#JedenTageinAntrag II – SÄA 041

Nachdem ich gestern $dinge getan hab, habe ich mir heute mal ein Schwergewicht vorgenommen: den SÄA 041 von Enno Park.

Wer uns beide kennt, weiss, dass wir gerade beim Thema Liquid Feedback eher selten einer Meinung waren. Hier sind wir es aber.

Worum geht’s?

Der SÄA will die Ständige Mitgliederversammlung (SMV) in die Satzung implementieren. Dazu schlägt er ein paar kleinere Ergänzungen der Satzung sowie eine Geschäftsordnung vor.
Die Idee hinter der SMV ist, dass wir es über kurz oder lang schaffen müssen, Beschlüsse über Position und das Programm auch außerhalb von Real-Life Parteitagen zu fassen. Ansonsten drohen wir uns selbst lahm zu legen, weil einfach für einen Parteitag zu viele und häufig nicht ausgereifte Anträge eingereicht werden. Das ist einerseits schade für die Anstragsteller, weil deren Anträge, auch wenn sie hätten sinnvoll sein können, nicht behandelt werden, und andererseits nicht gut für die Partei, weil so die Zeit für wichtige Debatten fehlt, um so viele Anträge wie möglich behandeln zu können.
Die Lösung des SÄA 041 dafür ist System auf der Basis von Liquid Feedback. Die GO entspricht den bisherigen Nutzungsbedingungen des Bundes-Liquids. Um Abstimmungen verbindlich machen zu können, werden allerdings die Nutzer akkreditiert, so dass sicher gestellt ist, dass nur Mitglieder mitstimmen können und dass jedes Mitglied nur einen Account haben kann.
Die Akkreditierung geschieht entweder mit Klarnamen oder Pseudonym, wobei bei der pseudonymen Akkreditierung die Akkreditierungsdaten in dem Safe in der BGS hinterlegt wird.

Was spricht dafür?

Vieles. Wir werden über kurz oder lang nicht darum herumkommen, uns etwas zu überlegen, wie wir es schaffen können, gemeinsam an Inhalten zu arbeiten und diese außerhalb von BPTs und LPTs zu diskutieren, bearbeiten und beschließen.

Was spricht dagegen?

Nicht viel. Liquid ist nicht das schönste und benutzerfreundlichste System, aber man kann sich daran gewöhnen, wenn man es denn will. Die Schwierigkeiten, die es gibt, sind nicht unüberwindlich. Insgesamt leidet das System nicht unter Mängeln, die nicht auch so oder ähnlich bei realen Parteitagen auftreten.

Empfehlung:

Dafür. Man kann und sollte allerdings einen Ergänzungantrag stellen, der vorsieht,dass man mit einem gewissen Quorum eine geheime Abstimmung auf einem BPT oder LPT erzwingen kann. Diese Stimmen dürften nicht namentlich erfasst werden.

#JedenTageinAntrag

So, ich mach das auch mal mit #JedenTageinAntrag. Ich suche mir Anträge aus, die scheinbar gut klingen, aber meiner Meinung nach problematisch sind.

Zum Beginn hab ich mir den PA300 ausgesucht http://www.janschejbal.de/piraten/antragsviewer122/#antrag=PAPA300

Ich werde nicht sämtliche Probleme des Antrags beschreiben können, dafür hat er zu viele. Aber einige kann ich unten anhand von Beispielen darstellen.

Worum geht’s?

<tl;dr> Grundsätzlich soll die Transparenz bei Gerichtsverfahren verbessert werden, indem die Verfahrensakten in Gänze veröffentlicht werden sollen. Löschfristen sind nicht vorgesehen. Ausnahmen gelten nur für Privatpersonen, wenn ansonsten nur „Behörden“ beteiligt sind oder wenn alle Privatpersonen zugestimmt haben. Namen von Behördenmitarbeitern ohne Leitungsfunktionen werden anonymisiert.

Problematisch ist hieran, dass auch falsche Aussagen und Behauptungen oder Straftaten bis in alle Ewigkeit veröffentlicht werden können.

Im Einzelnen:

„Der Bundesparteitag möge beschließen, eine Ergänzung des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) in sein Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2013 aufzunehmen. Dadurch soll größere Transparenz von Gerichtsverfahren und Verwaltungshandeln sowie ein erweiterter Verbraucherschutz hergestellt werden. § 169 GVG lautet heute: “Die Verhandlung vor dem erkennenden Gericht einschließlich der Verkündung der Urteile und Beschlüsse ist öffentlich. Ton- und Fernseh-Rundfunkaufnahmen sowie Ton- und Filmaufnahmen zum Zwecke der öffentlichen Vorführung oder Veröffentlichung ihres Inhalts sind unzulässig.” Dieser Öffentlichkeitsgrundsatz soll ergänzt werden. Zu diesem Zweck sollen § 169 GVG folgende Absätze angefügt werden:

„(2) Sind in einem Verfahren Behörden beteiligt, so wird auch der gesamte schriftliche Vortrag einschließlich der Anlagen via Internet auf der Seite des jeweiligen Gerichtes barrierefrei offengelegt.“

Hier wird nicht nur der Schriftverkehr der Behörden, sondern auch der Schriftverkehr von Bürgern und Schriftverkehr an oder über Bürger veröffentlicht. Das betrifft zum Beispiel Verfahren, bei denen ein Bürger gegen die Erteilung einer Baugenehmigung an einen anderen Bürger. Oder Strafverfahren mit einem Angeklagten und einem Nebenkläger. Hier besteht die Gefahr, dass rufschädigende Vorwürfe, die sich nicht belegen lassen, auf alle Ewigkeit im Netz stehen bleiben.

„(3) Beteiligte, die nicht Behörden sind, können der Offenlegung nach Absatz 2 widersprechen, wenn im übrigen nur Behörden beteiligt sind. Sind mehrere Nichtbehörden beteiligt, so können sie nur gemeinsam widersprechen. Sie können aber in jedem Fall insbesondere verlangen, anonym zu bleiben“

Eine Veröffentlichung scheitert dann, wenn einer der Bürger einer Veröffentlichung nicht widerspricht, zum Beispiel um den Ruf des anderen zu schädigen. Hier kann sogar ein chilling effect für die Erhebung von Klagen oder den Beitritt zu Verfahren eintreten. Die Anonymisierung hilft nicht viel, weil durch den Vortrag der Parteien die Anonymisierung aufgehoben werden kann. Oder es geschieht in einem privaten Blog mit Verweis auf die Gerichtsseiten. Im Übrigen ist die Formulierung nicht eindeutig.

„Auch im übrigen ist der Schutz der Privatsphäre von Nichtbehörden zu wahren. Darunter fallen auch namentliche Benennungen von Behördenmitarbeitern, soweit diese keine Leitungsfunktionen innehaben.“

Das Kriterium der Leitungsfunktion ist viel zu schwammig, auch „Mitarbeiter mit Leitungsfunktion“ sind weisungsgebunden, z.B. Referatsleiter in Behörden oder Gruppenleiter in StA. Das ist kein Grund für einen Verzicht auf Anonymität.

„Die Offenlegungspflicht ist dadurch beschränkt, dass sie sich nicht auf Äußerungen erstreckt, deren Veröffentlichung eine Straftat darstellen könnte, es sei denn, diese Äußerung ist Gegenstand des Gerichtsverfahrens.“

Wenn jemand also wegen einer Beleidigung gegen einen Dritten, der Nebenkläger ist, angeklagt wird, wird die Beleidigung noch mal veröffentlicht. Der Beleidiger widerspricht der Anonymisierung und die Beleidigung steht bis in alle Ewigkeit im Netz. Keine gute Idee.

„(4) Behörden sind Einrichtungen, die mit öffentlich-rechtlichen Kompetenzen versehen sind, etwa Staatsanwaltschaften. Nichtbehörden gelten als Behörden im Sinne des Absatzes 2, wenn Behörden an ihnen zu mindestens der Hälfte beteiligt sind. Nichtbehörden gelten auch dann als Behörden im Sinne des Absatzes 2, wenn sie um ein Massenpublikum werben, inhaltlich gleiche Allgemeine Geschäftsbedingungen verwenden und ein Rechtsstreit über diese Allgemeinen Geschäftsbedingungen verhandelt wird. Können sie den Nachweis führen, diese Allgemeinen Geschäftsbedingungen seltener als einhundert Mal pro Jahr zu verwenden, gelten sie nicht als Behörden.“

Hier werden Behörden und privatrechtliche Unternehmen und Kleingewerbetreibende in einen Topf geworfen. Ein Grund dafür ist nicht zu erkennen. Des Weiteren ist die Nichtverwendung von AGB faktisch nicht nachweisbar, soweit die AGB nicht auf der Rechnung abgedruckt sind, sondern nur aushängen.

„(5) Urteile und Beschlüsse werden ausnahmslos in anonymisierter Form dargestellt, wenn ein Beteiligter, der keine Behörde ist, dies verlangt oder gegen die Entscheidung kein Rechtsmittel gegeben ist oder dies der Rechtsfortbildung dient.“

Wenn im oben dargestellten Fall also der Beleidiger verurteilt wird, darf er nicht mal genannt werden. Es steht allein der Nebenkläger am Pranger. Das ist nicht durchdacht.

(6) Die §§ 170 und 172 Nr. 1-3 gelten sinngemäß.

(7) Der Anspruch auf Offenlegung verjährt nicht. Er ist vererblich. Abreden über einen Verzicht darauf sind unwirksam.“

Der Anspruch ist kein Anspruch im Sinne des BGB. Es handelt sich um eine Verpflichtung des Staates, nicht um einen privatrechtlichen Anspruch, der der Verjährung unterliegt oder vererbt wird. Dieser Absatz ist sinnlos.

