Das achte Kapitel behandelt zwei logischerweise zusammenhängenden Themen – Schule und Universitäten und ein in dem Teil überraschendes: Gender Mainstreaming. Also das, was die AfD dafür hält. Das gesamte Kapitel enthält inhaltlich keine Überraschungen, ist in seinem Grundtenor allerdings politisch reaktionär und menschlich zum Teil widerlich.

Die Forderungen zur Wissenschaft sind in sich widersprüchlich. Auf der einen Seite will die AfD unbedingt die Wissenschaftsfreiheit erhalten, aber gleichzeitig Universitäten vorschreiben, keine Gender Studies und ähnliche Dinge zu behandeln – weil die AfD das nicht für Wissenschaft hält. Dann wollen sie zurück zu den alten Studienabschlüssen und Hochschuleingangsprüfungen einführen. Daneben stehen noch ein paar hanebüchene Dinge zu Quoten, Drittmitteln und mal wieder zu Ideologien. Insgesamt scheint das Kapitel sehr von reaktionärer, aber wenig neoliberaler Ideologie und weniger von Sachkunde geprägt zu sein.

Im Abschnitt zum Schulsystem soll jede Entwicklung zu einer Einheitsschule, auch zu Gemeinschaftsschulen, blockiert werden. Inklusion wird abgelehnt, weil angeblich andere Schüler in ihren Fortschritten behindert werden, deshalb sollen Sonderschulen erhalten bleiben. Und dann kommt der große Gegner Frühsexualisierung und angebliche staatliche Umerziehungsmaßnahmen. Die AfD zeigt sich hier sehr unbeeindruckt von allen Erfahrungen und internationalen Vergleichen – ungeachtet sonstiger Forderungen zur Achtung internationaler Standards auch dort, wo es keine gibt.

Im folgenden, im Kapitel „Bildung“ doch eher überraschenden Teil zu „Gender Mainstreaming“ erschließt sich, dass die AfD nicht die mindeste Ahnung hat, was das eigentlich ist. Gender Studies, Gender Mainstreaming, „Gender Ideologie“ und irgendwie Feminismus scheint alles die gleiche Sauce zu sein. Die schmeckt der AfD nicht – die Logik dahinter ist nicht zu durchschauen und fehlt vollkommen. Hier herrscht ein klares Feindbild, das irgendwie bekämpft gehört. Geschlechter sind unterschiedlich, gehören aber gleich behandelt und am besten soll alles so bleiben, wie es 1950 war. So wirkt das jedenfalls.

Das Kapitel 8 ist insgesamt in jeglicher Hinsicht ein Tiefpunkt des Programms. Ich fürchte nur, es wird noch durch das nachfolgende Kapitel 9 übertroffen. Das lasse ich allerdings wegen mangelnder Sachkenntnis aus, ich hoffe aber, dass sich noch jemand findet, das zu bearbeiten…

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