Schon während des Parteitags in Halle wurde nach der Wahl des Vorsitzenden und Schatzmeisters ein Text veröffentlicht mit dem Titel “1000 Hände”. Darin geht es um das Angebot, wieder zusammenzuarbeiten, zum Wohle der Partei. Das an sich ist ja eine schöne Geste.

Nur habe ich jetzt ein Problem. Die Geste an sich ist toll, aber viele, die sie jetzt promoten und mich auffordern, die Hand anzunehmen, haben sich in den letzten Monaten offen und für jeden sichtbar so richtig daneben benommen. Ein Wille zur Verständigung war da z.T. bis zum Tag vor dem Parteitag nicht zu erkennen, eher das Gegenteil. Und nun soll ich das, was ich mitbekommen habe und was mich getroffen hat, vergessen und einfach so weitermachen, als ob nichts gewesen wäre.

Und ich stelle mir jetzt die Frage, was passiert wäre, wäre die Wahl in Halle anders ausgegangen. Hätten dann dieselben Personen auch die Hand ausgestreckt, zum Wohle der Partei? Wenn ja, warum haben sie es dann nicht in den vergangenen Monaten gemacht sondern einen regelrechten Krieg angezettelt? Welches der Gesichter ist ihr wahres – das, was sie jetzt zeigen oder das der letzten Monate? Oder sind es beide, wie Jekyll und Hyde? Wann wird welches Gesicht sich wieder zeigen? Fragen, auf die ich jetzt noch keine Antwort finden kann.

Jede Kommunikation hat neben der Sachebene auch eine Emotionsebene – die kann ich nicht ausblenden. Beide bestimmen gleichberechtigt darüber, wie ich eine Botschaft aufnehme. Die Emotionsebene ist nach den letzten Monaten zutiefst vergiftet. Das lässt sich nicht durch Ausstrecken einer oder vieler Hände beseitigen. Die Verletzungen sind da und gehen nicht so schnell weg. Insbesondere weil die Auseinandersetzungen gerade nicht auf einer Sachebene sondern auf der menschlichen Ebene und auf niedrigstem Niveau geführt wurden. Ich kann das jedenfalls nicht so schnell vergessen.

Deshalb gibt es von mir keine ausgestreckte Hand. Ich schlage sie aber ausdrücklich nicht weg. Ich nehme sie nur vorerst nicht an. Das ist kein Rückzug aus der Partei. Ich werde weiter mitarbeiten, nur mit wem, das muss ich mir noch überlegen. Den Rest wird die Zukunft zeigen.

11 Kommentare

  1. 1

    Korrekt. Eine Zusammenarbeit mit denjenigen, die in schönster faschistischer Manier Blockwart-Listen erstellen und Kontaktverbote verhängen, ist vollkommen ausgeschlossen.

    Die Piratenpartei ist gut beraten im Umgang mit den Linksextremisten genauso zu verfahren wie mit anderen Extremisten auch. Kein Fußbreit.

    • @Andena: Glückwunsch zur Pappnase des Tages. Oder nennst du das die ausgestreckte Hand?

  2. 2

    @andena: Schönen Dank für die Illustration, wieso ich so handele wie ich es tue.

  3. 3

    Hallo Bernhard,

    es ist Dein gutes Recht, die Hände, die Dir entgegen gestreckt worden sind, erstmal nicht anzunehmen, sondern abzuwarten, was passiert.

    Die Diffamierungen kamen übrigens nicht ausschliesslich vom „sozial-liberalen Flügel“. Es wurden Kritiker von Aktionen als Nazis, Faschisten, Maskus und ähnliches diffamiert.

    Du schreibst: „Und ich stelle mir die Frage, was passiert wäre, wäre die Wahl in Halle anders ausgegangen.“ Ja. Ich stelle mir das mal vor: Hätte der „progressive Flügel“ sämtliche Wahlen gewonnen, wären dann Versöhnungsgesten vom progressiven Flügel ausgegangen? Ich glaube nicht. Ein Lauer und ein Höfinghoff hätten nicht eher mit ihrem Hass gegenüber den anderen geruht, bis nicht der letzte sozial-liberale Pirat die Partei verlassen hätte.

