Wir sind eine Partei. Das steht zumindest in der Satzung. Parteien sind demokratisch organisiert, steht im Grundgesetz, und wir haben uns für eine sehr offene Struktur entschieden, die dem einzelnen Mitglied maximale Mitwirkungsrechte gibt.

Anders als in anderen Parteien hat jedes Mitglied volle Mitwirkungsrechte auf allen Gliederungsebenen. Das heißt, nicht nur Antrags- und Rederecht, sondern auch Stimmrechte auf allen Gliederungsebenen

Das bedeutet für jeden eine gewisse Macht, nicht nur für Vorstände. Macht hat aber auch eine Kehrseite und die heißt Verantwortung, nicht nur für sich selbst, sondern für alle. Nach dem letzten BPT bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das auch wirklich allen Mitgliedern klar ist. Natürlich ist es legal, Fragen zu stellen. Natürlich ist es legitim, GO-Anträge zu stellen.

Jeder darf jedem Kandidaten für das BSG die völlig irrelevante Frage nach der Haltung zu S21 stellen. Man darf auch immer wieder den gleichen, jedes Mal abgelehnten Antrag auf ein bestimmtes Abstimmverfahren stellen. Jeder darf auch eine alternative GO und TO schreiben und dem Parteitag vorstellen, erkennbar aussichtslos für jedes verfügbare Amt kandidieren oder sich selbst als Versammlungsleiter vorschlagen, weil die anderen ja eine böse Verschwörung sind. Das ist alles total legal. Aber nimmt man damit seine Verantwortung nicht nur für sich, sondern für den ganzen Parteitag und die Partei wahr?

Und dann wundern wir uns, dass wir es nicht schaffen, interessante Reden zu halten, den Vorstand angemessen zu verabschieden und das Wahlprogramm zu diskutieren. Zeit skaliert eben nicht. No shit, Sherlock.

Das Traurige an der ganzen Entwicklung ist, dass die Offenheit und ihr exzessiver Gebrauch beständig dazu führen, dass Regelungen eingezogen werden müssen, um den Gebrauch einzuschränken, damit der BPT überhaupt arbeitsfähig bleibt. Die offene Befragung von Kandidaten wird nicht mehr durchgeführt, weil einige das Instrument missbraucht haben, um eine unwürdige Schlammschlacht anzuzetteln. Demnächst werden vielleicht auch bei der Urnenbefragung sinnlose Fragen von der Versammlungsleitung ausgefiltert. Wahlverfahren werden demnächst wohl vom Wahlleiter festgelegt, weil einzelne jedes verfickte einzelne Mal unbedingt den gleichen, jedes mal abgelehnten GO-Antrag stellen mussten. Und vielleicht erhält die Versammlungsleitung demnächst das Recht, GO-Anträge einfach abzulehnen. Wollen wir wirklich dahin kommen?

Freiheit ist nicht nur ein Recht, sondern auch eine Verpflichtung.

Was denkst du?