§ 170 Absatz 1 Satz 2 GVG betrifft Familiensachen und Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit. Er lautet derzeit: “Das Gericht kann die Öffentlichkeit zulassen, jedoch nicht gegen den Willen eines Beteiligten.” Dieser Satz soll nach dem Willen des Bundesparteitages wie folgt geändert werden: “Die Öffentlichkeit ist zuzulassen, wenn alle Beteiligten dies verlangen.”

Das dürfte die am wenigsten kritische Regelung sein.

Was spricht dafür?

Der Antrag sorgt dafür, dass Gerichtsprozesse im nachhinein besser nachvollziehbar werden können.

Was spricht dagegen?

Zugunsten der in einigen Fällen wünschenswerten Transparenz werden viele nicht wünschbare Nebenwirkungen erzeugt, die dafür sorgen können, dass das Opfer einer Straftat noch mal im Netz zum Opfer wird oder dass Falschdarstellungen über Menschen veröffentlicht werden können, ohne dass die Beschuldigten etwas dagegen tun könnten.

Fazit: Gut gemeint, schlecht gemacht, wird dazu noch fatale Folgen haben und ist deshalb abzulehnen.

Recht, Gerechtigkeit und Moral

Recht und Moral sind unterschiedliche Kategorien. Eine dritte, die nichts mit beidem zu tun hat, ist Gerechtigkeit. Wenn man die Dinge schön trennt, dann kann man ohne Probleme über Recht anhand von (geltenden) Gesetzen, über Moral in moralischen Kategorien und über Gerechtigkeit auf einer philosophischen Ebene diskutieren. Und alles bleibt gut. Bis auf die Diskussion über Moral, weil das eine sehr subjektive Kategorie ist und bleiben wird.

Ein Problem entsteht immer dann, wenn man die Ebenen vermischt: wenn man über Recht anhand eines (meist sehr diffusen und subjektiven) Gerechtigkeitsbegriffs diskutiert, Moral und Gerechtigkeit vermengt und dann am besten auch noch anhand dieser recht unappetitlichen Mischung meint, Recht (also Gesetze) erschaffen zu wollen. Das Ergebnis kann sinnvoll sein, das ist dann allerdings bloßer Zufall, in der Regel wird Murks dabei rauskommen.

Ein schönes Beispiel dafür ist bei der Liquid-Ini zum Thema „Reform des Vergewaltigungsparagraphen“ (https://lqfb.piratenpartei.de/lf/initiative/show/4690.html) zu sehen. Da ist gleich mehrere Male Murks passiert, weil versucht wurde, individuelles Gerechtigkeitsgefühl und (durchaus richtigen Moralvorstellungen, wie ich finde), in ein Gesetz zu pressen, ohne sich zu überlegen, dass ein (Straf-)gesetz noch weiteren Anforderungen genügen muss. Die meisten werden das aber wohl nicht bemerkt haben. Zunächst aber ein Disclaimer (was den Vorwurf, der kommen muss zwar nicht verhindern wird, aber was muss das muss): Ich bin kein Verfechter von Rape Culture, ich lehne Geschlechtsverkehr, ohne dass die beteiligten dies explizit wünschen, ab und würde mir auch wünschen, dass dies nicht passiert. Das ist die moralische und vielleicht auch eine sehr niedrige philosophische Ebene. Die sollte man aber von der rechtlichen Ebene trennen, denn diese bietet noch ein paar andere Gesichtspunkte, über die man nachdenken sollte.

Auf der rechtlichen Ebene ist die Ini (und noch schlimmer die auf dem zweiten Platz ins Ziel gegangene Ini) aber vielfach an dem Versuch gescheitert (und musste dies auch tun) eine moralische Wertung 1:1 in eine rechtliche Wertung zu überführen. Dazu ein paar Punkte, die ein wenig juristisch werden (es geht ja auch um Recht):

  1. Der Abs. 1 des § 177 StGB kennt bisher drei Tatbestandsalternativen, die in ihrer Schwere durchaus vergleichbar sind und deshalb auch die gleiche Strafandrohung tragen. Sie haben noch dazu die Gemeinsamkeit, dass es dafür nachweisbare Spuren geben kann bzw. dass das Opfer sinnvolle Aussagen machen kann, die verifizierbar sind. Die Tatvarianten bieten also die Möglichkeit, sie zu beweisen bzw. sich zu entlasten, selbst wenn sich das Geschehen ausschließlich zwischen zwei Personen ohne weitere Zeugen abspielt (was Beweise ziemlich schwierig macht). Aber immerhin, solange es außer dem Geschlechtsverkehr noch weitere Tatbestandsmerkmale braucht, lassen sich immerhin die beweisen, jedenfalls besser als die vierte.
    Diesen drei Tatvarianten soll eine vierte hinzugefügt werden, die angesichts der kriminellen Energie des Täters bei weitem nicht so schwer wiegt und damit eigentlich auch weniger schwer zu bestrafen wäre, wenn man dem Prinzip weiterhin folgen will, dass eine eingreifendere Tatvariante schwerer bestraft wird. Für die Beibehaltung des Grundsatzes spricht unter anderem, dass es dem Opfer sicher nicht schadet, wenn der Täter nicht in jedem Fall eine Waffe benutzt, weil es ja für ihn keinen Unterschied macht, ob er eine benutzt oder nicht. Auf gut deutsch: es soll egal sein, ob man „nur“ gegen den Willen des Opfers handelt (aber weiter keine körperliche Gewalt anwendet, sonst wäre eine der ersten Varianten erfüllt) oder dem Opfer eine Pistole an den Kopf hält. Nun ja.
  2. Noch schlimmer ist aber, dass die Tat in der neuen 4. Variante jegliche Nachweisbarkeit verliert. Es steht in derartigen Fällen immer Aussage gegen Aussage, andere Beweise können gar nicht vorhanden sein, wenn es nur auf die Zustimmung des Opfers ankommt. Wie will man das aber beweisen? Entweder läuft so eine Tatbestandsvariante leer, weil die Staatsanwaltschaft sie nicht beweisen kann (dann ist sie im besten Fall sinnlos) oder sie führt – in der Gedankenwelt der Befürworter – zu einer faktischen Beweislastumkehr, so dass der Täter beweisen muss, dass das Opfer zugestimmt hat. Wie das gehen soll, kann sich ja jeder selbst ausmalen… Wem das Problem noch nicht klar ist, der möge beweisen (!), dass die Erde NICHT von einer unsichtbaren Teekanne umkreist wird.
  3. Die Idee, schon eine nicht geäußerte Zustimmung für die Strafbarkeit genügen zu lassen, führt vollkommen ins Absurde. Nicht nur, dass man Zustimmung nicht nur explizit verbal sondern auch durch non-verbale und damit durchaus missverständliche Signale ausdrücken kann, und man so schon unter Umständen Missverständnisse (wir erinnern uns :es gibt die Varianten „ohne Zustimmung“ oder „gegen den geäußerten Willen“) auf die Ebene eines Straftatbestandes hebt, für den man durchaus ein paar Jahre in den Knast gehen kann, man verzichtet jetzt auch komplett auf irgendeine Äußerung des Opfers. Wie das nachgewiesen werden soll, darüber hat sich wahrscheinlich niemand Gedanken gemacht. Das ist zwar moralisch folgerichtig, aber juristisch nicht umsetzbar. So schafft man ein reines Gedankenverbrechen. Oder eine Beweislastumkehr und ein schönes Racheinstrument enttäuschter Liebhaber.

Nochmal: ich billige es nicht, dass Menschen gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gebracht werden, aber das Strafrecht ist der falsche Weg der Missbilligung dafür. Es mag moralisch falsch sein, vielleicht sogar ungerecht, aber in einem Gesetz haben diese Kategorien nichts zu suchen. Nicht in einem derartig sensiblen Bereich der Intimsphäre.

Und zu Guter letzt: natürlich öffnen Tatbestände, die praktisch komplett beweisfrei sind, die Tore für vielfältige Racheaktionen, Erpressungen etc. Es ist ja nicht so, dass es derartige Fälle bzw. den Verdacht dafür in letzter Zeit nicht schon gegeben hätte: Strauss-Kahn (das „Opfer“ hat zugegeben, alles erfunden zu haben), Assange (Schweden hat Vergewaltigung schon zu einem Gedankenverbrechen gemacht), möglicherweise Kachelmann…und das sind nur die bekannt gewordenen Fälle. Die angeblichen Täter sind in jedem Fall ruiniert.

So, und bevor Ihr mich dafür steinigt, denkt doch wenigstens noch mal darüber nach, wie IHR so einen Vorwurf widerlegen wollt, sollte Euch jemand wegen einer Vergewaltigung nach dem „reformierten“ § 177 StGB anzeigen. Wer dafür eine praktikable, immer anwendbare Lösung hat, darf den ersten Stein werfen.

Die Angst geht um

Mich kotzt es an. Ich bin nun noch nicht lange in Darmstadt, aber eines habe ich gemerkt: diese Partei hat Angst, nicht nur in Darmstadt. Ungeheure Angst. Wovor? Vor allem.
 
