam. Das sind also die Bildungsinhalte, die an der Schule vorgelebt werden sollen, damit Schüler wieder in der Lage sollen, in einem demokratischen, humanistischen Gemeinwesen ihre Rolle finden. Das wird dann eine sehr autoritäre, wenig plurale und auf Konformität ausgelegte Gesellschaft. Mit Humanismus hat das nichts mehr zu tun. Das ist eher Wilhelm II.

8.2.4 POLITISCH‐IDEOLOGISCHE INDOKTRINATION DARF ES AN DER SCHULE NICHT GEBEN
Das Klassenzimmer darf kein Ort der politischen Indoktrination sein. An deutschen Schulen wird oft nicht die Bildung einer eigenen Meinung gefördert, sondern die unkritische Übernahme ideologischer Vorgaben. Ziel der schulischen Bildung muss jedoch der eigenverantwortlich denkende Bürger sein.

Der eigenverantwortlich denkende Bürger, der aber auf gar keinen Fall die Maßnahmen der Autorität hinterfragt. Und was es mit der Ideologie zu tun hat, werden wir gleich merken.

Die einseitige Hervorhebung der Homo‐ und Transsexualität im Unterricht lehnen wir ebenso entschieden ab wie die ideologische Beeinflussung durch das „Gender Mainstreaming“. Das traditionelle Familienbild darf dadurch nicht zerstört werden. Unsere Kinder dürfen in der Schule nicht zum Spielball der sexuellen Neigungen einer lauten Minderheit werden.

Es wäre etwas Neues, wenn Homo- und Transsexualität besonders hervorgehoben wird. Die AfD hat wahrscheinlich eher ein Problem damit, dass das überhaupt erwähnt wird, damit Schüler ja nicht auf die Idee kommen, selbst zu denken und dann auf solche Ideen wie Gender Studies und ähnliches kommen. Feminismus ist wohl auch abzulehnen und natürlich Gender Mainstreaming (das hat mit Schulunterricht nichts zu tun, aber das merkt man natürlich nicht, wenn man gar nicht weiß, was das ist.).
Und auf gar keinen Fall sollen Schüler auf die Idee kommen, irgendwie anders miteinander leben zu wollen, als in der traditionellen Familie.
Was hier steht, ist wohl die Folge des ziemlich sinnlosen und inhaltlich falschen Protests gegen angebliche „Frühsexualisierung“ in Baden-Württemberg sein. Hier werden wieder reaktionäre Klischees bestätigt und das Ziel ist eine möglichst konforme Gesellschaft – auf das Individuum kommt es der AfD nicht an.

8.2.5 DUALE BERUFLICHE BILDUNG STÄRKEN UND ERHALTEN
Die duale Ausbildung in Unternehmen und staatlichen Berufsschulen ist ein Erfolgsmodell. Jedoch gefährden das Streben nach immer höheren Abiturienten‐ und Akademikerquoten sowie unzureichende Kenntnisse von Haupt‐ und Realschulabsolventen den Nachwuchs in den Ausbildungsberufen. Zahlreichen Lehrstellen können aus Mangel an ausreichend qualifizierten Bewerbern nicht besetzt werden. Berufliche Fach‐ und Meisterschulen müssen als tragende Säulen der beruflichen Bildung und des lebenslangen Lernens erhalten und gestärkt werden.

Gestiegene Anforderungen in vielen Berufen führen eben zu höheren Bildungsabschlüssen. Das kann man beklagen, ändert aber nichts an der Realität. Bisher kümmerte sich das AfD-Programm übrigens ausschließlich um Gymnasien und Hochschulen und spiegelt damit hervorragend die fehlgeleitete gymnasienzentrierte Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte wider. Das sollte gerade durch Gemeinschaftsschulen aufgebrochen werden. Das lehnt die AfD aber auch ab.

8.2.6 KEINE INKLUSION “UM JEDEN PREIS”. FÖRDER‐ UND SONDERSCHULEN ERHALTEN
Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen stellt unsere bewährten Förder‐ und Sonderschulen keineswegs in Frage. Die Forderung, behinderten Kindern Teilhabe am Bildungssystem zu garantieren, ist bereits umfassend und erfolgreich erfüllt. Die ideologisch motivierte Inklusion „um jeden Preis“ verursacht erhebliche Kosten und behindert Schüler in ihrem Lernerfolg.

