Man könnte es zusammenfassen mit „Gestank und Wolken“ aber das wäre doch ein wenig kurz.

Rotorua liegt auf einem vulkanisch aktiven Gebiet, das sich im Norden bis nach Auckland und im Süden über Taupo, Tongariro und Mt. Taranaki zur Tasmanischen See erstreckt. In Rotorua gibt es allerdings keine Vulkane, sondern nur heiße Schwefelquellen und Geysire. Davon allerdings ein paar mehr, so dass es in der Stadt an ein paar Orten eher nicht so gut riecht. Ich dachte, dass Rotorua auf Maori „Da wo es blubbert und stinkt“ heißen müsste, tut es aber nicht. Wäre aber passend…
Wie dem auch sei, im Stadtpark sind jede Menge heißer Schwefelquellen (seid froh, dass Fotos keine Gerüche übertragen!) und auch am Lake Rotorua gab es ein paar. Dann war da Nachtmarkt (eine Straße wurde zur Fussgängerzone und es gab Fressbuden) und das örtliche Pub im ehemaligen Postamt hat auch ganz brauchbares Bier. Und hin und wieder englische und neuseeländische (betrunkene) Cricketspieler, die aber auch nicht willens waren, mir Cricket zu erklären.
Am nächsten Tag ging es erst mal ins Waimangu Valley, ein Tal mit vulkanischer Aktivität, wo der letzte Vulkanausbruch schon 40 Jahre her ist. Auch da dampft und stinkt es an allen Ecken und Enden. Geformt wurde das Tal im Wesentlichen durch eine große Vulkanexplosion 1886, die aus einem großen Graben (durch den man bei der Besichtigung läuft) Schlamm und Asche gespuckt hat. Und dabei die Pink and White Terraces zerstört hat. Das ist aber den ganzen Besuchern und den Wasservögeln auf dem Lake Rotomahana egal. Praktischerweise haben sie auf den Binnensee auch noch ein Schiffchen transportiert, wie auch immer…
Auf dem Weg zum Tongariro National Park hab ich noch einen Zwischenstop in der Nähe von Taupo eingelegt, wo ein heißer Fluss sich in einer Art natürlichem Spa mit dem Waikato River mischt. Leider ist das kein wirklicher Geheimtip und da ist es ungefähr genauso voll wie im Vabali Samstag nachmittags (aber im Unterschied dazu umsonst). Die angeblich so sehenswerten Huka Falls entpuppten sich als Stromschnellen des Waikato River durch eine enge Schlucht. Nun ja.
Der Tongariro National Park mit dem ersten „Great Walk“, dem Alpine Crossing, rief auch gespaltene Gefühle hervor. Zunächst mal muss man Übernachtungen buchen – ohne Übernachtung kommt man eigentlich nicht in die Hütten und ohne Hüttenübernachtung gibt es keine Umrundung. Leider kann man Buchungen (offiziell, inoffiziell soll es möglich sein) nicht verschieben, so dass man nur die Wahl hat, zum gebuchten Termin zu gehen oder es ganz sein zu lassen. Das ist nicht so wirklich gut und wäre einigermaßen riskant, weil es Wanderer dazu bringt, auch bei wirklich miesem Wetter auf den Track zu gehen (so auch mich, viele andere haben abgebrochen). Beim Alpine Crossing ist das Risiko allerdings überschaubar, das ist so eine Art Autobahn mit ausgebauten Wegen mit Treppen und Befestigungen und das ganze ist auch noch meistens 2-3 m breit. Selbst bei miesem Wetter mit Dauerregen und heftigem Wind ist die Strecke also nicht wirklich gefährlich. Und genau das war die Beschreibung es ersten Tages. Ich habe jedenfalls jeden Moment eine Horde Orks erwartet, die angreifen. Das verwundert auch nicht, schließlich war der Tongariro National Park das „Land Mordor“ aus Herr der Ringe.
Das Alpine Crossing besteht im wesentlichen aus einem Anstieg zum Red Crater (richtig, es handelt sich um eine Vulkanlandschaft, sowohl der Mt. Tongariro als auch der Mt. Ngauruhoe als auch der Mt. Ruapehu sind trotz ihrer schneebedeckten Gipfel aktiv, der letzte Ausbruch war schon 2012) und dann einem Abstieg, bei dem sich der Weg gabelt zwischen dem eigentlichen Alpine Crossing (ohne Übernachtung) und dem Northern Circuit (mit 2-3 Übernachtungen). Die letzten 2 Stunden vom Fuß des Red Crater durch den Dauerregen zur Oturere Hütte waren mit die längsten – öde Landschaft und Dauerregen sorgen dafür. Dafür ist die Hütte umso behaglicher (bis auf das Loch in der Decke, durch das es tropft) und der Sturm, der mir mein Regencover wegweht (das wird mir dank des Einsatzes des Rangers und zweier freundlicher Wanderer am Ende der Tour auf die Mangatepopo Hütte gebracht). Da kamen dann auch später die beiden leidensfähigen Tschechen an, die ich bis zum letzten Tag der Tour noch treffen sollte. Da alle die gleiche Strecke laufen, sieht man sich zwangsläufig…
Der Tag hat auch Opfer gekostet: beide Objektive haben Wasser drin und müssen erst mal getrocknet werden – keine Fotos bis zu Tag drei der Tour (bei dem Wetter lohnt es sich auch nicht).
Tag zwei ist kurz und wenigstens ein wenig abwechslungsreich, am nachmittag kommt die Sonne raus und ich sehe zumindest den Mt. Ngauruhoe und Mt. Ruapehu. Der dritte Tag wird sonnig, in der recht ebenen Landschaft absolut öde und im letzten Drittel auf dem aufgeweichten, matschigen und U-förmigen Weg sehr unangenehm zu gehen. Irgendwann hab ich dann auch keine Lust mehr, die beiden Vulkane zu fotografieren…
Das Wiedersehen mit dem Auto war ein Anlass zur Freude bis zu dem Moment der Erkenntnis, dass ich das Licht angelassen hatte. Drei Tage hält keine Batterie aus. Zum Glück war da ein Franzose, der ein Starthilfekabel hatte und damit war dann auch die Rückkehr gesichert.
In Turangi gab es dann im örtlichen Pub ein Steak (der Supermarkt war schon zu, so schade…) und ich bin noch bis kurz vor Napier gefahren. Nach Taupo folgte auf dem Highway eine Warnung „Keine Tankstelle in den nächsten 150 km“… und soweit ich das in der Dunkelheit erkennen konnte, war das auch logisch, weil bis kurz vor Napier absolut nichts war außer ein paar Cafes und vereinzelte Farmen.

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