Wir haben Angst, einen Fehler zu machen. Jeder Vorschlag, der ein noch so kleines Risiko beinhaltet, wird klein geredet und dann abgelehnt. Es könnte ja bei unserem KPT jemand des Weges kommen, der schlechte Laune hat und die Hessische Flaggenverordnung kennt und uns dann anzeigt, dann müssen wir 20 € Bußgeld zahlen. Deshalb hängen wir lieber keine Flaggen am Flaggenmast auf. Und wenn, dann sollten wir vielleicht doch lieber beim Ministerium nachfragen, ob wir das dürfen.
Wir sollten auch nicht über Missstände beim KPT reden, weil ja irgendjemand von Missständen erfahren könnte und dann schlecht über uns berichten, so dass Christian Röwenstrunk nicht als Bürgermeister in Otzberg gewählt wird (wird er zwar sowieso nicht, aber er könnte zwei Stimmen weniger kriegen…).
Wir versuchen lieber gar nicht erst, Wahlplakate mal vollkommen anders aufzuziehen, nein, wir fragen schon gar nicht nach, ob Interesse besteht. Lieber machen wir alles so wie die anderen, nur eben ein klein wenig anders. Die Wähler der anderen Parteien könnten uns ja nicht wählen (tun sie in der Mehrzahl sowieso nicht, aber was soll’s). Lieber sehen wir so aus wie die Kopie von CDUSPDFDPGRÜNELINKE. Das beinhaltet ja kein Risiko. Und bevor wir ein Risiko eingehen, machen wir lieber nichts.
Wir haben Angst vor dem Wähler. Der Wähler in Person von Erna Körner, 89, (wohnt um die Ecke, wählt seit 65 Jahren CDU) könnte ja irgendwas, was wir tun, nicht so gut finden und über uns schimpfen und dann werden die gewonnenen guten Umfragewerte wieder schlechter. Also meiden wir jede Aktion und stellen uns brav nur nach Anmeldung mit einem Infostand in die Fussgängerzone, aber bitte, ohne zu stören. Wir werden zwar auch nicht wahrgenommen, aber was soll’s. 
 
Ich könnte noch so weitermachen, aber das würde mir endgültig die Laune verderben.
Wir sollten so langsam verstehen, dass wir keinen Pfifferling gebraucht werden, wenn wir alles machen wie alle anderen, uns aus Rücksicht vor der traditionellen CDU-Wählerklientel ganz brav an alle Vorschriften und Konventionen halten. Noch so eine Partei brauchen wir nicht und bei so etwas will ich auch nicht mitmachen. 
Der ganze Aufwand, den wir treiben, wird vollkommen für die Katz sein, wenn wir es nicht schaffen, aufzufallen. Und zwar nicht durch persönliche Querelen, sondern irgendwie positiv, unangepasst, anders. Nicht bei denen, die uns sowieso nicht wählen. Sondern bei denen, die nicht mehr zur Wahl gehen, weil sie das Parteiensystem genauso abstößt wie uns, weshalb wir die Piraten gegründet haben. Auch wenn das heißt, dass wir gegen eine Verordnung verstoßen, einen Infostand vor Ort als Demo anmelden oder irgendwelche neuen Ideen ausprobieren. Die ausgetretenen Pfade der anderen Parteien führen uns direkt dahin, wo die anderen sind. Und damit meine ich nicht das Parlament.
Und noch etwas: Umfragewerte sind Umfragewerte. Sie sind auch genauso viel wert: überhaupt nichts. Was zählt, sind Wahlen. Und die gewinnen wir nicht, indem wir uns ängstlich verstecken, um ja keinen Fehler zu machen. Sondern indem wir mutig und überzeugt auftreten, das Richtige zu tun. Lasst es uns tun!

Mitmachpartei…

… oder so. Eher oder so, jedenfalls im Berliner AGH.

Die Berliner Piratenfraktion Der Vorsitzende der Berliner Piratenfraktion hat mal wieder etwas produziert, nämlich Bits&Bytes zum Urheberrecht. Dies geschah unter Federführung von Christopher Lauer unter tätiger Mithilfe (mindestens) zweier externer Rechtswälte und von ein paar Fraktionsmitarbeitern. Wer fehlt? Genau, die Basis. Die hat davon zu einem Zeitpunkt erfahren, als es Christopher passte und er nicht mehr viel für die Mehrung seines Ruhms als jetzt-auch-Urheberrechtsexperte befürchten musste: nachdem die Fraktion den Entwurf beschlossen hat, eine Pressemeldung und daraufhin eine Meldung bei SPIEGEL ONLINE erschienen ist und er ihn als Programmantrag ins Liquid gekippt hat. Genau in der Reihenfolge. Die Basis kann sich ja jetzt noch beteiligen, hier ein Komma und da einen Halbsatz ändern oder innerhalb einer Woche auch eine begründete Gegenini einstellen, die von Christopher Lauer ist ja nur 13 Seiten lang (mit Fußnoten 14). Der Triumph ist also garantiert, Gegeninis werden sich wohl keine finden, dafür reicht die Zeit ja nicht. Und Christopher Lauer und ein paar andere haben schon genug Delegationen, um der Ini garantiert zum Sieg zu verhelfen, falls sich doch jemand die Arbeit machen sollte.

Das Ganze wirft natürlich auch ein paar Fragen auf:

1. Warum arbeitet die Fraktion Programmentwürfe für die Partei aus? War da nicht mal was mit Trennung von Partei und Fraktion?

2. Welche Rolle haben die Rechtsanwälte gespielt? Wer war sonst noch an der Erstellung beteiligt? Das lässt der Entwurf nicht nur offen, er erwähnt gar nicht erst externe Beteiligung. War da nicht auch mal was mit Transparenz, Lobbyinteressen und Ähnlichem? Oder gilt das nur für die anderen Parteien, weil wir ja prinzipiell davor gefeit sind?

3. Warum konnte die Fraktion Externe ohne Verbindung zur Piratenpartei einbinden, aber nicht die Basis, selbst wenn Interessierte vor Ort waren (in dem Fall: ich)? Warum wird das nicht dokumentiert?

4. Was soll ein Entwurf der Piratenfraktion Berlin zum Urheberrecht, das eindeutig Bundeskompetenz ist? Fehlen der Fraktion inzwischen Berliner Themen? Oder ist das etwa nur Tarnung, damit man die Fraktionsressourcen für Programmarbeit nutzen kann?

5. Wenn man schon Bundesthemen beackert, warum in aller Welt arbeitet die Fraktion dann nicht wenigstens mit den anderen Fraktionen zusammen, wenn schon die Arbeit mit der Basis unter ihrer Würde ist?

Und zu Guter Letzt: soll das wirklich die revolutionäre Kritik der Piratenpartei am Urheberrecht sein? Fällt einem da nicht noch etwas mehr ein? Pavel hatte zum Beispiel auf dem „Camp“ im Sommer einen Vortrag gehalten, der in seinen Ideen deutlich weiter geht. Das kann man vielleicht nicht so in einen Gesetzentwurf schreiben, aber für einen Programmantrag erwarte ich doch deutlich mehr als ein paar zaghafte Korrekturen.

Und zu allerletzt zeigt dieser Entwurf leider allzu deutlich mehrere Schwächen von Liquid Feedback, die man ausnutzen kann, wenn man will. Und Christopher Lauer will das wohl. Also denn, mehret fleißig seinen Ruhm für diesen kurzen Sprung.
Korrektur: Es handelt sich NICHT um einen Entwurf der Fraktion, sondern anscheinend nur um einen Entwurf von Christopher Lauer. Das hat ihn allerdings nicht gehindert, den Entwurf als Entwurf der Fraktion in der Pressemeldung zu bezeichnen und das auch nicht zeitnah zu korrigieren.

New Democracy oder zu kurz gehüpft

tl:dr: New Democracy ist kein großer Wurf, wird entweder weiterhin spärlich genutzt oder im Chaos versinken. Die Begründung für eine Delegationsstruktur online kann nur massives Misstrauen gegenüber der Kompetenz der eigenen Basis sein.

„Das Original“ hat mal wieder zugeschlagen. Ja, ihr erinnert Euch vielleicht, die FDP Bayern hat sich diesen unheimlich innovativen Namen zugelegt und wir hatten auf Twitter viel Spaß bei deren Parteitag. Wie dem auch sei, sie haben sich auch eine Onlineplattform zugelegt. Das gute Stück heißt „New Democracy“, neue Demokratie oder auch nea demokratia. Da soll mal jemand behaupten, die Piraten würden nichts bewirken.

Das gute Stück sieht schön bunt aus, blau und gelb natürlich, nutzt HTML5 und ist offen für jeden. Also wirklich für jeden. Wenn KrautChan also mal Spaß haben will, nur zu… Ich hab mich da jedenfalls mal angemeldet und mir wird versprochen, dass meine Daten geprüft würden. Auf was? Keine Ahnung. Stimmberechtigt bin ich jedenfalls erst mal nicht.

Anders als die FDP behauptet, sind nicht 177 Teilnehmer im System, sondern 148 und ein paar Gäste. Und 7 Anträge, die die Hauptnachteile des Systems zeigen:

  • man kann nur Kommentare und Diskussionsbeiträge abgeben, nicht gemeinsam am Text arbeiten. So etwas wie die Einbindung von Diskussionspads ist wohl nicht vorgesehen. Stelle man sich eine kontroverse Initiative vor und in den Kommentaren eine bunte Mischung aus Nachfragen, Statements und Verbesserungsvorschlägen. Das war’s dann wohl mit der vielgerühmten Übersichtlichkeit.
  • Die Initiativen werden nicht thematisch gruppiert, sondern einfach in einen Topf geworfen. Bei 148 Nutzern, 7 Anträgen und 4 Antragstellern ist das nicht tragisch, stellen wir uns aber Anträge mit 40 Alternativanträgen vor (Berliner Liquid, „unsere Abgeordneten sollen…“) tendiert das System wiederum in Richtung maximale Entropie.
  • Die Qualität der Anträge ist eher so meh, das ist teilweise beim Liquid auch so, allerdings bietet sich dort die Chance, daran zu arbeiten. Das geschieht bei ND nicht, es sind nur ein paar Kommentare zu sehen. (Dafür aber die Aufforderung, sich anzumelden, um kommentieren zu können. Dabei bin ich angemeldet).

