Das ist das erste Kapitel, das fast ohne klares Feindbild auskommt – wenn man von dem falsch verstandene Begriff „Gender Mainstreaming“ und dem „falschen Feminismus“ absieht. Das ist allerdings deutlich weniger ausgeprägt als in anderen Kapiteln. Dafür kommt eindeutiger Rassismus ins Spiel, wenn behauptet wird, Einwanderer seien weniger gebildet und das läge an den Einwanderern. Und es kommt die Forderung nach einem „Heim ins Reich“-Programm. Hatten wir ja auch schon länger nicht mehr.

Aus dem Kapitel spricht insgesamt eine tiefe Unzufriedenheit mit den Zuständen in der heutigen Gesellschaft, die Analyse der Ursachen ist zumindest teilweise nicht falsch, so lange es um die Arbeitswelt geht. Wenn es um die Rolle von Frauen, das Bild von Beziehungen und das Familienbild geht, entsteht der Eindruck, dass die Vorstellung einer Welt wie in den 50er Jahren (wie sie im ersten Kapitel gefordert wird) herrscht und dass man gerne wieder zu derartigen Vorstellungen zurückkehren würde.

Allein, die Vorstellungen, wie das gehen sollte, sind gelinde gesagt reichlich unklar. Viel mehr als die finanzielle Förderung der „Richtigen“ fällt nicht als Lösung ein. Was genau die „Richtigen“ sein sollen, ist aber auch nicht so klar. So sollen einerseits traditionelle Familien gefördert werden, andererseits aber Alleinerziehende vor Armut geschützt und nicht benachteiligt werden sollen.
In die gleiche Kategorie der Logik schlägt die Forderung, dass Rentner länger arbeiten müssen, aber auch zur Kinderbetreuung in den Familien herangezogen werden sollen – über beides kann man diskutieren, aber nicht gleichzeitig.

Der nächste grundsätzliche Widerspruch findet sich in der Kritik eines zu eingreifenden Staates im ersten Kapitel, der auf seine Kernaufgaben reduziert werden soll und notwendigen starken Eingriffen, um die Gesellschaft zu ändern und die Arbeitswelt familienfreundlicher zu gestalten. Diese Eingriffe müssten so tief gehen, dass sich die Frage nach der Verfassungsmäßigkeit aufdrängt.

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