Hier wird es jetzt widerlich. Also so richtig. Der Gedanke ist: Trennen wir mal die Behinderten von den „Gesunden“, damit sie die Gesunden bei ihrer Ausbildung zum optimierten Wirtschaftsobjekt nicht stören. Was mit den anderen passiert, ist egal. Aus dem Blick, aus dem Sinn. Dass die Förder- und Sonderschulen sich gerade nicht bewährt haben, ist gerade der Grund für Inklusion.

Die AfD setzt sich deshalb für den Erhalt der Förder‐ und Sonderschulen ein. Die Eltern sollen auch weiterhin das Recht haben, ihre Kinder in diese Einrichtungen zu schicken.

Geht es noch widerlicher? Aber natürlich. Man macht aus der Pflicht zur Exklusion (das steckt hinter den Förder- und Sonderschulen) ein Recht der Eltern, etwas zu tun, was ihren Kindern schadet. Auch hier wieder: Schaffung von Konformität und Homogenität zum angeblichen Nutzen der „Guten“ und Ausgrenzung der „Schlechten“.

8.2.7 KORANSCHULEN SCHLIEßEN. ISLAMKUNDE IN DEN ETHIKUNTERRICHT INTEGRIEREN
Eine orthodoxe Auslegung des Islam ist mit unserer freiheitlich‐demokratischen Grundordnung nicht vereinbar. Anstelle eines bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts fordern wir eine Islamkunde in deutscher Sprache für alle moslemischen Schüler, die in einen Ethikunterricht integriert wird.

Was nicht gesagt wird: eine generelle Einführung eines Ethik/Religionskunde/whatever-Unterrichts für alle Schüler*innen. Den soll es ausschließlich für Muslime geben. Der Gedanke dahinter ist klar: Mit Ethik hat der Islam und Muslime generell keine Berührung, das muss man denen erst mal beibringen, Christ*innen dagegen nicht. Die können das durch Religionsunterricht. Rassismus Galore.

Die Lehrer sollten von verfassungstreuen Islamwissenschaftlern an deutschen Universitäten ausgebildet werden, die nicht von islamischen Verbänden beeinflusst sein dürfen.

Also Islamwissenschaftler, die keinerlei Kontakt zu den Gläubigen haben. Das wäre in etwa so wie katholische oder protestantische Theologen, die nicht Angehörige einer Gemeinde sein dürfen. Dass es katholische Universitäten gibt, an denen die Theologen Ordensangehörige gibt, ist dabei nebensächlich. So viel also zur Religionsfreiheit und religiösen Neutralität des Staates. Kleine Nebenbemerkung: diese Ausbildung gibt es noch gar nicht, wir reden also über einen Zeitraum von ca. 15 Jahren. Klingt wirklich plausibel.

Solange der Islam keine echte Reformation durchlaufen hat, fordern wir die Schließung von Koranschulen wegen der unkontrollierbaren Gefahr der radikalen verfassungsfeindlichen Indoktrination.

Der Islam ist gefährlich. Das ist die Botschaft. Was Koranschulen hier zu suchen haben, ist rätselhaft, handelt es sich doch nicht um Schulen. Aber es klingt schön radikal.

8.2.8 KEINE SONDERRECHTE FÜR MUSLIMISCHE SCHÜLER
Wir lehnen Sonderrechte für moslemische Schüler ab und fordern die Teilnahme am Sportunterricht und an Klassenfahrten ohne Ausnahme. Moslemische Schüler und ihre Eltern haben auch weibliche Lehrkräfte als Vertreter unserer Werte und unserer staatlichen Ordnung uneingeschränkt zu akzeptieren.

Mal wieder ein Strohmann, hier werden Einzelfälle zu einem generellen Problem aufgebauscht. So wird man jedenfalls sicher in einem Dialog die Integration fördern. Nicht. Hier spricht die AfD zu ihren Anhängern und betreibt reinen Populismus ohne das von ihr behauptete Problem überhaupt lösen zu wollen. Der Gedanke dahinter ist ein Gegeneinander und Ausgrenzung.

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