Was passiert dann mit den Anträgen? Beim Liquid werden sie abgestimmt und dann als offizielle Beschlusslage auf einem Parteitag beschlossen. ND tut etwas anderes, es bildet 1:1 die offline-Parteistruktur der FDP ab. Also ein Basisantrag geht auf die nächsthöhere Ebene, wird dort abgestimmt usw. Und das ist eine wirklich skurrile Idee. Die FDP begründet dies so, dass sie eben keine Piratenpartei sei, sondern andere Strukturen hätte. Das ist ohne Zweifel wahr. Wenn man sich aber anschaut, wieso sie überhaupt diese Strukturen hat, ist die Begründung eher erstaunlich.

Als die Parteistrukturen heutiger Parteien entstanden sind, also mehr oder weniger im Kaiserreich, gab es zwei riesige Probleme: Informationsübermittlung und Personentransport. Das dauerte lange. Und Personen konnten auch nicht so ohne weiteres von A nach B reisen. Also musste man sich etwas anderes ausdenken und kam auf die Idee der Repräsentation, die nicht so wirklich neu war. So konnte irgendwie trotzdem der Einwohner des letzten Dorfes mitreden und Einfluss nehmen, auch wenn er in seinem Leben nicht den Fuß nach Berlin setzen würde. Und alle waren glücklich, weil es ja irgendwie funktioniert.

Nur: wir leben nicht mehr im Kaiserreich. Jeder kann ohne weiteres mit jedem telefonieren, chatten, gemeinsam in Pads arbeiten und auch schnell und unkompliziert überall hin reisen. Gut, nicht jeder hat Lust zu reisen, kann ich ja verstehen, besonders mit der Aussicht auf 1000km im Auto am Wochenende, das rechtfertigt immer noch Delegationsstrukturen im wirklichen Leben. Aber online? Wozu in aller Welt soll das gut sein, außer wenn man nicht daran glaubt, dass die Basis eine Ahnung von dem hat, was sie tut und dass wirkliche Fachleute auf höheren Ebenen dann die Ideen der Basis raffinieren und auf ein höheres Erkenntnislevel bringen können.
Zugegeben, bei den derzeitigen Anträgen erscheint eine Filterung auch angebracht, aber warum arbeiten die großen Fachleute nicht gleich am Anfang mit? Und wieso ist dieser Prozess notwendig, wenn das ganze sowieso erst noch am Parteitag beschlossen werden muss? Denn eins ist klar: mit dieser Benutzeranmeldung kann man das System nicht nutzen, um verbindliche Beschlüsse zu fällen.

Funfact: Eine Datenschutzeinwilligung gibts natürlich nicht und die Datenschutzerklärung “ Die persönlichen Informationen der angemeldeten Teilnehmer (z.B. E-Mail Adressen) werden nur innerhalb der New Democracy Umgebung verwendet und nicht kommerziell verwertet oder an Dritte weitergegeben.“ ist auch höchst professionell: Was ist eigentlich die „New Democracy Umgebung“ und wie wollen die verantwortlichen Administratoren eigentlich prüfen, ob ich Mitglied der FDP Bayern bin, wenn sie die Daten nicht an die Mitgliederverwaltung in Bayern weitergeben? (Oder gibt die Mitgliederverwaltung in Bayern ihren gesamten Datenbestand an die ND-Admins?)

Das BVerfG und die Bundeswehr im Inneren

Das Bundesverfassungsgericht hat gestern ein Urteil zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren gefällt. Die Piratenpartei hat daraufhin heute eine Pressemeldung veröffentlicht (http://www.piratenpartei.de/2012/08/18/bundesverfassungsgericht-setzt-einsatz-der-bundeswehr-im-inneren-enge-grenzen/) in der ich zitiert werde. Nicht ganz zufällig.

Ebenso wie das Urteil hat die PM Kritik hervorgerufen, entsprechend der vergleichbar doch etwas geringeren Relevanz der Piraten entpsrechend geringere Kritik, bisher nur auf Twitter. Die halte ich allerdings für unzutreffend, denn ich denke, das BVerfG wird falsch verstanden. Das kann man aber natürlich nicht in einer Pressemeldung schreiben, das ist schließlich kein juristischer Aufsatz.

Worum geht es in dem Urteil grundsätzlich?

Das BVerfG hatte im Wesentlichen zwei Fragen zu entscheiden (vereinfacht, wer es komplizierter haben will, hier die PM des BVerfG http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg12-063.html), zu finden in der PM unter Punkt 2.

1. Darf die Bundeswehr im Inneren Kriegswaffen einsetzen?

2. Wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?

Darauf hat das Bundesverfassungsgericht auch geantwortet:

1. Ja. Art. 35 beschränkt nicht die Art der Mittel, die die Streitkräfte einsetzen dürfen, wohl aber die Art des Einsatzes (siehe 2.).

2. Allerdings dürfen die Streitkräfte nach Art. 35 nur bei Unglücksfällen und Katastrophen eingesetzt werden. (Es gibt noch einen zweiten Artikel, Art. 87a, um den geht es gleich). Unglücksfälle und Katastrophen hat das BVerfG gleich auch noch mitdefiniert und ausgeschlossen, dass Demonstranten darunter fallen können.

Damit hat das BVerfG klar gestellt, dass man Kriegswaffen auch bei Unglücksfällen und Katastrophen einsetzen darf. Das mag zunächst nutzlos erscheinen, ist aber aus der Erfahrung vergangener Katastrophen nicht ganz so nutzlos.
Unter Kriegswaffen fallen nämlich neben den Dingen auf die man sofort kommt (Kampfpanzer, Jagdflugzeuge, Maschinengewehre etc.) auch Dinge, die bei Katastrophen durchaus nützlich sein können: Mannschaftspanzer, Aufklärungsflugzeuge- und drohnen, Pionierausrüstung, Hubschrauber… Diese Dinge wurden beispielsweise bei der Oderflut 1997 eingesetzt (ich war dabei, allerdings nicht in Grün, sondern in Blau), weil Wege unpassierbar schlammig wurden und selbst Allrad-LKW nicht mehr durch kamen, so dass entweder Panzer für den Transport genutzt wurden oder Pionierstraßen gebaut wurden. Tornado-Aufklärer haben nach Deichbrüchen und undichten Stellen gesucht, Hubschrauber haben Personen und Sandsäcke durch die Gegend geflogen. Das waren eindeutig Kriegswaffen und danach hat kein Hahn gekräht.

Den Einsatz der Bundeswehr und den Gebrauch von Kriegswaffen schränkt das BVerfG allerdings gleich wieder ein, in dem es die Grenzen von Art. 87a Abs. 4 GG auch für Art. 35 GG für anwendbar erklärt.
Das heißt nichts anderes, als dass der Einsatz im Inneren zum Objektschutz nur im Verteidigungsfall zulässig ist (sorry, CDU, Eure Lieblingsidee geht nicht) und dass der Einsatz, um die Sicherheit und Ordnung aufrecht zu erhalten oder wieder her zu stellen, nur zulässig ist, wenn die Polizei dafür nicht mehr ausreicht und wenn es sich um militärisch organisierte und bewaffnete Verbände  handelt und wenn der Bestand der Bundesrepublik oder eines ihrer Länder gefährdet ist. Das ist keine neue Erfindung des Bundesverfassungsgerichts, sondern das steht – unglücklicherweise – schon seit 1968 (?) im Grundgesetz.
Mit dieser Einschränkung stellt das BVerfG jedenfalls klar, dass auch unter dem Deckmäntelchen der Bekämpfung von Katastrophen und Unglücksfällen die Bundeswehr weder zum Objektschutz eingesetzt werden darf noch dass sie zur Wiederherstellung von Sicherheit und Ordnung genutzt werden darf, solange die Voraussetzungen des Art. 87a Abs. 4 nicht vorliegen.
Damit erklärt das BVerfG auch den Einsatz der Bundeswehr in Heiligendamm für unzulässig, weil eben kein Unglücksfall oder Katastrophe vorlag, der den Einsatz von Tornados und Drohnen gerechtfertigt hätte und dieser mangels des Vorliegens der Voraussetzungen von Art. 87a Abs. 4 GG auch nicht zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung zulässig war.

Insofern handelt es sich um ein vernünftiges und ausgewogenes Urteil, das im Wesentlichen das legalisiert, was schon ohne jede Aufregung üblich war und einem weiteren Einsatz der Bundeswehr im Inneren einen sehr deutlichen Riegel vorschiebt. Ich bin gespannt, wann die CDU/CSU das versteht und auf eine Änderung des Grundgesetzes dringen wird. Lange wird es wohl leider nicht dauern.

P.S: Dies ist kein juristischer Aufsatz, ich habe versucht, das Urteil bzw. die Pressemeldung allgemeinverständlich zu erklären. Das geht natürlich auf Kosten der juristischen Präzision. Verständlichkeit war mir wichtiger. Wer es präziser mag, möge beim BVerfG nachlesen oder einen der demnächst in großer Menge zu erwartenden Aufsätze in juristischen Fachzeitschriften lesen.

