Wir leben in einer Zeit voller Umbrüche.
Das Internet reicht in immer mehr Lebensbereiche und verändert diese vollkommen. Kein Unternehmen, egal welcher Größe, kommt mehr ohne das Internet aus: sei es, dass Daten „in der Cloud“ gespeichert und verarbeitet werden, sei es dass sämtliche Kommunikation inzwischen IP-basiert über Internetleitungen läuft oder sei es eine vollkommene Vernetzung und Steuerung von Produktionsanlagen. Egal wo man sucht, überall findet man Internetanbindungen.
Auch im Privatleben der meisten Menschen spielt das Internet eine immer wichtigere Rolle. Immer weniger Menschen kaufen CDs oder DVDs, immer mehr nutzen statt dessen Dienste wie Spotify, Lovefilm, Maxdome etc. Das Internet ist aus dem Alltag nicht mehr weg zu denken – seine Abschaltung würde die Gesellschaft ins Chaos stürzen.

Gleichzeitig ermöglichen im Vordringen befindliche Technologien wie 3D-Drucker es viel mehr Menschen, Dinge des alltäglichen Bedarfs selbst zu vernachlässigbaren Kosten herzustellen. Der Vertrieb der Produkte geschieht ebenfalls über Plattformen im Internet, es wird immer weniger wichtig, wer die Herrschaft über die zur Herstellung notwendigen Maschinen hat. Entscheidend wird es vielmehr, wer das Wissen und die Fähigkeiten hat, beispielsweise Druckpläne für die Drucker herzustellen. Oder wer die Rechner kontrolliert, welche die Drucker kontrollieren. Die Folgen dieser Entwicklung auf die gesamte Gesellschaft sind kaum absehbar. Die anderen Parteien haben bislang noch nicht einmal erkannt, was da gerade passiert.

Immer mehr Menschen wünschen sich immer mehr Mitbestimmung bei politischen Entscheidungen – ohne allerdings die eigentlich dafür bisher vorgesehenen Wege durch die Parteien gehen zu wollen. Das führt dazu, dass Parteien seit Jahren an Mitgliederschwund und Überalterung leiden, während gleichzeitig Bürgerinitiativen sprießen, die das Vakuum füllen – und sich nahezu ausschließlich gegen nahezu jede beliebige Veränderung richten. Die Folge ist eine drohende Entscheidungsunfähigkeit der Gesellschaft und vollkommener Stillstand.
Die Piratenpartei ist angetreten, das eine mit dem anderen zu verbinden: Eine bessere Bürgerbeteiligung über das Internet zu ermöglichen. Das war eines der größeren Versprechen. Dieses Versprechen gilt wohl nicht mehr – aus Angst.

Politik ist die Gestaltung gesellschaftlicher Veränderungen. Die gesellschaftlichen Veränderungen laufen und beschleunigen sich. Die Piratenpartei zieht sich aus unspezifizierter Angst vor allem möglichen aus der Gestaltung zurück.

Braucht Deutschland noch eine weitere Partei, die vornehmlich Angst hat?

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