Oder: wie bringe ich meinen Antrag auf dem BPT sicher durch?

Eine leicht satirische Betrachtung zu erfolgreichen Anträgen auf Bundesparteitagen, die näher an der Realität liegt, als gut für die Partei ist. Für einen erfolgreichen Antrag braucht es:

  • ein wichtiges Thema
  • einen schon bestehenden, aber umstrittenen Antrag
  • ein paar bekannte Mitstreiter
  • eine gute Vorstellung
  • eine lange Textwüste als Antrag

Was fehlt? Genau, ein guter Antrag und Sachkenntnis. Das ist nämlich nicht so wichtig.

Das Wichtigste überhaupt ist aber ein schon bestehendes strittiges Thema, in dem sich einige Leute schon positioniert haben und auch einen Antrag geschrieben haben. Das sorgt nämlich für zweierlei Dinge: zum einen muss man sich als Steller eines konkurrierenden Antrags keine Mühe machen, Werbung zu machen, um mit dem Antrag auf die Tagesordnung zu kommen. Das erledigt der andere Antrag schon. Zum anderen sorgt es für genug Publicity und erledigt den anderen Antrag gleich von Anfang an. Denn eines ist mit Sicherheit tödlich: ein kurzer, verständlicher Antrag zu einem strittigen Thema. Da kostet es wenig Mühe, Kritikpunkte zu finden. Denn der Bundesparteitag möchte zwei Dinge erfahrungsgemäß auf keinen Fall:

  • sich klar zu einem Thema positionieren, weil das ja die Spaltung der Partei bedeuten könnte
  • sich mit einem Thema tiefgehend auseinandersetzen, weil das ja Arbeit bedeutet und Zeit kostet.

Die bekannten Mitstreiter, die selbst nicht an dem Antrag mitgeschrieben haben müssen und den Text auch gar nicht in der Tiefe verstehen müssen, sorgen für die notwendige Glaubwürdigkeit nach dem Motto “na wenn das von dem kommt, muss es ja gut sein”.

Die gute Vorstellung, die auf jeden Fall ein paar Schlagworte enthalten muss, sorgt schließlich dafür, dass der Parteitag weiss, dass das ein gut vorbereiteter Antrag ist, in den viele engagierte Piraten viel Zeit investiert haben und dass man diesen Antrag ruhigen Gewissens annehmen kann.

Die lange Textwüste sorgt schließlich dafür, dass die Mehrheit des Bundesparteitags den Antrag bestenfalls überfliegen wird und nicht feststellt, dass da Unfug drin steht. So viele Anträge kann ja kein Mensch lesen und das Thema ist ja auch zu kompliziert. Und weil die vorigen Bedingungen alle erfüllt sind, kann man als Mitglied dann auch ruhigen Gewissens die “JA” Karte heben. Denn mit dem Kompromissantrag wird die Spaltung vermieden, andere finden das auch gut und Kritik gibt es ja für alle Anträge. So etwas wie “Jeden Tag ein Antrag”, Mumble-Diskussionen oder anderen Vorstellungs- und Diskussionsrunden müsst ihr übrigens nicht fürchten, das scheinen vorwiegend Piraten zu nutzen, die den BPT nicht besuchen. Wenn es überhaupt jemand nutzt und sich auch darauf vorbereitet, die Zugriffszahlen bei “Jeden Tag ein Antrag” waren jedenfalls zu vernachlässigen und die Ergebnisse hatten keinerlei erkennbaren Zusammenhang mit den Empfehlungen.

Das haben beim letzten Bundesparteitag übrigens ca. 80% der Versammlung auch so gesehen: es ist vollkommen in Ordnung, Anträgen zuzustimmen, die man nicht oder nicht ganz gelesen hat.

In dem Sinne: viel Spaß beim Antrag schreiben und abstimmen!

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