And now for something completely different…

…hieß es als Überleitung zwischen zwei Sketchen von Monty Python. Und das passt als Titel auch ganz hervorragend für diesen Blogbeitrag. Zum einen, weil er nichts mit den beiden vorhergehenden zu tun hat, zum anderen weil es um den Umgang mit einer Veränderung geht, welche an sich hätte Folgen haben müssen, aber anscheinend jedenfalls nicht die richtigen hatte. Das fliegt uns jetzt um die Ohren.

Irgendwie war wohl allen bewusst, dass die Zusammenarbeit zwischen „der Basis“ und den Abgeordneten eher suboptimal läuft. Der Grund dafür dürften gegenseitige Erwartungen sein, die aber nicht geäußert wurden, weil sie als selbstverständlich vorausgesetzt werden und zwar beim jeweils anderen. Oder wie es Simon Weiß treffend twitterte

„Ich glaube ich weiß inzwischen wo meine große Überraschung dese Woche herkam: Die implizite Annahme, dass die Menschen um mich, deren Frustration ich deutlich spürte, aus den gleichen Gründen wie ich frustriert sind.“.

Und dann kam GA und hat gesagt, was zumindest viele dachten und vielleicht auch in größeren und kleineren Kreisen mal gesagt haben – übereinander. Darum geht’s mir in diesem Post aber gar nicht. Es ist nun mal, wie es ist und jetzt müssen wir uns mal Gedanken machen, wie es weiter gehen soll. Es sind sich wohl alle einig, dass es so sicher nicht weiter gehen kann.

Wo kommen wir her?

Wir Piraten sind großartig bei spontanen Reaktionen unvorhergesehene Ereignisse. Der beste Beweis waren die Wahlkämpfe dieses Jahr. Es finden sich spontan Menschen zusammen, die denken sich etwas aus, koordinieren das und setzen das um. Das alles rasend schnell und zumindest von außen gesehen sehr sehr effizient. Das hat auch vor der Abgeordnetenhauswahl hervorragend funktioniert, bedurfte aber weder großer Organisation noch Koordination. Daher kommt die Ablehnung formeller Strukturen und Prozesse, die auch grundsätzlich richtig ist.

Das ist großartig, um kurzfristig auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren, aber nicht wirklich gut, um verschiedene Personen und Gruppen zu koordiniere, Entscheidungsprozesse aufzubauen und verschiedene Personen in Prozesse einzubinden. Das ist als Struktur zur Zusammenarbeit bei nicht von vornherein festgesetzten Zielen aber nicht wirklich brauchbar.

Die Situation heute…

…ist im Wesentlichen die gleiche wie die vor der Abgeordnetenhauswahl. Es ist nur neben der Partei ein Akteur hinzugekommen, nämlich die AGH-Fraktion mit eigenen Mitarbeitern, die z.T. nicht Parteimitglieder sind und ausschließlich für die Fraktion arbeiten und auch Dinge tun. Die tun sie gut. Dafür hat die Fraktion eine Struktur aufgebaut: Arbeitskreise mit zugeteilten Referenten, Referenten für allgemeine Dinge, Basisbeteiligung, Presse etc. Es hat sich also neben der Fraktion ein neuer Mikrokosmos mit eigenen Regeln, eigenen Abläufen und auch teilweise mit anderen handelnden Personen gebildet. Das ist nicht tragisch, sondern zwangsläufig, erfordert aber eine Veränderung der Zusammenarbeit untereinander.

Diese Strukturen und Abläufe sind – jedenfalls für mich als Basis – nicht wirklich einsehbar und werden auch nicht aktiv kommuniziert. Es ist nicht erkennbar, woran in der Fraktion gearbeitet wird, es sei denn, man trifft sich mit den zuständigen Abgeordneten oder es werden Themen ins Liquid gestellt. Aber auch das Treffen mit Abgeordneten garantiert nicht, dass die Informationen wirklich an der Basis ankommen. Die Erwartung scheint zu sein, dass sich „die Basis“ doch selbst informieren kann, weil ja alles im Parlamentsinformationssystem und im Fraktions-Redmine steht und damit transparent ist.

Das Problem damit ist, dass dort in der Regel nur erkennbar ist, was derzeit passiert, nicht aber, woran in der Zukunft gearbeitet werden soll, mit welchen Themen die Fraktion bzw. die Abgeordneten vorhaben, sich zu beschäftigen. Es fehlt komplett die außerparlamentarische, auch informell gewonnene Informationsbasis. Auch das ist nicht tragisch, sorgt aber dafür, dass die Basis andere Möglichkeiten hat, ihre Initiativen einzubringen als die Fraktion. Die Basis kann also auch nicht ihre Sicht auf diese Informationen und die daraus folgenden Schlussfolgerungen einbringen.
Für die Fraktion ist sicher genauso interessant, womit sich die Squads inhaltlich beschäftigen. Das ist – bis auf ein Wust aus Pads und Wikis – bisher ähnlich schwierig.
Bisher war es kein Nachteil, wenn inhaltliche Arbeit doppelt gemacht wurde, es wird aber zu einem Problem, wenn sie doppelt zwischen der Fraktion und einer Squad gemacht wird und beide vom anderen nichts wissen und die Arbeit der Basis am Ende „hinten runter fällt“, weil sie einfach zu spät kommt.

Wo müssen wir also hin?

Dazu ein paar Thesen:

  • Wir müssen uns selbst Themen suchen.
  • Es muss eine Vernetzung zwischen Squads und Basis stattfinden und zwar eine gegenseitige.
  • Die Informationen müssen aktiv aus dem AGH in die thematisch passenden Squads getragen werden. Informieren als Holschuld funktioniert bei Freiwilligen eher schlecht bis gar nicht. Jedenfalls wenn man will, dass die Freiwilligen sich mit einem Thema beschäftigen.
  • Die Abgeordneten werden in der Zusammenarbeit mit den Squads stärker koordinierend und weniger inhaltlich arbeiten müssen.
  • Die Squads müssen sich stärker als bisher mit parlamentarischen Prozessen auseinandersetzen, um sich auch beteiligen zu können.
  • Wir brauchen eine politische Agenda jenseits des Wahlprogramms.

Zu den einzelnen Punkten:

  • Themensuche

Es fehlen insbesondere Erfahrungen dabei, sich selbst ein Ziel selbst zu suchen, darauf hin zu arbeiten und ein Ergebnis abzuliefern. Das funktioniert bisher nicht, muss aber für die Zusammenarbeit mit der Fraktion angegangen werden und zwar von der Basis. Ob das für die Fraktion auch gilt, kann ich nicht beurteilen.

  • Vernetzung

Die thematisch arbeitenden Squads und die Fraktion müssen sich über Ideen, Entwicklungen und insbesondere bevorstehende Pläne gegenseitig informieren.

Es sollten also zumindest bei den Squads, die Themen bearbeiten, für die es auch entsprechende Gegenpole im AGH gibt, regelmäßige Treffen mit den Abgeordneten stattfinden. Wenig hilfreich ist der Hinweis, dass man die Abgeordneten ja jederzeit anrufen oder besuchen könne. So wird ein kontinuierlicher Austausch weder zustande kommen noch dauerhaft funktionieren.

  • Aktive Informationsverteilung

Informationen wandern nicht von selbst zu Interessierten. Deshalb ist die Informationsverteilung eine Bringschuld der Informationsbesitzer und keine Holschuld der Suchenden. Die Squads können und werden nicht dauernd das parlamentarische Informationssystem und das Redmine der Fraktion durchsuchen auf der Suche nach vielleicht spannenden Themen und Informationen. Die Fraktion sollte die Inhalte kennen und dann sollte es nach stattgefundener Vernetzung auch ein Leichtes sein, diese Inhalte an die Squads zu kommunizieren. Die Ansprechpartner sind ja auf Grund der Vernetzung bekannt.

Das Gleiche gilt aber auch für die Squads. Auch diese müssen relevante Inhalte aktiv an die Fraktion weitergeben, es reicht nicht auf die allgemeine Mailingliste, das Protokollpad und das Wiki zu verweisen, dass dort alles drin stünde.

Erst wenn der Informationsfluss funktioniert, werden die Squads und die Fraktion sinnvoll bei Themen zusammenarbeiten können.

  • Koordination

Je mehr Beteiligte an einer Aufgabe arbeiten und je komplexer die Aufgabe, desto wichtiger wird die Koordination und desto mehr Zeit nimmt diese in Anspruch. Das wird trotz Pads und aller anderer Kollaborationslösungen nicht ohne Koordination funktionieren, schon gar nicht, wenn in diese Arbeit auch noch Ergebnisse und Informationen aus der Fraktion einfließen sollen und müssen.
Irgendjemand muss die Arbeit zwischen Fraktion und Squads also koordinieren. Eine Person wäre für alle Squads und Abgeordneten damit überfordert, also wird dies wohl thematisch geschehen müssen. Und diese Aufgabe fällt wohl den Abgeordneten zu, es sei denn, sie schaffen es, die Aufgabe zu delegieren. Die Abgeordneten werden, so es denn überhaupt zu koordinierende Arbeiten gibt, verstärkt die Arbeit von Fraktion, Mitarbeitern und Squads koordinieren und weniger selbst inhaltlich arbeiten.

  • Parlamentarische Arbeitsformen

Nach meinem Eindruck haben sich die meisten Squads und Mitglieder bisher wenig bis gar nicht mit den Formen parlamentarischer Arbeit und den Beteiligungsmögichkeiten und -begrenzungen beschäftigt. Das wird aber notwendig sein, wenn es zu einer effektiven Vernetzung zwischen der Partei und der Fraktion kommen soll. Hier sollte vielleicht ein Workshop o.ä. zu den wichtigsten Inhalten und Voraussetzungen stattfinden.