    Ich kann mich nur wiederholen. Die Piratenpartei braucht beide Seiten. Die progressiven und die gemässigten.
    Meine Hände sind offen. Lasst uns zusammen Kommunen, Länder, den Bund, Europa und die Welt rocken.

    • „Es wurden Kritiker von Aktionen als Nazis, Faschisten, Maskus und ähnliches diffamiert.“

      Ja, so Worte wie „Femnazi“, „Linksfaschist“ und ähnliches habe ich tatsächlich hin und wieder gelesen. Schön, wenn langsam die Einsicht reift, wie sehr das daneben ist.

      Dass aber tatsächlich jemand aus dem „linken“ Lager Menschen aus dem „liberalen“ Lager als „Nazi“ bezeichnet hätte, hab ich bisher noch nicht gesehen. Auch nicht auf wiederholte Bitte um Quellen, Links, Belege, Beweise. Aber wenn du so steile Behauptungen machst, hast du bestimmt auch belastbare Beweise dafür. Bin gespannt.

      • Es gab auch Worte wie „Rechtsstaatsnazi“ und sowas. Doch, das ist auch gefallen. Es hat sich in der Geschichte niemand wirklich mit Ruhm bekleckert.

  4. 4

    Wer voller Emotionen ist, ist gerade nicht in der Lage zu fühlen, das bedeutet, daß Dein Mitgefühl, auch Empathie genannt, Dein Problem darstellt. Ein verletztes EGO hilft auch Dir selbst nicht weiter.

    Ihr redet über Etiketten, ohne diese zu bestimmen. Als lesender Arbeiter kann ich Dir gerne auch mitteilen, daß vieles der Piratenlinken nichts mit „links sein“ zu tun hat.
    Wer beispielweise eine Natioinalität haßt, sollte sich fragen, was er tatsächlich haßt, denn Nationen sind nur im Kopf des Gläubigen in Form einer Illusion existent. Du kannst nicht etwas bekämpfen, das es nicht gibt. Der Kämpfende zeigt nur, daß er an denselben Mist eben auch glaubt. Genau deshalb ist nur ein Mittel tauglich und das ist nunmal Aufklärung.

    Es gibt kein richtig oder falsch, Schuld oder Unschuld, Recht oder Unrecht, Gut oder Böse, tatsächlich gibt es einfach nur Konsequenzen. Die sind leider nicht immer leicht zu erkennen, daher werden die „Anderen“, sprich die Vielfalt benötigt.

    Wenn es in der Politik nach Afelia keine ohne Ideologie gibt, wird es Zeit endlich ohne unveränderliche Ideale anzufangen, denn in der Wirklichkeit, kann es selbige nicht geben.

  5. 5
    Edelweißpirat

    ….hallo
    JA, nim die Hand an…..nur so kann es was werden….laß uns alle nach vorn schauen !!!!
    …Wir alle müßen miteinander reden und uns verstehen! Wir sprechen alle verschiedene Sprachen und das ist ein großes Problem. Was für einen Berliner LINKS (schöne, gerechte Welt) ist halt für einen Bayer, ein böser Russicher Kommunist, deshalb verstehen wir uns oft nicht untereinander und sowas kann man leider auch nicht durch schreiben klären (WIR sind leider keine Schriftsteller), da muß man einfach mal miteinander reden. Versuch es bitte…… Danke & Grüße

  6. 6

    Für mich ist einfach jetzt Vorbei ist Vorbei. Wir werden Flügelkämpfe haben und müssen damit lernen zu Leben, wie jede andere Partei. Durch das Netz sind sie bei uns nur heftiger und auch das müssen wir Lernen.

    Wir sind alle immer noch Pirate.
    LG Jürgen Hey

  7. 7

    Kindergarten ändert sich wohl auch jetzt nicht. „Die haben mich beleidigt“ „Aber die haben angefangen“ „Davor haben die aber XY gemacht“ „Aber davor haben die Anderen YZ gemacht“

    So lange schon. Makus vs Feminazis, Rechte vs Linksextremisten ….. Beleidigungen, rumpöbeln und Schuldzuweisungen von beiden Seiten …. und der Wähler sagt weiterhin geht zurück auf unter 1% und denkt mal über euer Verhalten nach.

Was denkst du?