So wie ich es sehe und von anderen höre, besteht eine große Unsicherheit, die eine weitgehende Lähmung der eigenen Tätigkeiten zur Folge hat. Hier kann die Fraktion (und eigentlich nur die Fraktion) versuchen, Informationen über die verschiedenen Möglichkeiten zu geben und was dabei zu beachten ist.

  • Politische Agenda

Und jetzt mein Lieblingspunkt: wir brauchen eine politische Agenda. Da drin sollten Inhalte stehen, um die wir uns kümmern wollen, ein ungefährer Zeitrahmen dafür und idealerweise Ansprechpartner.

Indem diese Themen öffentlich bekannt werden, wird es für die Basis und interessierte Bürger möglich, sich in Themenfelder einzubringen, bevor ein Ergebnis durch die Fraktion erarbeitet wurde. In dieser Stufe ist eine Beteiligung bei weitem sinnvoller als im Liquid. Zum einen, weil mehr Informationen in die Arbeit einfließen, zum anderen, weil Input durch Bürger in der Liquidabstimmung schwierig bis unmöglich ist.

Ohne solch eine Agenda ist nicht oder nur zufällig für Eingeweihte erkennbar, woran Squads und die Fraktion gerade arbeiten bzw. in Zukunft arbeiten werden. So wird es aber schwer bis unmöglich, das in Squads und in der Fraktion vorhandene Wissen in Arbeitsprozesse einzubeziehen.

Was bringt wenig?

  • Podcasts

Inzwischen hat scheinbar jeder einen Podcast, mit mehr oder weniger tagesaktuellen Themen. Das ist schön, um nachzuvollziehen, was gerade passiert, hilft aber wenig, wenn man einem mehr oder weniger regelmäßigen Job nachgeht. Entweder hat man nicht die Zeit, mehrere Podcasts täglich zu hören oder die Informationen helfen wenig, weil sie zu kurzfristig kommen, um sich einbringen zu können. Ein Podcast hat zudem gegenüber einem Blog den Nachteil, dass man ihn in Echtzeit hören muss und nicht nur überfliegen kann. Zur Information oder gar als Beteiligungsmöglichkeit bringt es nichts.

  • Nachträgliche Berichte

Berichte über die Arbeit der Fraktion sind wichtig und nicht einfach zu finden. Das sollte sich ändern, wird aber wenig zur sinnvollen Zusammenarbeit beitragen. Nachträgliche Berichte, wie in den bisherigen Treffen des Squads Innen- und Rechtspolitik im AGH dienen im Wesentlichen dazu, Geschehenes nachzuvollziehen. Das ist schön, wenn es sich auf die bisherigen gemeinsamen Aktivitäten bezieht. Das hilft aber auch wenig um für zukünftige gemeinsame Aktivitäten zu koordinieren. So werden wir allenfalls nebeneinander her arbeiten. Sinnvoller Input aus der Basis ist so kaum zu erhalten.

  • Noch mehr Blogs

Blogs sind jedenfalls deutlich besser als Podcasts, um Informationen zu verbreiten. Eine Vielzahl an Blogs ist allerdings nicht wirklich hilfreich um einen Überblick zu gewinnen. Sinnvoller wäre ein Blog, in dem unter Kategorien die Informationen finden kann.

  • Mehr Pöstchen

Mir schweben nicht mehr Pöstchen vor. Die brauchen wir nicht, wir brauchen ein Informationsmanagement. Das funktioniert auch ohne Pöstchen und Bezeichnungen. Wichtig ist nur, dass es gemacht wird.

Examensvorbereitung II

Im letzten Artikel habe ich es schon angesprochen, jetzt mache ich auch ernst mit dem Blogpost zum Examen ohne Rep.

Nachdem die ARD verhindert, dass ich mich durch den Genuss eines schlechten Tatorts selbst schädigen könnte, muss ich mich irgendwie beschäftigen. Ich könnte aufräumen, aber nö. Also blogge ich mal zum Examen ohne Rep. Für diejenigen, die sich das nicht vorstellen können: das geht wirklich (Examen ohne Rep, nicht nur das Bloggen darüber). Ehrlich. Und man muss dafür kein juristisches Genie sein (ok, das hilft, aber das tut es eigentlich immer).

Disclaimer: Es geht bestimmt auch anders, man kann sich auch allein auf das Examen vorbereiten, man muss die AG nicht so durchführen, wie ich es beschreibe, aber die beschriebene Methode hat sich als in meinen Augen sinnvoll erwiesen.  Wer es genauer wissen will: es gab mal ein Buch dazu, ich wurde von den Autoren inspiriert.

Was braucht man dafür?

  • 3-5 willige zukünftige Prüfungsopfer (wzPO) = die AG
  • einen ruhigen Treffpunkt
  • größere Mengen Tee, Kaffee, andere Getränke, Naschkram
  • eine Prüfungsordnung, möglichst aktuell
  • Zeit

Was macht man damit?

Die 3-5 wzPO sollten einen gemeinsamen Examenstermin anstreben. Das ist nicht zwangsläufig, hilft aber ungemein. Sie treffen sich mindestens ein, wahrscheinlich eher dreimal und arbeiten zunächst einen AG-Plan aus. Das geschieht praktischerweise, in dem man sich aus der Prüfungsordnung abschreibt, was eigentlich Prüfungsstoff ist, also was man lernen muss und was alles nicht. Da fällt schon einmal eine ganze Menge Stoff weg. Dann schaut sich die AG an, wie viel Zeit sie überhaupt bis zum schlimmen Endgegner hat. Idealerweise sollte das zwischen einem und eineinhalb Jahren sein, im zweiten Examen reicht auch weniger Zeit. Dann legt man fest, wie oft man sich trifft, das wird wohl 2-3 mal in der Woche sein. Häufiger geht es nicht, weil man ja auch noch alleine lernen muss, seltener führt dazu, dass man kaum fertig wird.

Im Endeffekt kommt man auf eine Zahl von 100-150 AG-Sitzungen, ein wenig Urlaub muss ja auch sein. Auf diese Sitzungen teilt man erst mal grob die Fachgebiete auf, das Verhältnis wird ungefähr bei 50% Zivilrecht, 25% Verwaltungsrecht und 25% Strafrecht liegen. Fehlt da noch was? JA. Der Schwerpunkt bzw. das Wahlfach. Da wird es in der Regel schwierig, eine AG zu finden, die sowohl Examen ohne Rep macht als auch den „richtigen“ Schwerpunkt. Dafür braucht es dann andere Lösungen, aber das führt hier zu weit. Den Schwerpunkt muss man aber in jedem Fall bei der Zeitplanung berücksichtigen. Wenn man soweit ist, hat man sich erst mal die erste Flasche Wein verdient und kann den Abend ruhig ausklingen lassen. Andere Getränke sind auch erlaubt.

In der Zwischenzeit bis zur nächsten Sitzung wartet dann Arbeit. Richtige, echte Arbeit. Dann muss nämlich, und da sollte jeder an einem Vorschlag arbeiten, der Examensstoff der drei Fachgebiete auf die verfügbaren Termine aufgeteilt werden. Wie kommt man auf die richtige Aufteilung? Das ist verhältnismäßig trivial: man schaue sich die einschlägigen Lehrbücher an, 2-3 nebeneinander und lese aus dem Inhaltsverzeichnis das Verhältnis der Seitenzahlen zueinander. Das überträgt man auf die verfügbaren Termine und fertig ist der Vorschlag. Der kann beim nächsten Treffen diskutiert werden. Allzu groß werden die Unterschiede nicht sein, ein wenig Wein kann die Diskussionen entspannen, und man sollte sich immer vor Augen führen, dass der erste AG-Plan nicht der letzte sein wird. Gelassenheit tut gut, und ihr werdet die Diskussion über die Aufteilung noch ein paar mal führen. Und das ist gut so, denn so beschäftigt IHR euch mit der Relevanz der Themen selbst und kriegt das nicht vorgekaut. Diese Sitzung kann auch gerne an zwei Terminen statt finden.

Und jetzt ist der Plan fertig. Was dann?

Jetzt geht die Arbeit erst richtig los. Jetzt geht es ans Lernen und Üben.

Wie geht Lernen? Ok, ein wenig solltet Ihr das ja auch schon können, aber grundsätzlich durch Aufnehmen, Wiederholen, Anwenden und Wiedergeben von Informationen. Zum Anwenden und Wiedergeben ist u.a. die AG da, Aufnehmen und Wiederholen müsst Ihr das selbst. Wie Ihr das macht, ist relativ egal, hauptsache Ihr tut es überhaupt. Ihr werdet schon von selbst merken, ob das UniRep, Alpmann-Kassetten (gibt’s die überhaupt noch?), Skripten oder Lehrbücher für Euch die besten Lehrmittel sind. Was Ihr benutzt ist egal. Hauptsache Ihr seid beim nächsten AG-Termin vorbereitet. Gut vorbereitet. Sonst wird es nämlich peinlich und irgendwann fliegt Ihr aus Eurer AG raus, weil Ihr die anderen aufhaltet.Es hat sich wohl als nicht so sinnvoll erwiesen, gemeinsam in der AG zu lernen, das dürfte eher Zeitverschwendung sein.

Wie läuft so ein AG-Termin ab?

Idealerweise sollte im Plan für jeden Termin ein Verantwortlicher stehen, der Fälle und Lösungen zu den Themen des Termins raussucht, vervielfältigt und seine Wohnung zum Treffen bereitstellt. Man kann sich auch woanders treffen, aber erfahrungsgemäß ist es in Cafés zu laut und unruhig und in der Uni zu ungemütlich. Es sei denn, es gibt Gruppenarbeitsräume in der Bib. Und dann werden die thematisch passenden Fälle gelöst. Gemeinsam. Mit der Zeit werden die Fälle schwieriger und Ihr kommt immer besser in Schwung. Also gibt es keinen Anlass zur Sorge, wenn die Fälle am Anfang noch kein Examensniveau haben. Das kommt noch.  Und immer wieder werdet und solltet Ihr über die Feineinteilung des Plans für die nächsten Sitzungen sprechen.

Was sollter Ihr sonst noch tun?

  • Urlaub machen. Ungefähr alle 3 Monate mindestens eine Woche.
  • Freizeit unter der Woche. Mindestens einen Tag pro Woche.
  • Examensklausurenkurs besuchen. Einen, es ist egal, ob an der Uni oder beim Rep.
  • Mindestens eine Übungsklausur pro Woche schreiben.

Was solltet Ihr nicht tun?

  • Stress machen. Stress habt Ihr genung.
  • Zum Rep gehen neben der AG. Beides frisst viel Zeit und am Ende bleibt keine mehr zum Lernen und Klausuren schreiben. Das ist aber das Wichtigste an der Examensvorbereitung.
  • Keine Klausuren schreiben.
  • Blind auf mich oder jemand anderen hören, sondern selbst nachdenken.

Wo gibt’s Material?

  • Im Internet, massenweise. Mittlerweile hat wohl jede Uni ein Unirepetitorium und Materialien dafür. Wenn Eure Uni nicht dabei ist, macht das nichts, es gibt genug Material.
  • In Zeitschriften.
  • In Büchern und Skripten.

Examensvorbereitung I

Ich wurde von Johannes Rehborn (@Jrehborn) angeregt, doch mal etwas total überraschendes zu tun und zur Examensvorbereitung zu bloggen. Da ich diesen Text noch auf dem Rechner gefunden habe, stelle ich ihn mal als Beschäftigungstherapie ein. Dieser Text wurde eigentlich für die Vorbereitung auf das erste Examen geschrieben, man kann die Erkenntnisse aber auch für das Zweite nutzen, nur sollte da eigentlich jeder schon die entsprechenden Erfahrungen haben…

Der Text ist allerdings schon ein paar Jährchen alt, es könnte also sein, dass ein paar Begriffe nicht mehr stimmen (gerade im Bereich Schwerpunkt, den ich nie kennen gelernt habe). Seid bitte gnädig mit ihm.

Es wird auch noch einen Post zur Examensvorbereitung ohne Rep geben, aber dafür brauche ich noch ein wenig Zeit.

Jeder kann und sollte sich die ihm passenden oder nützlich erscheinenden Methoden heraussuchen und sollte alles mal probieren. Was hilfreich ist und wie Ihr arbeiten wollt und könnt, ist eine Entscheidung, die Ihr treffen müßt. Das kann weder der Autor noch ein Repetitor, es ist allein Eure Sache.

  1. Lernt Euch selbst kennen:

Ihr erfahrt vieles über Euch selbst in der Examensvorbereitung. Ihr werdet Fähigkeiten und Eigenschaften entdecken, von denen Ihr selbst nicht einmal ahntet, daß Ihr sie besitzt. Jeder Mensch ist anders, aber es sind nicht alle chronischen Langschläfer auch wirklich nur fähig, nur nachmittags zu arbeiten. Eigentlich gilt der Vormittag für die meisten als hervorragende Lern- und Arbeitszeit.

Probiert verschiedene Lernzeiten, allerdings sollten Umstellungen nicht nur für einen Tag kommen: der Langschläfer ist am ersten Morgen um 8 ziemlich sicher zu nichts zu gebrauchen. Das ergibt keine sinnvollen Ergebnisse. Eine Woche Zeit solltet Ihr Euch schon mindestens geben. Dann werdet Ihr merken, zu welcher Zeit Ihr welche Aktivitäten am besten unternehmt. Richtet Euren Tagesablauf nach den gewonnenen Erkenntnissen aus und sorgt dafür, dass die Lernphasen in Eure Hoch-Zeiten fallen.

Testet verschiedene Lernmethoden. Es gibt verschiedene Lerntypen (auditiv, visuell, haptisch), jeder Mensch ist eine Kombination aus verschiedenen Lerntypen, daher solltet Ihr irgendwie versuchen, auch die verschiedenen Sinne beim Lernen anzusprechen. Es sind NICHT 90% aller Menschen rein auditive Lerntypen, sondern ca. 2%, so daß den Allermeisten bloßes Zuhören beim Rep praktisch nichts bringt. Das Argument „ich lerne am besten beim Zuhören“ stimmt also in der Regel nicht. Aus der Unterschiedlichkeit der Menschen ergibt sich nahezu zwangsläufig, dass das Rep für praktisch niemanden die optimale Methode der Examensvorbereitung sein kann.

Eine AG ist demgegenüber variabler und bietet bessere Möglichkeiten, auf Eure individuellen Wünsche, Methoden und Bedürfnisse einzugehen. Nebenbei verschwendet Ihr damit auch weniger Zeit. Es ist übrigens ziemlich kurios, dass die meisten sich zwar auf die Pflichtfächer (deren Umfang man sich ja eigentlich halbwegs vorstellen kann, hat man ja alles schon mal gehört und es gibt Unmengen von Examensmaterial) mit einem Rep vorbereiten, für die Schwerpunktgruppen (deren Umfang am Anfang der Examensvorbereitung in der Regel ein ziemliches Mysterium ist) aber private AGs und die Uni-Veranstaltungen für völlig ausreichend halten. Und dies auch zu recht, die Schwerpunktnoten sind im Durchschnitt besser.

In der Examensvorbereitung merkt Ihr auch, wie Ihr auf Streß reagiert (es geht schliesslich um Eure Zukunft, da ist Streß völlig normal!) und wie Ihr am besten damit fertig werdet. Dabei ist Streß nicht notwendigerweise negativ, er sorgt auch dafür, dass Ihr die optimale Leistungsfähigkeit erreicht und fähig seid, Euch voll auf die Klausuren zu konzentrieren. Schädlich wird er erst, wenn er zur totalen Blockade führt. Es kann für die Streßbewältigung z.B. hilfreich sein, sich Routinen anzueignen, so merkt Ihr nicht so schnell, wie die Zeit vergeht. Das ist wahrscheinlich der größte Streßfaktor in der Vorbereitung: die scheinbar kaum zu überblickende Fülle des Stoffes und die ständig abnehmende Zeit zum Lernen. Auch in den letzten Tagen vor dem Examen und im Examen helfen Routinen: ich mache ja dasselbe wie gestern, da war gestern nichts Schlimmes, da kann mir ja heute nichts passieren. Ausserdem schalten hirnlos abgespulte Routinen das Gehirn ab, und das ist vor (nicht: in!) den Klausuren genau das Richtige.

  1. Der Schwerpunkt ist wichtig:

Es hilft überhaupt nichts, einen Schwerpunktbereich deshalb zu wählen, weil er als einfach gilt. Diese sogenannten „einfachen“ Schwerpunktgruppen gibt es nicht! Wenn in bestimmten Schwerpunktbereichen relativ hohe Punktzahlen erzielt werden (Rechtsphilosophie als Beispiel) dürfte das eher daran liegen, dass es eine Schwerpunktbereichen für Enthusiasten ist. Und Enthusiasmus hilft beim Lernen. Für eine Schwerpunkt, der Euch nicht interessiert, könnt Ihr auch nicht gut lernen. Auch bei sogenannten „schwierigen“ Schwerpunkten könnt Ihr mit einigem Einsatz durchaus hohe Punktzahlen einfahren, viel einfacher als z.B. in Strafrecht. Es ist jedenfalls allemal besser, einen interessanten, wenngleich „schwierigen“ Schwerpunktbereich zu wählen als einen „einfachen“, der Euch nicht interessiert. Und das allerbeste: wenn Allgemeines Verwaltungsrecht mal wieder zu langweilig ist, könnt Ihr dann etwas Interessantes tun und lernt dennoch fürs Examen! Erstes Kriterium muß Euer Interesse und nicht der Ruf des Schwerpunktberichs sein. Noch weniger wichtig ist allerdings das „Prestige“ bei Arbeitgebern, das sich mit der Schwerpunktgruppe verbinden soll. Mein Prüfer im „Gemischten Recht“ (Rechtsanwalt/Wirtschaftsrecht) hat es unserer Gruppe anerkannt, daß wir Rechtsgeschichte und Rechtsphilosophie als Wahlfächer hatten („da machen sie es sich ja nicht einfach“). Und als Rechtsgeschichtler habe ich beruflich immer irgendwas mit IT gemacht.

Fangt auch nicht erst ein Semester vor dem Examen mit dem Schwerpunkt an, die meisten Veranstaltungen an der Uni verlaufen in Zyklen und es ist extrem hilfreich, den gesamten Zyklus besucht zu haben, zumal Ihr dann auch die Chance habt, die Prüfer kennenzulernen.

  1. Gründet eine AG:

Die Frage, ob AG oder nicht, stellt sich eigentlich nicht, egal ob Ihr zum Rep geht oder nicht. Eine AG ohne Rep ist aber naturgemäß intensiver als eine neben einem Rep.

Die Wenigsten schaffen es, sich alleine zu disziplinieren, zu motivieren und zu lernen und sich dann auch noch die Anwendung des Gelernten beizubringen. Eine AG kann auch hilfreich sein, die (unvermeidbaren) Tiefs zu überwinden und sich gegenseitig Mut zu machen. Zusammen macht es einfach mehr Spaß… AG-Partner sorgen auch für den für Viele notwendigen Druck: es gibt wenige peinlichere Situationen, als völlig unvorbereitet einen Fall lösen zu sollen. Die AG-Sitzung ist dann verschwendete Zeit, davon habt Ihr eh zu wenig.

AGs kann man auf vielerlei Weise durchführen. Am sinnvollsten ist es wohl, einen Plan aufzustellen und anhand des Plans dann Fälle, die ein Teilnehmer vorzubereiten hat, zu einem von Allen vorher zu lernenden, eng umgrenzten Themengebiet zu lösen. Der Plan garantiert, daß man nichts Wesentliches vergisst. Und er gibt Euch Freiheiten, von denen Rep-Besucher nur träumen können (wenn Ihr die AG nicht neben dem Rep veranstaltet).

Material für AGs (Pläne, Fälle, Repetitorien etc.) gibt es jedenfalls in Hülle und Fülle. Den AG-Plan solltet Ihr aber selbst aufstellen, das verdeutlicht den Stoffumfang und macht ihn für Euch überschaubar.

  1. Macht Urlaub:

Egal wie Ihr die Examensvorbereitung betreibt, sie ist kein Zuckerschlecken, sondern verdammt anstrengend. Irgendwann ist der Kopf dicht und Ihr völlig fertig. Da ist Urlaub keine vergeudete Zeit, in der Ihr lernen könntet (das klappt dann nämlich sowieso nicht!), sondern für Kopf und Körper dringend notwendige Regenerationszeit. Ihr werdet merken, dass Ihr nach dem Urlaub wieder deutlich effektiver arbeiten könnt. Niemand fordert von Euch, daß Ihr vor dem Examen ausseht wie ein Junkie kurz vorm Tod. Dann fühlt Ihr Euch nämlich bald genauso. Es ergibt sich von selbst, dass das NICHT die sinnvollste Methode der Examensvorbereitung sein kann.
Mich haben einige Leute sehr verwundert angeschaut, dass ich einen Monat vor dem Beginn des Examens noch mal eine Woche weggefahren bin. Aber danach ging es mir deutlich besser als vor dem Urlaub, ich würde sagen, es hat sicher nicht geschadet.

  1. Macht Lernpausen:

Wenn Ihr das Gefühl habt, daß der Kopf „dicht“ ist oder daß Ihr Euch nicht mehr konzentrieren könnt, macht eine Pause. Die menschliche Konzentrationszeit ist begrenzt, viel länger als 45 min am Stück und 5-6 Stunden am Tag kann sich kaum jemand konzentrieren. Dann helfen Pausen. Der Kopf schaltet dabei nicht ab, sondern arbeitet weiter. Das habt Ihr bestimmt auch schon mal erlebt: Ihr denkt verzweifelt über etwas nach und kommt nicht drauf. Dann geht Ihr Schlafen, unterhaltet Euch mit jemandem oder unternehmt sonst etwas völlig anderes, was nicht Eure ganze Konzentration fordert und plötzlich kommt die Erleuchtung wie aus heiterem Himmel. Auch nach dem Lernen arbeitet das Gehirn weiter, wenn Ihr danach etwas anderes (oder auch nichts) tut. Wenn Ihr den Kopf pausenlos mit neuem Wissen vollstopfen wollt, kommt das neue Wissen kaum ins Langzeitgedächtnis, sondern wird sofort durch neues Wissen „überlagert“. Auch deshalb sind Pausen nicht schädlich, sondern hilfreich und wichtig.

Es ist besser, etwas weniger und dafür kontinuierlicher zu arbeiten, als ständig ans Limit zu gehen. Das kann auch den gegenteiligen vom gewünschten Effekt haben und Ihr seid zu schnell ausgepowert oder werdet krank. Kein Marathonläufer kann die 42,195 km im Sprinttempo laufen. Und keiner kann jeden Tag einen Marathon laufen. Wie viel Ihr arbeiten könnt und wollt, müßt Ihr aber mit Euch ausmachen.

  1. Bleibt Mensch:

Das Examen IST wichtig und muß im Mittelpunkt stehen, schließlich bestimmt es wesentlich über Eure Zukunft. Allerdings ist der Mensch ein soziales Wesen und das ändert sich auch bei Euch in der Examensvorbereitung nicht. Ihr mutiert nicht zu einer Karteikarte und nehmt auch nicht wie von selbst deren Bedürfnisse und Gewohnheiten an. Die wenigsten Freundschaften überstehen 1-2 Jahre Kontaktabbruch und dann auch noch die Konfrontation mit einem u.U. ziemlich stark veränderten Menschen. Wenn es mit dem Examen dann doch nicht so toll klappen sollte (das kann ja durchaus passieren, auch wenn ich das von den Lesern dieses Textes natürlich nicht glaube !), seid Ihr am Boden zerstört und habt kaum noch Freunde. Das kann auch nicht der Sinn der Examensvorbereitung sein. Freundschaften sind zu wichtig, um einfach so für das Examen geopfert zu werden. Außerdem hat eine Karteikarte noch nie ein Examen bestanden.

Sport ist elementar wichtig, zum einen um sich „abzureagieren“, zum anderen, weil die Examensvorbereitung auch am Körper zehrt und körperliche Fitness beim Durchstehen des Examens hilft.

Andere Aktivitäten, die Spaß machen, können durchaus hilfreich und aufbauend sein, um aus „Tiefs“ wieder rauszukommen. Es kann auch bei Motivationsschwierigkeiten helfen, wenn Ihr auf ein erfreuliches Ereignis „hinarbeitet“, das muß nicht das Verstehen von Bereicherungsrecht im Dreiecksverhältnis sein. Das kann genauso eine Geburtstagsparty oder ein Theaterbesuch sein. Manchmal ist das sogar motivierender. Ich war selten so gut über die aktuellen Filme informiert wie vor meinen Klausuren, es hat mir wohl nicht geschadet. Selbst Prof. Hager empfiehlt, 1 (!) Abend in der Woche zum Ausgehen zu nutzen. Meiner Meinung nach übertreibt er nicht.

Es sagt jedenfalls niemand, dass Ihr Euch in der Examensvorbereitung nicht auch WIRKLICH gut fühlen dürft, das müßt Ihr Euch nicht nur einreden.

  1. Freischuss oder nicht Freischuss:

Der Freischuss ist eine schöne Methode, die Studenten von einer überlangen Examensvorbereitung abzubringen und das Examen zu beschleunigen (dass es immer noch so lange dauert, kann man jedenfalls nicht mehr den Studenten anlasten). Alles wissen könnt Ihr eh nicht und je mehr Ihr wisst, desto mehr merkt Ihr, was Ihr nicht wisst. Das wusste schon Sokrates. Allerdings ist der Freischuss kein kostenloser Klausurenkurs. Kurz gesagt: geht ins Examen, wenn Ihr Euch halbwegs fit fühlt, wenn’s mit dem Freischuss klappt: hervorragend, wenn’s zum Freischuss nicht reicht, ist es auch nicht schlimm. Das wichtigste ist, dass Ihr mit dem ersten Mal das gewünschte Ergebnis einfahrt.

Seid Ihr nämlich beim Freischuss nicht fit, ist die Gefahr ziemlich groß, dass Euch die Motivation fehlt, Euch noch mal richtig zu quälen. Und das müsst Ihr, um Euch zu verbessern. Sonst besteht die Gefahr, dass sich das erste unbefriedigende Ergebnis noch einmal wiederholt. Insbesondere, wenn Ihr es zur Notenverbesserung noch einmal versucht.

  1. Entspannt Euch vor den Klausuren:

Die „Panik“ überkommt Euch schon früh genug (der Morgen der Klausur reicht völlig, da ist der damit verbundene Adrenalin-Flash sogar hilfreich!), Ihr müßt nicht noch am letzten Tag, Abend oder gar Morgen lernen. Tut lieber Dinge, die Ihr mögt und bei denen Ihr Euch wohlfühlt, wobei „Party bis in den Morgen“ oder „sich komplett zukippen / zukiffen“ wohl von vornherein ausscheiden dürften. Die Wahrscheinlichkeit ist eh so gering, dass Ihr genau das lernt, was drankommt, als dass Ihr Euch damit wild machen müßtet. Auch wenn immer wieder solche Zufälle auftauchen, bei den Meisten tauchen sie eben nicht auf. Ich habe mir auch vor den Klausuren Gedanken gemacht, was drankommen könnte und lag JEDES Mal meilenweit daneben (gut dass ich meiner Eingebung da nicht gefolgt bin!). Das Gehirn arbeitet sowieso unterbewußt mit, das könnt Ihr kaum abschalten, laßt es in Ruhe „seinen Job“ tun, es ist nicht der Schlechteste…

Die Gefahr ist ausserdem, dass Ihr DENKT, dass Ihr „den Fall von gestern“ kennt und verzweifelt versucht, Euch an die Probleme und ihre richtige Lösung zu erinnern, statt ihn normal mit der „Hausapotheke“ zu lösen. Mit der normalen, richtig angewendeten „Hausapotheke“ solltet Ihr eigentlich schon bequem ins „befriedigend“ kommen, alles darüber hinaus ist sowieso Glückssache.

Es soll auch schon Kandidaten gegeben haben, die dachten, den Fall zu kennen und den bekannten Fall gelöst haben. Der hatte bedauerlicherweise nur wenig mit dem realen Fall zu tun.